Jugendkriminalität bei Wilhelm Busch

Bosheit ist kein Lebenszweck

Beleidigung, Mundraub, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Tierquälerei, versuchter Meuchelmord: Hätte man Max und Moritz nicht lieber in ein Erziehungscamp stecken sollen? Wilhelm Busch schildert einen schweren Fall von Jugendkriminalität. Von Edo Reents

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Januar 2008 22:43

Im Grunde gut?

Christoph Niederkleine (C.Niederkleine)

Die Ansicht, daß der Mensch im Grunde gut sei, kann ich nur mit einem schiefen Lächeln lesen. Tatsächlich denke ich, daß so eine Ansicht einem eine Narrenkappe aufsetzt.

Auch in den Wirtschaftswissenschaften wird grundsätzlich von einem eigennutzmaximierenden Menschen ausgegangen, der sich bei Bedarf "opportunistisch" verhält, sprich amoralisch, wenn es seinem eigenen Nutzen dient. Dies entspricht dem biblischen Menschenbild.

Wenn es um exakte wirtschaftliche Theorie und Prognose geht, ist der Mensch in der Lage, die menschliche Natur richtig zu erfassen. Wenn es dagegen um Abstraktes geht, bei dem eine falsche Einschätzung nicht zu negativen wirtschaftlichen Konsequenzen führt, neigt der Mensch zu der Selbstbeweihräucherung, er sei ja im Grunde gut. Tatsächlich wird in beiden Fällen der persönliche Nutzen maximiert. Im ersten Fall ist eine korrekte Einschätzung zieführend und im zweiten Fall ist eine "opportunistische" Einschätzung zielführend, sprich nutzenmaximierend.

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09. Januar 2008 13:03

Ausdruck der deutschen Seele!?

Peter Becker (sidewinderpeter)

Wie viele Märchengeschichten, ist auch Busch's geniales und bekanntestes Werk sehr brutal. Damit steht es aber nicht alleine: man denke nur an die Hexe in Hänsel und Gretel etc.
Damit soll nun einmal kleinen Kindern unmißverständlich klar gemacht werden, daß Bosheit eben kein Lebenszweck ist. Der Artikel ist daher sehr treffend, und man kann vorangegangene Kommentare nicht verstehen, die schon wieder mutmaßen, daß sowas heute nicht mehr veröffentlicht werden dürfte, usf.
Denn genau darum geht es: vermutlich haben die U-Bahn-Täter von München, genausowenig wie die Vielzahl ihrer Gesinnungsgenossen im Lande, im Kindesalter nicht diese Geschichten erzählt bekommen, und ihnen fehlt daher diese eindrückliche und einprägsame Moral in ihrem Unterbewußtsein.
Aber auf der anderen Seite zeigt der Erfolg von Max und Moritz, daß für das deutsche Gemüt ab einem gewissen Punkt eben Schluss mit lustig ist. Da kann dann jeder mit drakonischen Maßnahmen leben - so sollte es auch heutzutage sein.

Soll nicht heißen, daß man Selbst- und Lynchjustitz gutheißt, zumindest aber sollten die Exekutivkräfte nicht schon hinsichtlich ihrer Vorschläge und ihres Tatendrangs kritisiert werden. Denn: sollten sie mal irren, wird es sicherlich wiedergutgemacht.

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09. Januar 2008 09:38

An den Haaren herbei gezogen......

wolf haupricht (emilgilels)

......selten eine derart unpassende Kritik zu einem ernsten Thema wie die Jugendkriminalität mit schwersten gesundheitlichen Schädigungen als Folge von Gewaltexessen gelesen. Schelmenhafte Streiche, von Busch zur Erheiterung mit Ironie und Witz geschrieben, mit der heutigen Kriminalität und hier mit jugendlichen Schlägern übelster Sorte und mit Migrationshintergrund zu vergleichen, ist schon unglaublich. Zudem bin ich sicher, dass diese Busch nie gelesen oder gar verstanden hätten.
Ich habe Buschs Werk einschl. seiner meisterhaften Illustrationen häufig in die hand genommen, wäre jedoch nie auf die Idee gekommen, diesen Figuren gar nachzueifern. Trotzdem war es ein Vergnügen, Buschs Ideenreichtum zu geniessen.
Fazit: Lieber Herr Edo Reents, nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie Busch aus diesem Blickwinkel.

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09. Januar 2008 07:23

Informative Gewalt

norbert doerre (ndoerre)

Die Menschheit hat sich in ihrer Verhaltensweise nicht weiterentwickelt, zumindest nicht in den Zeiträumen, in denen wir sie nachzuvollziehen imstande sind. Die Vorstellung, die in Lessings "Erziehung des Menschengeschlechts" als ahnender Vorläufer des Sozialismus anklingt, ist naturwissenschaftlich ein falscher Ansatz.
Wer wissen möchte, wie Menschen sich unter Streß verhalten, sollte sich das Verhalten von Primaten anschauen. Die Zusammenrottung eine Gruppe verwischt in Streßsituationen schnell jede liebevoll anerzogene Zurückhaltung und verwandelt Primaten in das, was sie eigentlich genetisch sind, Raubtiere.
Es ist bemerkenswert, daß die Schilderungen von Wilhelm Busch gerade jetzt in der FAZ von der moralinsauren Seite her beleuchtet werden, wo Videos von extrem gewalttätigen ausländischen Jugendlichen veröffentlicht werden, die zumindest vom Kommentar her im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen den Anschein erwecken, als seien sie Wahlpropaganda-Filmmaterial der NPD.
Die öffentlichen Medien fühlen sich dazu berufen, mit dem ideologischen Zeigefinger ihrer Parteimäzene das zu tun, was alle Primaten tun, wenn sie sich ertappt fühlen, nämlich Gewalt auszuüben, und wenn nur informative Gewalt, die sich hier gegen die Opfer richtet.

