Nach dem Urteil: Warten auf die beiden Freigesprochenen

Der Fall Sürücü

Sie zahlt den Preis für unsere Freiheit

Es gibt in Deutschland Menschen, die nach Regeln jenseits des Individualstrafrechts leben - in einer archaischen Parallelwelt, in der es ein vom Familienverband losgelöstes „Ich“ nicht gibt. Anmerkungen zum Fall Sürücü von Necla Kelek.

Lesermeinungen zum Beitrag

25. April 2006 10:29

Der Preis

Michael Klueter (mklueter)

Schön wäre, wenn es so käme, dass es nicht bei dem "Alleintäter" bliebe, sondern das System der Anstiftung / mittelbaren Täterschaft in diesen Fällen verstanden und mit unserem Strafrecht geahndet werden könnte. Das wird Hauptaufgabe der Revisionsinstanz sein. Ob eine härtere Strafe für den bisher einzig verurteilten Heranwachsenden dabei herauskommt, ist mir gar nicht so wichtig.

Und wir brauchen in Deutschland funktionierende und auch finanziell sich lohnende Zeugenschutzprogramme. Dann fällt die Wahl für die Zivilcourage vielleicht leichter - obwohl trotz Zeugenschutzprogramm die radikale Änderung und damit Einschränkung des Lebens für den/die mutige/n Zeugin/Zeugen bleibt.

Trotz der neuen Kosten für unser Land meine ich, es wäre eine Investition in die Zukunft - auch der Integration.

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25. April 2006 09:00

Tretet für die Zeugin ein!

Markus Teuber (arathorn)

Wer den Auftritt des Anwaltes der Mörders bei der Diskussionsrunde von Frau Christiansen am vergangenen Sonntag mit erlebt hat,muß sich über den im Beitrag geschilderte Verhalten des ANwaltes im Prozeß nicht wundern.
Sogar in dieser TV-Sendung kam der Mann nicht umhin,die Zeugin zu diffamieren und ihre Aussage in Zweifel zu ziehen.
Man hatte nach dem Auftreten des Anwaltes direkt den Eindruck,als wäre tatsächlich gar nichts passiert,als hätte es den Mord gar nicht geben,als würde die Ermorderte noch selig unter den Lebenden weilen!
Es mag zwar die Aufgabe eines Anwaltes sein,seinen Mandanten zu verteidigen.
Doch wenn dies nur noch bedeutet, die absolute Wahrheit zu verdrehen,Zeugen einzuschüchtern und deren AUssagen lächerlich zu machen (weil der Fall so klar ist,daß an der Tat,dem Motiv und dem/den Täter/n nicht gerüttelt werden kann) sollte er besser den Mund halten.

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24. April 2006 23:36

katholisch-archaische Parallelwelt ohne eigenständiges „Ich“

paul jawlinski (pauljawlinski)

Bis in die 60ziger Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts gab es auch in weiten Teilen Deutschlands eine katholisch-archaische Parallelwelt ohne eigenständiges „Ich“ Dies war verbunden mit einer Respektkultur, einem Patriarchat und einer repressiven Sexualmoral. Doch wo ist sie geblieben, das katholische Mileu löste sich auf. Die katholischen Individuen entschieden sich mehrheitlich gegen die klerikale Gängelung und für einen individuelleren Lebensstil. Durch den höheren Lebensstandard und den Sozialstaat ist die einzelne Person auch nicht mehr existenziell auf materielle Unterstützung durch seine Sippschaft angewiesen.

Dem Anpassungsdruck der Minderheit an die Mehrheit werden die islamischen Immigraten auf Dauer, sowenig widerstehen
können wie die Hugenotten oder die polnischen Einwanderer ins Ruhrgebiet. 30% der Einwohner Berlin war einmal Hugenotten. Außer den französchien Nachnamen und dem französischen Dom dürfte kaum was übrig geblieben sein, sieht man von ihrem Beitrag zur wirschaftlichen Entwicklung ab.

