Anti-Graffiti-Kongreß

Sittenlose Schreiben waschen wir ab

Viel zu lange hat die Öffentlichkeit das Graffiti-Problem als eines von ästhetischer Natur abgetan. Nun aber tagt schon zum zweiten Mal ein Anti-Graffiti-Kongreß, im Roten Rathaus in Berlin: eine deutsche Szene.

Lesermeinungen zum Beitrag

05. Mai 2006 19:12

Selbsternannte Saubermänner

Helge Steinmann (Bomber1)

Warum hört niemand professionellen Graffitikünstlern zu? Graffiti (so oder so ist der Begriff als falsch anzusehen) existiert schon seit Menschheitsgedenken. Das diese Äußerung (Graffiti) nun seit Ende der 60er mit Spraydosen, Markern u.ä. vollzogen wird gibt sollte noch lange nicht den Anlass dazu geben das rechtsstaatliche Prinzip der freien Meinungsäußerung zu beschneiden.Graffiti ist ein Oberbegriff für unglaublich viel Sachbeschädigung-aber auch Ausdruck und Kunst. "Wenn Graffiti eine Sachbeschädigung sein soll, dann folgt sie oftmals einer Sachbeschädigung. Einer Sachbeschädigung an der Natur" wie mein FH Prof. immer sagte.Nicht alles was der Mensch sich ausdenkt ist ästhetisch wertvoll, aber es ist IMMER ein Ausdruck seiner Zeit UND eines Individuums. So verhält es sich auch mit Graffiti.Ich breche eine Lanze für das Gestalten mit der Farbspraydose, das mehr ist als nur Sachbeschädigung.Ich lebe seit 18 Jahren davon und bin bei weitem nicht mehr der einzige.Gebt EUREN Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden ernstgemeinte Perspektiven und ehrliche Antworten auf Ihre Probleme.Rennt nicht hinter falschen Versprechen her und seid nicht so gierig.Graffiti ist ein zutiefst archaicher Prozess der Selbstfindung und -definierung und es hat eine Tradition.Wenn ich heute auf die Gestaltungshochschulen schaue, sehe ich bei weitem nur noch Graffitiwriter, die das zeitliche Design, die Typografie und die Werbung prägen. www.bomber.de

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05. Mai 2006 07:15

Sprühflaschenkonsum überprüfen!

Henrico Roberto (henmrob)

Nirgends sehe ich Ansätze, das Problem in den Griff zu bekommen. Alle jammern um ihre schönen Fassaden. Wenn Kleinkinder ihre Stube beschmieren, gibt's ein Klapser und die Stifte werden vorübergehend --konfiskiert.

Die Wankelmütigkeit mancher Leser zeigt, dass Graffiti oft unbewusst begrüsst wird! Werbung und (von sich aus) hässliche Fassaden hin oder her, --der weit grösseren Schaden, nämlich sachlich und mental, soll ausgrechnet aus dieser stupiden Sicht --geduldet werden.

Nehmen wir an, es käme in der BRD zu tausendfache Tode durch manipulierten Genreis -oder noch besser- Vogelgrippe durch infizierten Hühner. Da würde es nicht lange fackeln, bis die Bestände von Reis und Hühnern schleunigst vernichtet werden würden.

Nun haben wird es mit Spruhflaschen zu tun. -Auch eine Art Gift, wie hier bereits erklärt.

Die Lobby der Hersteller sitzt am Schalthebel. Besondere Firmen bieten ihre Ware an Profisprayer...feil. Verlage bitten um Einsendung der besten Bilder. Gemeinden und Zeitungen preisen die "Werke" als Kunst an, laden ein zu Vernissages!

Die Lösung liegt an der Quelle: Kein Verkauf von Sprühflaschen unter 21. Wer's dringend notig hat, soll Papa oder den grossen Bruder hinschicken. Letzere zeigen ihren Personalausweis, wobei die gekauften Mengen in ein Zentralregister gespeichert werden. Genau wie beim Waffenkauf. Somit kann die Staatsanwaltschaft diesen wilden Markt --endlich regulieren... Der Spuk wird garantiert innerhalb von 36 Monaten verschwinden!

