Soziale Mindestsicherung

Jeder Zehnte in Deutschland lebt vom Staat

04. September 2008 Jeder Zehnte in Deutschland ist auf finanzielle Hilfe des Staates angewiesen. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, erhielten Ende 2006 rund 8,3 Millionen Menschen Transferleistungen der sozialen Mindestsicherungssysteme. Dies kostete den Staat insgesamt 45,6 Milliarden Euro. Zur sozialen Mindestsicherung zählen Arbeitslosengeld II beziehungsweise Sozialgeld („Hartz IV“), Sozialhilfe, Leistungen für Asylbewerber und Kriegsopferfürsorge.

Die Statistik wurde erstmals veröffentlicht. Nach Angaben eines Sprechers wurde damit zum ersten Mal überhaupt eine Mindestsicherungsquote berechnet. Vergleichszahlen für Vorjahre gibt es nicht. Nach den Wiesbadener Angaben dürfte die Zahl der betroffenen Menschen in den Jahren vor 2006 aber deutlich gestiegen sein.

Jeder fünfte Berliner, aber nur jeder zwanzigste Bayer

„Im regionalen Vergleich zeigt sich, dass vor allem die Menschen in den Stadtstaaten und den neuen Bundesländern 2006 verstärkt auf Leistungen der Mindestsicherung angewiesen waren“, berichtete das Bundesamt. Jeder fünfte Berliner bezog Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, aber nur jeder Zwanzigste in Bayern.

Der mit Abstand größte Teil der Leistungsempfänger (7,3 Millionen) bekam den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zufolge „Hartz- IV“: Arbeitslosengeld II erhalten erwerbsfähige Arbeitslose, nicht erwerbsfähige Familienangehörige bekommen Sozialgeld. 5,3 Millionen bezogen Ende 2006 Arbeitslosengeld II, zwei Millionen Sozialgeld. Die Kosten dafür beliefen sich im Verlauf des Gesamtjahres 2006 auf 40,5 Milliarden Euro.

Sozialhilfe bekommen Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Krankheit oder Alter nicht arbeiten können. 764.000 Personen bezogen 2006 diese Leistung. Der Staat gab dafür 3,7 Milliarden Euro aus. Die in Deutschland lebende Asylbewerber erhalten seit 1993 anstelle von Sozialhilfe sogenannte Asylbewerberleistungen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. 2006 bekamen rund 194.000 Personen solche Regelleistungen, für die 900 Millionen Euro ausgegeben wurden. 60.000 Personen erhielten Leistungen der Kriegsopferfürsorge im Gesamtumfang von 500 Millionen Euro.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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