Literaturbeilage zur Buchmesse

Vogelkundler und Versteckspiele

Lesezeit in Leipzig

Lesezeit in Leipzig

12. März 2008 Marcel Beyer macht die Vogelkunde zur zeitgeschichtlichen Disziplin. Die Debatte um Littell wird fortgesetzt. Albert Ostermaier untersucht die Sprengkraft der Zweisamkeit, Silvia Bovenschen spielt Verstecken.

Alister McGrath weiß, warum der neue Atheismus unsere Kultur verflacht, Bruno Preisendörfer ruft unterdessen: Bildung für alle, Oliver Sacks präsentiert seine Fallsammlung musikalischer Freaks, und Steffen Möller ist unterwegs in Polen: eine Auswahl von Rezensionen aus unserer an diesem Mittwoch erschienenen Feuilleton-Beilage zur Leipziger Buchmesse, die an diesem Donenrstag eröffnet wird.

Weitere Rezensionen finden Sie in unserer Literaturbeilage zur Leipziger Buchmesse (F.A.Z. vom 12. März). Michael Kumpfmüller sorgt für Innere Sicherheit, die Sherko Fatahs Held bedroht. Thomas Pletzinger springt im Dreiecksverhältnis, Miranda July versteckt sich im Spielfilm. Yasmina Reza porträtiert einen Gewinner, und Jim Rakete macht Nahaufnahmen. Zu hören ist Celine, nicht nur zum Ansehen sind Kinder- und Jugendbücher.

Bei den neuen Sachbüchern will Gunter Frank uns vom Essensstress befreien, Bill Buford verharrt in der Hitze der Küche, Dieter Hildebrandt schaut in die Sonne. Volker Sommer ist im Urwald unterwegs, und Ekkehard Eickhoff gondelt durch Venedig. Die politischen Bücher erzählen vom Aufgabenwandel der CIA und erklären Pakistans Schlüsselrolle.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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Eröffnung der Buchmesse

Leipzig liest und schießt

Die Welt des Buches ist eine heile Welt

Ein Thema beherrscht Leipzig: der „Disko-Krieg“ mit brutalen Straßenschlachten zwischen bewaffneten Banden. Zum Auftakt der Buchmesse wirkt die Stadt an manchen Orten wie im Kriegszustand. Statt „Leipzig liest“ also nun „Leipzig schießt“? Von Richard Kämmerlings

Preis der Leipziger Buchmesse

Clemens Meyer ausgezeichnet

Den Belletristik-Preis erhielt Clemens Meyer

Der Preis der Leipziger Buchmesse geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Clemens Meyer. Der Leipziger erhielt die Auszeichnung für seinen Erzählband „Die Nacht, die Lichter“, eine Sammlung von Kurzgeschichten über Leute „am Rand der Gesellschaft“.

Leipziger Buchmesse

Bücher gegen die Verblödung

Leipzig: Das Auge liest mit

Der Kulturbetrieb wacht auf: Die Ökonomisierung des Geistes wird zum großen Thema auf der Leipziger Buchmesse. Etliche aktuelle Sachbücher versuchen sich an einer ätzenden oder klinischen Wirtschaftskritik. Von Christian Geyer

Marcel Beyer: Kaltenburg

Die Nacht, in der es tote Krähen regnete

Urformen der Angst: Marcel Beyers „Kaltenburg“ bündelt das zwanzigste Jahrhundert in einem Dresdner Forscherleben. Es ist die meisterliche Vergegenwärtigung von Zeitgeschichte mit den Mitteln des Romans. Von Hubert Spiegel

Literatur

Ein Mann schlägt zu

Autor mit Schlagseite: Albert Ostermaier

Der Theaterregisseur Albert Ostermaier wandelt die reale Geschichte des französischen Rocksängers Bertrand Cantat, der seine Geliebte Marie Trintignant aus Eifersucht zu Tode prügelte, in eine fiktive Geschichte um. Er tut es mutig, zupackend, schlagfertig. Doch von Liebe ist nicht viel zu spüren. Von Verena Lueken

Literatur

Am Rand ist, wo wir nicht sind

Schmuddelkind der Literatur: Clemens Meyer

Die Welt des Clemens Meyer ist bevölkert von Arbeitslosen, Boxern, Schlägern und Trinkern. Literaturkritiker finden das manchmal unvornehm, doch in seinem Erzählungsband „Die Nacht, die Lichter“ hält Meyer angenehm unbeirrt an seinem Stil fest. Von Edo Reents

Literatur

Einszweidreivier Eckstein, alles muss versteckt sein

Maskenbildnerin mit Neigung zum Versteckspiel: Silvia Bovenschen

Die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Silvia Bovenschen schreibt vom Verschwinden auf absichtsvoll beliebige, doch atemlose und ergreifende Weise. Ein vertracktes Versteckspiel, das sich nicht begreifen lässt. Von Rose-Maria Gropp

Sachbuch

Warum der neue Atheismus unsere Kultur verflacht

Ist Gott nur ein Virus? Alister McGrath schützt die Religionsphilosophie vor den biologistischen Übernahmeversuchen.

Ist der Glaube nur ein überständiger Virus, von sogenannten Memen nach biologischem Muster übertragen? Was der Oxforder Biologe Richard Dawkins mit propaganistischer Schärfe vertritt, weist Alister McGrath mit vornehmem Zweifel zurück. Von Henning Ritter

Sachbuch

Der iPod in unserem Gehirn

Folgt den Klangspuren in die Gehirnlappen: Oliver Sacks

Der Musik kann sich niemand entziehen. Unser Gehirn ist von Melodien und Klängen ganz unwillkürlich beherrscht. „Musicophilia“ nennt der Neurologe Oliver Sacks diese Diagnose, die er im gleichnamigen Buch flott beschreibt. Ein tiefes Musikverständnis eröffnet sich ihm dabei nicht. Von Julia Spinola

Sachbuch

Nachhilfemuttis sind unser Fluch

Privilegienritter, fit für den Arbeitsmarkt: Absolventen der Internationalen Universität Bremen

Die Kosten des Aufstiegs: Bruno Preisendörfer bricht eine Lanze für die Bildungsfernen. An seinem eigenen Beispiel illustriert er, wie schwer es für Kinder aus Arbeiterfamilien ist, ihrem Milieu zu entkommen. Von Hannes Hintermeier

Sachbuch

Zwei Männer und drei Salzstangen

Unerschrocken in Warschau: Steffen Möller

Polens Lieblingsdeutscher: 1994 zog der Wuppertaler Steffen Möller nach Polen und hat es dort zum Fernsehstar gebracht. Nun klärt er uns in einem höchst vergnüglichen Buch darüber auf, wie es sich im Nachbarland so lebt. Von Jörg Thomann

Milbradt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse

Internetforen sind Chance für den Buchmarkt

Fasziniert vom Reading Rooms der F.A.Z.: Georg Milbradt

In seiner Eröffnungsrede zur Leipziger Buchmesse hob Ministerpräsident Georg Milbradt die wachsende Bedeutung von Internetforen für den Buchmarkt hervor. Vor allem der F.A.Z. Reading Room fasziniere ihn als Begegnungsort für unterschiedlichste Leseerfahrungen, so Milbradt.