Luftverkehr

Rekordauftrag für Airbus aus China

Wen Jiabao bei Airbus in Toulouse

Wen Jiabao bei Airbus in Toulouse

05. Dezember 2005 Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat den größten Auftrag aus China seit Beginn seines Engagements in dem Land erhalten. Die China Aviation Supplies Import and Export Group (CASGC) orderte 150 Flugzeuge der A320-Familie, die laut Listenpreis einen Wert von insgesamt 9,5 Milliarden Dollar haben. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde am Montag im Beisein des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabo und seines französischen Amtskollegen Dominique de Villepin unterzeichnet.

Es ist laut Airbus die größte Einzelbestellung, die das Unternehmen seit Beginn seines Engagements auf dem chinesischen Markt vor 20 Jahren verbucht hat. Wie groß das Auftragsvolumen tatsächlich ist, teilten weder Airbus noch CASGC mit. Es ist in der Branche üblich, vor allem bei Großaufträgen den Kunden Rabatte zu gewähren. Der amerikanische Konkurrent Boeing hatte jüngst einen Auftrag über 70 Flugzeuge aus China erhalten.

Maschinen für sechs Fluggesellschaften

Bei dem Auftrag handelt es sich nach den Worten des Co-Chefs des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Noel Forgeard, um feste Bestellungen. Diese umfassen Flugzeuge der Typen A319, A320 und A321. Die Maschinen sollen an sechs chinesische Fluggesellschaften ausgeliefert werden - Air China, China Eastern Airlines, China Southern Airlines, Sichuan Airlines, Shenzhen Airlines und Hainan Airlines. Die A320-Familie ist der Verkaufsschlager von Airbus und umfaßt insgesamt vier Flugzeugtypen für die Kurz- und Mittelstrecke mit Sitzplätzen für 107 bis 185 Passagiere.

Airbus-Vorstandschef Gustav Humbert erklärte: „Der große geschäftliche Erfolg in China erfüllt uns mit Freude und Stolz“. Der Rahmenvertrag sei ohne Zweifel die beste Art und Weise, die 20jährige enge Zusammenarbeit mit China gebührend zu feiern. Zugleich kündigte Humbert an, Möglichkeiten zu prüfen, die Kooperation zwischen der chinesischen Zivilluftfahrtbranche und Airbus noch weiter zu intensivieren.

Airbus-Montage in China?

Airbus wolle in sechs Monaten entscheiden, ob das Unternehmen im Gegenzug künftig auch die Endmontage von Flugzeugen in der
Volksrepublik erledigen läßt. Bis dahin werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, sagte der für Strategie zuständige Airbus-Vorstand Olivier
Andriès am Montag in Paris.

CASGC-Präsident Li Hai wies darauf hin, daß die Nachfrage der chinesischen Airlines nach der A320-Flugzeugfamilie in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei. Seit der Einführung auf dem chinesischen Markt 1995 hätten zehn Betreiber insgesamt 216 dieser Flugzeuge in den Dienst gestellt, dies entspreche einem Anteil von einem Viertel an allen Flugzeugen, die derzeit in dem Land fliegen. Airbus hat nach eigenen Angaben bis Ende Oktober 2005 mehr als 3.900 Festbestellungen von 145 Kunden aus aller Welt für seine Flugzeuge der A320-Familie verbucht.

Zugleich schloß EADS mit dem chinesischen Hersteller AVIC II einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung und Produktion eines neuen sechs Tonnen Hubschraubers. Damit werde die Produktpalette von Eurocopter beziehungsweise AVIC II vervollständigt, erklärten die Unternehmen. EADS wolle eine aktive Rolle bei der Entwicklung und dem Wachstum des chinesischen Luft- und Raumfahrtsektors spielen, erklärten die EADS-Chefs Noel Forgeard und Tom Enders.

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte seinen Frankreich-Besuch am Sonntag mit einer Visite der Airbus-A380-Werkstatt in Toulouse begonnen. Er unterstrich damit den wirtschaftlichen Akzent seiner Reise. Zum Auftakt unterzeichnete der Regierungschef ein Rahmenabkommen für verschiedene chinesisch-französische Projekte.

Glos: Qualität setzt sich durch

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat den Großauftrag für Airbus aus China als Erfolg für die Flugzeugproduktion in Deutschland bewertet. „Dieses Milliarden-Geschäft bestätigt eindrucksvoll die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus und stärkt den Luftfahrtstandort Deutschland“, erklärte Glos am Montag in Berlin. „Qualität setzt sich durch.“ Hauptproduktionsstätte von Airbus in Deutschland ist Hamburg mit rund 10.000 Beschäftigten. Dort findet unter anderem die Endmontage von drei der vier Typen der A320-Familie statt. Weitere Standorte sind Bremen, Nordenham, Stade, Varel, Buxtehude und Laupheim.

Wichtigster Anteilseigner aus Deutschland ist der Autokonzern DaimlerChrysler, der 30 Prozent an der Airbus-Mutter EADS hält. Diese ist wiederum mit 80 Prozent an dem Flugzeugbauer beteiligt.

Der chinesische Auftrag gibt Airbus Aufwind im Kampf mit dem Erzrivalen Boeing. 2005 könnte für die beiden Flugzeugbauer bei den Aufträgen zu einem Rekordjahr werden. Zusammengerechnet erhielten beide Firmen bereits Bestellungen für 100 Milliarden Dollar.

Text: FAZ.NET mit Material von AP, dpa, Reuters, AFP
Bildmaterial: AP

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