"Verworren, unklar, zweideutig, unsauber" -- na, also wenn das eine Ehrenrettung sein soll ! Grass wird sich wohl kaum bei Chwin für diese wohldurchdachte und akkurate Analyse bedanken.
Stefan Chwin über Grass
Wie gut er doch in der Chwin`schen Kritik wegkommt, der Erfolgsmensch Grass. Man kann sich eine ganze Menge leisten, wenn man nur Karriere gemacht und Preise gewonnen hat.
Ist es zu verwundern, dass Stefan Chwin seinen Freund Grass entschuldigt? Chwin, der vor einigen Jahren in der Schweizer NZZ die Thematik des deutschen Flüchtlingselends behandelte, mit dem Titel: „Das Glück der Vertriebenen“. „ Immerhin“, schreibt er daselbst, „hätte man sie auch allesamt ermorden können“.
Wie schön doch, dass einer dieser Vertriebenen es übernimmt anstelle der anderen 18,3 Millionen die „deutsche Schuld“ zu betonen. War es nicht vielmehr die Schuld derjenigen, die der NSDAP dienten, als Verblendete oder Jugendliche? Wie muss sich ein Vertriebener fühlen, dem man solche Schuld nicht anhängen darf? Das MEA CULPA scheint bei Jenen übergross zu dominieren, die diese Schuld zu Recht trifft.
(Oder war es etwa auch ein wenig die Schuld derjenigen, die die Vertreibung nach Kriegsende durchführten oder anordneten? Aber dies nur nebenbei.)
Was soll`s? Hauptsache, man kann gute Literatur fertigen. Dann darf man sich auch mal daneben benehmen. Nicht wahr, Herr Chwin? Nicht wahr, Herr Grass?
