Acht-Prozent-Forderung

Metall-Tarifrunde startet unversöhnlich

IG Metaller Armin Schild (links) verhandelt für die Arbeitnehmer, währen Eduard Kulenkampf (rechts) die Arbeitgeberseite vertritt

IG Metaller Armin Schild (links) verhandelt für die Arbeitnehmer, währen Eduard Kulenkampf (rechts) die Arbeitgeberseite vertritt

02. Oktober 2008 Zum bundesweiten Auftakt der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie sind die Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern am Donnerstag in Darmstadt hart aufeinandergeprallt. Armin Schild, Verhandlungsführer der IG Metall für die rund 430.000 Beschäftigten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, drohte mit einem Arbeitskampf, sollte nicht zügig ein Ergebnis erzielt werden.

„Die Arbeitgeberseite muss sich im Klaren sein, dass die IG Metall mit massiven Warnstreiks den Druck sofort erhöht, wenn die Friedenspflicht abgelaufen ist“, sagte Schild. Spätestens nach der dritten Runde müsse bekannt sein, ob eine Lösung am Verhandlungstisch möglich sei. Die Gewerkschaft verlangt acht Prozent mehr Entgelt und eine soziale Komponente für die unteren Lohngruppen. Das ist die höchste Forderung seit 16 Jahren. Die Arbeitgeber weisen dies als „völlig überzogen, unverantwortlich und unerfüllbar“ zurück. Sie legten kein eigenes Angebot vor.

„Überzogen, unverantwortlich und unerfüllbar“

Ihr Verhandlungsführer in der Mittelgruppe, Eduard Kulenkamp, sagte am Donnerstag: „Wir wollen durchaus faire Erhöhungen für alle Beschäftigten, aber die Unternehmen müssen das verkraften können.“ In den letzten zweieinhalb Jahren hätten sich die Gewinne der Unternehmen verbessert, deshalb seien 250.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. „Aber jetzt hat sich die Wirtschaftslage objektiv verschlechtert“, warnte Kulenkamp.

Schild sagte hingegen, die wirtschaftliche Lage in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten sei „bärenstark“: „Letztes Jahr wurde gesagt, die Gewinne von morgen können heute noch nicht verteilt werden. Nun haben die Beschäftigten Rekordumsätze und -gewinne erarbeitet. Und jetzt wird gesagt, die Gewinne von gestern können heute nicht mehr verteilt werden. Wer so argumentiert, argumentiert unredlich.“

Tarifabschluss noch im Oktober?

IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte am Donnerstag in einem Interview mit der F.A.Z.: „Unsere Tarifforderung umfasst ein maximales Volumen von 14,4 Milliarden Euro. Und an dieser Forderung, wohlgemerkt nicht dem Abschluss, soll die Welt zerbrechen?“ (siehe auch: IG-Metall-Chef Huber: „An unserer Forderung zerbricht nicht die Welt“)

Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Die Friedenspflicht läuft bundesweit Ende Oktober aus, in der Nacht zum 1. November ist bereits mit ersten Warnstreikaktionen zu rechnen. Huber verlangte in der F.A.Z. ein schnelles Angebot von den Arbeitgebern: „Wir streben im Oktober einen Abschluss an.“ Ein Sprecher von Hessenmetall verwies diese Hoffnung ins Reich der Phantasie: „Das zeigt das Wirklichkeitsverständnis in der IG Metall.“

Slogans über Fairness und Tassen

Bei einer Kundgebung vor dem Tagungsort sangen Arbeitnehmer lautstark „Kanne voll, Tasse leer - acht Prozent müssen her“. Auf Plakaten standen Slogans wie „8 Prozent für mehr Gerechtigkeit“. Die Arbeitgeber konterten mit eigenen Plakaten: „Fair ist, die neu geschaffenen Arbeitsplätze auch im Abschwung zu sichern.“ In Anspielung auf den Vorwurf von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer, die IG Metall habe angesichts ihrer Lohnforderung „nicht mehr alle Tassen im Schrank“, beschenkten sich beide Seiten gegenseitig mit Tassen.

In der kommenden Woche werden die Tarifverhandlungen auch in den Bezirken Küste (6. Oktober), Baden-Württemberg (7. Oktober), Bayern, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen (alle am 8. Oktober) aufgenommen. Die Mittelgruppe will die Gespräche am 23. Oktober fortsetzen.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

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