Von Uwe Ebbinghaus
02. Oktober 2001 Fast neun Jahre nachdem die Leichen von Petra Kelly und Gert Bastian aufgefunden wurden, strahlt die ARD an diesem Mittwoch einen Fernsehfilm über die tragische Beziehung des außergewöhnlichen Paares aus. Kelly Bastian. Geschichte einer Hoffnung beruht auf einem Drehbuch von Wolfgang Menge, der sich an Alice Schwarzers umstrittener Doppel-Biografie von 1993 orientiert.
Am 1. Oktober 1992 hatte Gert Bastian, der ehemalige Bundeswehr-General und spätere Grünen-Abgeordnete zuerst seine Lebensgefährtin und dann sich selbst erschossen. Die Frage, ob es sich im Fall Petra Kellys um Selbstmord auf Verlangen handelte - in den Medien wurde damals oft von Doppel-Selbstmord gesprochen - oder, ob Bastian Kelly gegen ihren Willen ermordete, wurde nie abschließend geklärt. Inzwischen hat sich aber die von Alice Schwarzer vehement vertretene Mord-These durchgesetzt.
Mörder Bastian
Auch Andreas Kleinerts Film schließt sich Schwarzer an, oder besser: Der Film folgt den Indizien. Von Mord auszugehen ist schließlich sehr wahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass Petra Kelly schlief, als der Schuss sie tötete. Gegen die Doppelselbstmord-These spricht weiterhin, dass Bastian, bevor er sich selbst eine Kugel in den Kopf schoss, in den Flur getreten war, weg vom Totenbett seiner langjährigen Geliebten.
Im Film scheint Bastian, bevor er auch sich erschießt, einen Moment der Ruhe, der Unabhängigkeit genießen zu wollen. Beides war ihm von Petra Kelly in ihrer letzten gemeinsamen Zeit nur noch selten zugestanden worden: Kelly litt unter Panikzuständen und brauchte den pflichtbewussten Bastian fast permanent in ihrer Nähe.
Kelly Bastian - Manzl Mendl
Michael Mendls Gert Bastian ist zwar eindeutig ein Mörder, keinesfalls aber der verkappte Frauenfeind, als den ihn Schwarzer dargestellt hat. Auch ein anderes nachvollziehbares Mord-Motiv oder einen ernst zu nehmenden seelischen Abgrund hat ihm das Drehbuch vorenthalten. Bastians Untreue und seine NS-Vergangenheit werden nur kurz angedeutet, seine Stasi-Akte, die er zeitlebens vor Kelly verbarg und über deren Inhalt bis heute spekuliert wird, bleibt gar unerwähnt.
Kaum stimmiger ist die von Dagmar Manzl verkörperte Figur der Petra Kelly. Manzl hat einen fast unmöglichen Spagat zu bewerkstelligen: Einerseits will der Film die Kelly als bemitleidenswertes Opfer von Grünen-Intrigen und als letzte Idealistin der deutschen Politik darstellen, andererseits versucht er entschieden, Kellys spießige Seite hervorzukehren - in Hotelzimmern kann man sie zum Beispiel beim Einsammeln der überschüssigen Seife-Stücke beobachten.
Ärgernis für die Grünen?
Im Grunde macht Kleinerts Film über weite Strecken genau das, was er den Grünen von damals insgeheim vorwirft. Ebenso wie die gezeigten grünen Neider zieht auch Kelly Bastian das außergewöhnliche Paar auf ein Normalmaß herunter. Wer nicht schon Einiges über Petra Kelly und ihre Verdienste weiß, wird sie nach diesem Film wahrscheinlich unterschätzen.
Ob sich die Grünen, wie es Regisseuer Kleinert prophezeit, über den Film ärgern werden, ist fraglich, zumal keine noch heute politisch aktive Figur im Film dargestellt wird - kein Fischer, kein Schily. Zwar wird die Partei erleichtert sein, dass am kommenden Wochenende keine Wahl ansteht, da Kleinerts Film so manchen Zuschauer in der Auffassung bestätigen wird, Grüne neigten heute wie damals zu internen Streitereien und seien entscheidungsschwach. Als unangenehmer aber dürfte die Parteispitze die um 21.45 Uhr im WDR gezeigte Dokumentation über Kelly/Bastian empfinden. Hier nämlich werden Original-Ausschnitte gezeigt, in denen Kelly fast prophetisch vor Machtkämpfen und einer Liberalisierung der Grünen Partei bis hin zur Unkenntlichkeit warnt.
Verschenkte Möglichkeiten
Es spricht für Kleinert, dass er gar nicht erst versucht hat, sich mit dem vorhandenen dokumentarischen Material zu messen - konsequent verzichtet er auf dessen Nachstellung. Zu selten aber nutzt der Film, der sich weitgehend auf bekannte Fakten bezieht, den Spielraum der Fiktion, so wie er das in der eindrucksvollen Mordszene tut.
Sendetermin: Mittwoch, 3.10., ARD, 20.15 Uhr
Text: @uweb
Bildmaterial: © WDR/Bernd Spauke
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