08. Juli 2008 Erstmals haben sich die führenden Wirtschaftsmächte der Welt darauf verständigt, die globalen Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren. Bei ihrem Treffen im japanischen Toyako legten sich die G-8-Staats- und Regierungschefs am Dienstag darauf fest, dieses Ziel im UN-Rahmen nicht nur in Erwägung zu ziehen, sondern auch tatsächlich umzusetzen. Damit hat der amerikanische Präsident George W. Bush den Widerstand gegen ein langfristiges Klimaziel aufgegeben.
Das als Vision bezeichnete Ziel solle im Rahmen der Vereinten Nationen geprüft und angenommen werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der G-8, die von der japanischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde. Damit gingen die G-8 deutlich über die Vereinbarung von Heiligendamm im vergangenen Jahr hinaus. Damals war gegen langen Widerstand Amerikas nur beschlossen worden, das 50-Prozent-Ziel ernsthaft zu prüfen.
Atomenergie spielt nur eine Nebenrolle in der Erklärung
Nun kamen die Staats- und Regierungschef auch überein, sich mittelfristig auf eine Reduzierung der Treibhausgase zu verpflichten. Allerdings blieb offen, ob 2020 oder 2030 als mittelfristig anzusehen sei. Auch wurden keine klaren Zahlen pro Land genannt. Doch vereinbarten die G-8, dass sie weltweit beim Klimaschutz eine Führungsrolle übernehmen wollen und dass sie dabei einen größeren Beitrag leisten müssten als die Schwellenländer. Daher solle jedes G-8-Land ehrgeizige eigene Ziele setzen und mittelfristig den Ausstoß an Treibhausgasen absolut reduzieren. Ein Basisjahr dafür wurde allerdings nicht genannt. Die Schwellenländer hingegen sollen bei der Reduzierung nur unterstützt werden.
Die Atomkraft wird in dem Text insofern erwähnt, als es ein wachsendes Interesse mancher Staaten gebe, die Atomkraft einerseits zur Vermeidung von Treibhausgasen und andererseits zur Verringerung der Öl-Abhängigkeit einzusetzen. Die Atomenergie wird aber nicht generell als ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel genannt. Dagegen hatte sich Deutschland gesperrt, das mit seinem Atomausstieg unter den G-8 inzwischen alleine dasteht.
Sechs Milliarden Dollar für den Klimafonds der Weltbank
Darüber hinaus verwiesen die G-8 unter anderem auch auf notwendige Nachhaltigkeitsstandards für Treibhausgase und begrüßten die bei der Weltbank angesiedelten Klimafonds. Insgesamt sollen dafür sechs Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden. Deutschland will nach Angaben aus Regierungskreisen 500 Millionen Dollar geben, die auch schon in der Haushaltsplanung eingestellt seien. Die Vereinigten Staaten hatten bereits zwei Milliarden, Japan und Großbritannien jeweils 1,2 Milliarden Dollar zugesagt.
Die amerikanische Regierung bewertete die Schlusserklärung des G-8-Gipfeltreffens zur Klimafrage als ein hervorragendes Ergebnis. Mit dem erklärten Zielm den Treibhausgasausstoß bis 2050 halbieren zu wollen, hätten sich die G-8-Staaten auf eine gemeinsame langfristige Vision festgelegt, sagte der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Dan Price am Dienstag in Toyako nach den Arbeitssitzungen der G-8. Es gab eine ausgezeichnete Diskussion und eine ausgezeichnetes Ergebnis.
Blumige Worte statt Klimaschutz
Wie von Präsident George W. Bush vorgeschlagen, werde es nun darum gehen, mit allen großen Industriestaaten - also auch mit China und Indien - eine für alle verbindliche Strategie für mittelfristige Ziele im Kampf gegen die Klimaerwärmung zu finden, sagte Price weiter. Das werde am Mittwoch, dem letzten Tag des G-8-Gipfeltreffens, bei den anstehenden Gesprächen der Führer der dann 17 Industrieländer der Welt möglich sein. Die G-8-Erklärung betone auch die überragende Bedeutung der Entwicklung neuer Technologien für saubere und umweltfreundliche Energieträger, fügte Price hinzu.
Umweltschützer übten scharfe Kritik an der G-8-Klimavereinbarung. Die Umweltschutzorganisation WWF nannte sie unzureichend. Die G-8-Führer hätten es nicht geschafft, die internationalen Klimaverhandlungen voranzubringen. Das Ziel einer Reduzierung der globalen CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent bis 2050 reiche nicht aus. Enttäuscht äußerte sich auch die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Tearfund. Die G8 kriechen bei den Einschnitten der Treibhausgase vorwärts, während große Sprünge erforderlich wären, sagte Peter Grand von Tearfund. Die Vereinbarung sei kaum mehr als eine Bestätigung der Ziele vom vergangenen Jahr in Heiligendamm. Statt einer Halbierung sei eine Verringerung der Treibhausgase bis 2050 um 50 bis 80 Prozent nötig. Das Ziel bis 2020 müsste 25 bis 40 Prozent lauten, forderte Grand.
Greenpeace erklärte: Während die Arktis schmilzt, vertagen die G8 das Handeln. Statt Klimaschutz hat die Welt nichts weiter erhalten als blumige Worte. So ein kleiner Fortschritt nach einem ganzen Jahr an Ministertreffen und Verhandlungen sei nicht nur eine vertane Gelegenheit, sondern bleibe auf gefährliche Weise hinter dem zurück, was zum Schutz der Menschen und Natur vor dem Klimawandel nötig sei, klagte der WWF.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, Reuters
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