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04. Mai 2006 23:54

Herrlich zu lesen

Hendrik Docken (hendoc)

Es ist wunderbar zu lesen wie frisch, fromm, fröhlich und frei Herr Ungerer die Heerschar von Saubermännern und Vandalenjägern beobachtet hat. Wäre er schärfer geworden, hätte er auch noch herausgefunden, wer an der ganzen Graffitientfernung gutes Geld verdient......und warum Spraydosen noch nicht verboten sind.....und warum zu solchen Veranstaltungen nicht Leute eingeladen werden, die wirklich funktionierende Konzepte entwickelt, den deutschen Kriminalitätspräventionspreis damit gewonnen haben und mit schnitzing.de dem Staat bis zu 400 Millionen jährlich sparen ? Wenn Sie an einer guten Geschichte interessiert sind......ich hab sie!
Hochachtungsvoll
hendoc

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03. Mai 2006 12:11

Anti-Graffiti-Kongreß

Detlef Herrmann (Libra222)

Ich habe mit Interesse die Lektüre des Beitrags begonnen - und dachte dann immer häufiger, ich bin im falschen Film und im falschen Blatt. Herr Ungerer zieht alle Register der Süffisanz und jongliert artistisch mit Worten, um den Kongreß, die Beteiligten und Aktivitäten gegen Graffiti hinter vorgehaltener Hand durch den Kakao zu ziehen. Welche Antwort hat der Autor, hat die F.A.Z. zum Phänomen Graffiti nun eigentlich wirklich? Von ihrer Zeitung erwarte ich mehr Ernsthaftigkeit und Substanz.

Detlef Herrmann
Libra222

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03. Mai 2006 10:04

aus Sicht eines ehemaligen kleinen, belanglosen Vorstadtsprayers...

Till Diesing (Zabel24)

...der übrigens erwischt wurde.

Etwas an die Wand eines Hausbesitzers zu sprühen ist Sachbeschädigung. Und wer als solcher einen Sprüher erwischt der soll ihn wenn er mag verklagen und die Kosten für die Beseitigung erstattet bekommen.

Aber Hysterie ist das Letzte was Graffiti auslösen sollte. Es gibt die, denen es vor allem durch "agressives" Sprühen (auf Häuserfasssaden von Wohngebieten) von großflächigen Tags (schnelle fast immer häßliche "Signaturen"), um eine reine Revierkampfmentalität geht. Das ist kriminell.

Und dann gibt es Sprayer, die an Eisenbahngleise, öffentliche Gebäude und graue Bahnhöfe große bunte Schriftzüge malen die ich persönlich meist besser als das darunterliegende Grau finde.

Und das mir da ja keiner mit "Ja das ist aber öffentlicher Raum" kommt. Schließlich wird einem ja täglich im ach so geschützten öffentlichen Raum Werbung bald schon ins Auge projeziert. Sitzt man in der S-Bahn baumeln von der Decke Werbeprospekte, draußen sind doppelt so viele Werbeplakate zu sehen (von professionellen, bezahlten "Vandalen" der Stadtmeisterei aufgehängt !!) wie Grafittis. Die Inhalte (Sex sells) und das Beworbene (Bild dir deine Meinung) sind natürlich dabei allesamt moralisch und pädagogisch wertvoll.

Wie wärs neben der SOKO Grafitti mit einer SOKO Dauerwerbungberieselung ?

Die Kinder der Gesellschaft schauen sich wie überall nur das ab was ihnen vorgelebt wird und machen Werbung - für sich selbst.



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02. Mai 2006 17:32

Anti-Graffiti-Kongreß

Jürgen Vogt (Vogt8)

beim Lesen des Beitrages befällt mich doch der Verdacht, daß der/die Schreiber/in dem Thema nicht gerecht wird. Der leicht amüsierte Unterton ist fehl am Platz, handelt es sich doch schlicht und ergreifend um Sachbeschädigung. Die Frage ob Kunst oder nicht spielt da keine Rolle mehr! Diese permissive Denkweise ist typisch für eine bestimmte Kategorie Bürger.

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