24. Dezember 2008 Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten. Mit diesem Zitat des Jeremias beendet der Evangelist Matthäus seine Zeilen vom Kindermord in Bethlehem. Wir alle kennen den Mörder: Herodes der Große, König von Judäa, der, nachdem er von der Geburt Jesu erfahren hatte, alle Knaben bis zu zwei Jahren in der Stadt umbringen ließ.
Doch unter den unzähligen Verbrechen des Herodes, die jüdische Chronisten hasserfüllt aufzählen, fehlt der weltbekannte Kindermord - die Wissenschaft nennt ihn deshalb Legende. Es bleibt genug, das den König als zügel- und skrupellosen Machtmenschen zeigt: Idumäer und damit Angehöriger eines zwangsjudaisierten Stamms, zunächst Statthalter Galiläas, eroberte er sich den Thron mit Hilfe des römischen Triumvirats von Octavian, Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus. Er wahrte seinen Status, den die Juden als illegitim ansahen, da Herodes kein echter Jude war, indem er Marcus Antonius, seinen Hauptgönner, fallenließ und zum aussichtsreicheren Octavian wechselte, der ihn prompt anerkannte.
Zu Ehren des nunmehrigen Kaisers Augustus ließ Herodes Samaria ausbauen und ihm zu Ehren Sebaste nennen. Caesarea Maritima, eine Stadtgründung des Herodes, galt der Antike als Wunder der Baukunst, auch - nur den Juden nicht - die Vergrößerung des Tempels in Jerusalem. Dort baute sich der König einen Palast, dessen Ruhm nur das Herodeion, ein raffiniert angelegtes Sommerschloss auf einem schroffen Wüstenberg, noch übertraf.
In Erinnerung blieb nur sein Dämon
Ein genialer Bauherr, erwies sich Herodes oft auch als kluger Staatsmann: 25 vor Christus, als eine Dürrre Hungersnöte und Seuchen auslöste, ließ er Getreide aus Ägypten herbeischaffen und erließ allen Bürgern ein Drittel ihrer Steuern. Die Verwaltung funktionierte, der König, für die Nachbarländer der Große, respektierte alle jüdischen Bräuche und die Gesetze seiner Oberherren, der Römer, vermittelte zwischen ihnen und seinem stets reizbaren Volk. Dennoch blieb nur sein Dämon in Erinnerung: zehn Heiraten, fünfzehn Kinder, von denen er drei Söhne, ebenso wie einige seiner Frauen, hinrichten ließ.
Seinen sechzehnjährigen Schwager, den er gerade zum Hohepriester ernannt hatte, ließ er ertränken. Ertappte oder mutmaßliche Verschwörer wurden zu Dutzenden geköpft, ebenso Beamte. Auf dem Sterbebett ließ er die Söhne des judäischen Adels inhaftieren, um sie bei seinem Tod zu meucheln. Seine Schwester Salome griff ein. Als 2007 das Grab des Herodes im Herodeion entdeckt wurde, zeigte es Spuren wütender Zerstörung, die bald nach der Beisetzung stattfand. Augustus dagegen, der zwar monogam war, aber wohl nicht weniger Köpfe rollen ließ, nennt die Nachwelt einen Friedensfürst.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cinetext/Sammlung Richter
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