
Uwe Tellkamp gemeinsam mit seiner Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz, nachdem ihm der diesjährige Deutsche Buchpreis zugesprochen wurde.
14. Oktober 2008 Es hat kaum mehr einen Beobachter der Literaturszene überrascht: Der von den Kritikern einhellige gelobte Roman Der Turm von Uwe Tellkamp wurde zum Roman des Jahres gekürt. Dem neununddreißig Jahre alten Autor wurde am Montagabend im Frankfurter Römer der Deutsche Buchpreis 2008 für die beste deutschsprachige Neuerscheinung dieses Jahres zuerkannt. In seinem Roman schildert der gebürtige Dresdner Tellkamp am Beispiel des Bildungsbürgertums seiner Heimatstadt die letzten sieben Jahre der zerfallenden DDR. In der Begründung der Jury hieß es, Tellkamps großer Vorwenderoman entwerfe in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Den Lesern erschlössen sich in ihm wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR.
Auf die Shortlist hatten es neben Tellkamp auch Ingo Schulze (Adam und Evelyn), Dietmar Dath (Die Abschaffung der Arten), Iris Hanika (Treffen sich zwei), Sherko Fatah (Das dunkle Schiff) und Rolf Lappert (Nach Hause schwimmen) geschafft. Der Preis, den eine jährlich wechselnde Jury am Vorabend der Frankfurter Buchmesse vergibt, ist mit insgesamt 37 500 Euro dotiert. Der Sieger erhält 25 000 Euro, die fünf restlichen Finalisten jeweils 2500 Euro.
Ein Panorama von Buddenbrookschen Qualitäten
Tellkamps im Suhrkamp Verlag erschienenes Buch galt als einer der Favoriten. In den Feuilletons wurde es in den vergangenen Wochen als meisterhafter Abgesang auf die DDR- Gesellschaft von Buddenbrookschen Qualitäten gewürdigt. Der Roman, in dessen Mittelpunkt eine bürgerliche Familie steht, ist stark autobiografisch geprägt. Tellkamp verweigerte im Zuge der Wende als NVA- Panzerkommandant 1989 den Befehl und wurde inhaftiert. Später wurde er Arzt und arbeitete in einer Klinik in Dresden. Heute lebt er Freiburg.
Der Deutsche Buchpreis hat sich innerhalb kurzer Zeit zur Auszeichnung mit der größten öffentlichen Aufmerksamkeit in Deutschland entwickelt. Der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergebene Preis wurde zum vierten Mal verliehen. Er orientiert sich an ausländische Vorbildern wie dem britischen Man Booker Prize und will der deutschen Literatur auch im Ausland mehr Geltung verschaffen. Im vergangenen Jahr hatte Julia Franck (Die Mittagsfrau) den Preis erhalten. Ihr Buch ist inzwischen in zahlreiche andere Sprachen übersetzt worden. 2006 wurde Katharina Hacker (Die Habenichtse) geehrt, 2005 hatte der österreichische Schriftsteller Arno Geiger (Es geht uns gut) den Preis bekommen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS, REUTERS
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