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08. Januar 2008 20:42

Die Geister, die ich rief...

Holger Sulz (H._Sulz)

Edelmütiges Gutmensch- Gemäre, Herr Reents.
" Rechtsstaatlichkeit" ist längst zur Farce gemacht und als solche erkannt: wie anders sollten wir das "Gewaltschutzgesetz" mit seiner Beweislastumkehr und dem Schuldzuweisungsautomatismus verstehen (DER Schläger geht, DIE Geschlagene bleibt), die Inflation an Anschuldigungen wegen sexuellem Kindesmißbrauch durch Väter, die de facto Rechtlosigkeit der Männer bei Kindesentzug , das Ansinnen einer deutschen Justizministerin, den Nachweis der Straftat Personenstandsfälschung unter Strafe zu stellen (Stichwort "Kuckuck")? Böse Mädchen dürfen überall hin, eine Kindsmörderin ist immer im Ausnahmezustand der Unzurechnungsfähigkeit und nach Gaby Hauptmann hat eine Frau, die spätestens nach der dritten Scheidung keinen Porsche fährt, etwas falsch gemacht- glänzend bestätigt durch die Rechtswirklichkeit des deutschen Unterhaltsrechts. Jungen werden in den verweiblichten Schulen systematisch zu Vollidioten programmiert, Männer in den Medien als Deppen und Problem vorgeführt, das neue Jahrtausend als das der weiblichen Überlegenheit proklamiert: auch das ist ontologischer Befund. Bauer Mecke und Meister Müller haben noch eine große Zukunft. "Erziehungscamp"? Mir schwant, was Sie meinen...

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08. Januar 2008 15:45

Vergessen?

Hede Zhou (SunWukong)

Als lehrstueck fuer Herrn koch wie die Faust aufs Auge:

Plisch und Plum

Tugend will ermuntert sein
Das Boese kann man von allein.

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08. Januar 2008 15:39

Max und Moritz war vor 120 Jahren

Jan Pflugradt (janpfl)

Dieser Beitrag, wie viele andere in der gegenwärtigen Diskussion, verkennt, daß sich Gesellschaften weiterentwickeln. Unsere Vorstellungen von Moral und Ethik sind heute sehr viel anders als noch zur Zeit Wilhelm Buschs. Eine Erklärung mag sein, daß Menschen sensibler werden für eigene und Schmerzempfindungen anderer, je weniger Gewalt generell zur Tagesordnung gehört.
Gewalt gehört definitiv zur Tagesordnung in Kriegsgebieten und vielen anderen Gebieten aus denen uns die Migrationsströme erreichen. Daraus könnte man schlußfolgern, daß Moral und Ethik vieler unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund eher denen von Max und Moritz gleichen, als denen, die im heutigen Deutschland etabliert sind.
Nun kann man das Problem natürlich nicht lösen, wie das Problem Max und Moritz gelöst wurde. Das paßt eben nicht mehr in unsere heutige Gesellschaft. Aber man kann es auch nicht lösen, indem man solchen Gewalttätern nur mit Sanktionen droht, die vielleicht "den Normalbürger" abschrecken, jenen aber eher lächerlich erscheinen.

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08. Januar 2008 15:03

Das Ende von Max und Moritz dürfte heute nicht mehr veröffentlicht werden

Ingo Hertrich (hertrich)

Ich finde es ungeheuerlich, in welch kinderfeindlicher Weise das Ende von Max und Moritz immer noch als ein nachvollziehbarer Fall von Lynchjustiz verharmlost wird. Die Psychopathen sind nicht die Kinder, die sich ein paar Streiche ausdenken und dafür kriminalisiert werden. Schwer gestört war vielmehr der Autor von Max und Moritz, und gestört sind auch die Erwachsenen, die das Buch guten Gewissens Kindern vorlesen und dadurch eine extreme Grausamkeit der Erwachsenen im Umgang mit Kindern banalisieren. Wenn man bedenkt wie pingelig und kleinlich manche Sachen dem Jugendschutz zum Opfer fallen, dann gehört das Ende dieses Buches für Kinder unter 18 Jahren auf jeden Fall umgearbeitet.

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08. Januar 2008 14:36

Nein, kein Lebenszweck aber real existierender Lebensinhalt

Michael Menzel (Galenos)

Ein sehr guter Artikel, mit Eingeständnis der Ratlosigkeit.

"...dass nicht nur der Mensch dem Menschen ein Wolf, sondern dass jeder dem andern ein Teufel und die Hölle bereits auf Erden ist. Das ist ein ontologischer Befund, der von der Härte, mit der die Gesellschaft dann doch zurückschlägt, nur bestätigt wird. Heute haben wir, sollte man meinen, die geeigneten Mittel, ihm zu begegnen."

NEIN, haben wir NICHT!

"Über den Sadismus bei Wilhelm Busch wurde schon vieles gesagt - zu Rande kommt man damit nicht. Er ist die unhintergehbare Kategorie, psychosozialen Erklärungen nicht zugänglich. Will man ihn beseitigen, muss man seine Träger physisch vernichten."

Weiß jemand eine Alternative?

Die Menschheit hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Warum sollte sie sich seit 100 Jahren verändert haben. Der Busch hat immer noch recht, "als wie zuvor". Na ja, der Bush ohne C ist hier nicht gemeint ;-)

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