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24. April 2006 21:48

Beeindruckt

thomas just (justluthe)

Danke, liebe verehrte Frau Kelek, dass Sie den Mut der jungen Frau Melek gewürdigt haben. Diese Zivilcourage ist ein beeindruckendes Zeichen in einer Welt, die meint, sie könne mit Haß und Gewalt unter Mithilfe von sog. Rechtsvertretern das REcht beugen. Ich hoffe nur, dass von staatlicher Seite alles getan wird, um dieser Frau ein sicheres und angstfreies Leben zu ermöglichen. Ich habe allergrößte Hochachtung für sie, und tiefste Verachtung für die Mitglieder der Familie Sürücü.

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24. April 2006 21:14

Es könnte auch anders kommen

Klaus Steffen (krs)

Es ist Frau Kelek zuzustimmen, daß in diesem Prozeß nur scheinbar Gerechtigkeit geübt wurde. Das Verfahren ist aber noch nicht zu Ende, weil ja von der Staatsanwaltschaft Revision eingelegt wurde.

M.E. kann der neu verhandelnde Richter ja zu der Auffassung kommen, die Angelegenheit nach dem normalen Strafrecht und nicht nach dem Jugendstrafrecht zu behandeln. Denn schließlich war der Täter zum Zeitpunkt der Tat volljährig und die Tat selbst geschah aus niederen Beweggründen und geplant.

In diesem Falle käme ordentlich Bewegung in die Sache. Der Angeklagte würde nicht bereit sein, für ev. dritte Beteiligte oder Mittäter die Schuld alleine auf sich zu nehmen. Seine Aussagebereitschaft würde sich erheblich steigern, wenn am Ende eine lebenslange Freiheitsstrafe stünde. Das wäre etwas anderes, als möglicherweise nach 5 jahren in die Freiheit entlassen zu werden.

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24. April 2006 20:27

Nötig!

Rud Haller (rodolfissimo)

Ein dringend nötiger Beitrag!
Und Anerkennung für die dringend nötige Arbeit von Necla Kelek!
Im erwähnten Prozess wurde auch sichtbar, daß immer wieder ein weiteres Mißverhältnis auf die Spitze getrieben wird. Es handelt sich um die Auffassung von Rechtsanwälten, daß der Zweck der Verteidigung jedwedes Mittel rechtfertige, Täuschung, Betrug, direkte und indirekte Zeugenbedrohung und Beweismittelunterdrückung eingeschlossen. Man muß daran erinnern, daß auch die Verteidigung zur Wahrheitsfindung und nicht zum Gegenteil beizutragen hat.
Hier fehlt offensichtlich die Aktivität der Bundesanwaltschaft, hier ist die verfasste Rechtsordnung tatsächlich bedroht.

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24. April 2006 19:23

Sind wir blind?

Andreas Walter (tsching)

Das deutsche Strafprozeßrecht geht naiverweise davon aus, daß grundsätzlich alle Straftäter "Schuld" empfinden können. Es ist chancenlos, wenn Täter hierzu nicht in der Lage sind. Wenn dieses Prinzip -wie hier- bei einem mittlerweile erheblichen Teil der hiesigen Bevölkerung nicht mehr funktioniert, muß der Rechtsstaat handeln! Wie der Imam von Izmir richtig erkannt hat: es ist Krieg. Die Muslime wollen uns zum "Haus des Islam" machen und ihre Wertordnung durchsetzen. Sie haben schon beträchtlichen Erfolg und ihre Helfershelfer sind ausgerechnet die Gutmenschen mit den hohen westlich geprägten Idealen. Diesen Krieg und alle unsere westlichen Errungenschaften werden wir tatsächlich verlieren, wenn wir weiterhin derart harmoniebesoffen die Augen zu machen. Wir müssen uns zwingen, den Alltag in unseren Städten, an unseren Schulen, in den Gefängnissen usw. zur Kenntnis zu nehmen und konsequent retten, was zu retten ist.

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