Universität Mannheim

Axel Börsch-Supan

15. Juni 2007 

Was halten Sie von einem Mindestlohn in Deutschland und welchen Effekt hätte er?

Aussichtsreicher Kandidat: Axel Börsch-Supan

Aussichtsreicher Kandidat: Axel Börsch-Supan

Ein Mindestlohn in Deutschland ist bis zur Höhe des impliziten Stundenlohns Arbeitslosengeld II ökonomisch unschädlich, aber in jeder Höhe wegen der politischen Dynamik schädlich. Die Effekte sind Arbeitsplatzabbau und Rationalisierung, aber auch zum Beispiel der Einsatz von Putzmaschinen statt der Einstellung von Reinigungspersonal. Outsourcing wird es auch geben. Die Berliner Hotelwäschereien werden dann in Polen stehen. Zu Preiserhöhungen wird es nur begrenzt kommen.

Wie vermeiden wir Arbeitsarmut, ohne einen Mindestlohn einzuführen?

Ein von der Arbeitgeberseite ausgeschütteter Kombilohn hat zu viele Mitnahmeeffekte. Daher ist die negative Einkommenssteuer die Methode, die am meisten Erfolg verspricht. Sie hat in den USA auch langjährig Erfolge gezeigt.

Falls die Politik einen Mindestlohn will, würden Sie einen generellen gesetzlichen Mindestlohn oder verbindliche Branchenlöhne bevorzugen?

Diese hypothetische Frage sollte sich gar nicht erst stellen.

Warum haben so viele andere Länder einen Mindestlohn?

Haben sie ja gar nicht. In vielen Ländern ist der Mindestlohn eben nicht flächendeckend, sondern betrifft nur ganz wenige. Zum Beispiel in Großbritannien. Das fehlt bei den gerne zitierten Graphiken immer. In anderen Ländern gibt es keine Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II. Dort dient der Mindestlohn zur absoluten Armutsbekämpfung.

Axel Börsch-Supan ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA).



Bildmaterial: Archiv

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