Arbeitsmarkt

Deutsche arbeiten wieder länger

23. März 2005 Die deutschen Arbeitnehmer arbeiten erstmals seit vielen Jahren wieder länger. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin berichtete, stieg die Zahl der normalerweise geleisteten Arbeitsstunden je Woche bei den Männern im Jahr 2004 um 18 Minuten, bei den Frauen blieb sie konstant.

Damit wurde die seit den neunziger Jahren zu beobachtende Tendenz zum Rückgang der Wochenarbeitszeit gebrochen. Der Mikrozensus ermittelte zugleich einen Anstieg der Teilzeitarbeit vor allem bei Frauen und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Teilzeitarbeit unter Frauen nimmt zu

Wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, mitteilte, stieg die wöchentliche Arbeitszeit bei westdeutschen Männern von durchschnittlich 40 Stunden im Mai 2003 auf 40,3 Stunden im März 2004. Ihre ostdeutschen Kollegen schafften statt 39,8 Stunden nun durchschnittlich 40,1 Stunden.

Frauen arbeiteten in den alten Bundesländern wie im Vorjahr 29,8 Stunden und im Osten 35 Stunden. Da aber vor allem Frauen immer öfter Teilzeit arbeiteten, dürfte sich den Statistikern zufolge die wöchentliche Arbeitszeit der Personen mit einer Vollzeitbeschäftigung noch deutlicher erhöht haben. Trotz dieser Entwicklung war die normalerweise geleistete Wochenarbeitszeit 2004 deutlich kürzer als 1991 - eine Folge der Zunahme der Teilzeitarbeit. Die Teilzeitquote erwerbstätiger Frauen stieg zwischen 1991 und 2004 von 30 auf 42 Prozent. Insgesamt stuften 7,2 Millionen abhängig Beschäftigter ihre Tätigkeit als Teilzeitbeschäftigung ein.

Zunahme bei Wochenend-Arbeit, Nacht- und Schichtarbeit

Zugenommen hat das Ausmaß der Arbeit, die außerhalb der gängigen Bürozeiten geleistet wird. 1,6 Millionen Arbeitnehmer mehr als 1991 arbeiteten 2004 gelegentlich oder regelmäßig am Wochenende, in Nacht- und Schichtarbeit. 53 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen hatten im März 2004 von der üblichen Regelarbeitszeit abweichende Arbeitszeiten.

Der Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa. Er hatte seit der Wiedervereinigung kontinuierlich sinkende Wochenarbeitszeiten belegt. Im März 2004 wurden 830000 Personen in 390000 Haushalten befragt. Das sind ein Prozent der Bevölkerung. Insgesamt waren den Statistikern zufolge 35,7 Millionen Menschen oder 64 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung erwerbstätig.

Text: AP/ Reuters, F.A.Z., 23.03.2005, Nr. 69 / Seite 15
Bildmaterial: F.A.Z.

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