Wirtschaftsforschungsinstitute

HWWI kritisiert Entsendegesetz

Thomas Straubhaar

Thomas Straubhaar

18. April 2005 Der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) und Direktor des neuen Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, hat vor einer Ausweitung des Entsendegesetzes auf eine Vielzahl von Berufen und Tätigkeitsfeldern gewarnt. Mit mehr Protektion und weniger Markt werde kein einziger sicherer Arbeitsplatz geschaffen. Vielmehr sei der Arbeitsmarkt von staatlichen Fesseln zu befreien. "Die Massenarbeitslosigkeit ist die Folge eines Staatsversagens."

Straubhaar stellte zugleich sein neues Institut vor. Das HWWI ist eine neuartige, als "Public-Private Partnership" finanzierte Alternative und Auffanggesellschaft für das traditionsreiche HWWA, dem Bund und Länder nach einer negativen Bewertung durch die Leibniz-Gemeinschaft mittelfristig die finanzielle Unterstützung für die Forschung entzogen haben (F.A.Z. vom 2.April 2004). Die Gutachter hatten empfohlen, nicht nur Bibliothek und Pressearchiv des HWWA mit der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zu verschmelzen, sondern auch Forschungsaktivitäten zusammenzulegen. Nach der jüngsten Evaluierung des IfW sieht es aber so aus, als erhielten beide Institute für eine Fusion mehr Zeit als ursprünglich geplant.

HWWI mit vier „Kompetenzfeldern“

Das HWWI ist am 16.März als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben gerufen worden und hat am 1.April die Arbeit aufgenommen. Ein kleiner Stab von drei Personen beginnt nun damit, Aufträge hereinzunehmen und damit externe Wissenschaftler - vor allem vom HWWA - zu betrauen. In den kommenden Wochen sollen dann auch die ersten eigenen Forscher eingestellt werden - wiederum vor allem Mitarbeiter, deren Verträge beim HWWA auslaufen. Bis zum Jahresende soll der Stab auf zehn bis 15 Personen anwachsen und sich im "Endausbau" auf 25 belaufen. Schon jetzt sei "eine breite Palette von Projekten am Laufen", sagt Straubhaar.

Das HWWI hat vier "Kompetenzfelder": Wirtschaftstrends und Hamburg, Handel und Entwicklung, Migration, Klima. Noch steht indes die Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags aus. Es ist ungeklärt, ob neben der Handelskammer Hamburg auch die Universität Hamburg wie geplant als Gesellschafter einsteigen darf. Das HWWI verfügt über einen Jahresetat von 3 Millionen Euro, zu dem neben Gesellschaftern und privaten Mäzenen die Berenberg Bank, die Bucerius Law School, die Hamburger Sparkasse, die Hamburg School of Business Administration und die HSH Nordbank als Partner beitragen.

Text: orn., F.A.Z., 19.04.05

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