22. August 2005 Die hohen Spritpreise zeigen Wirkung: An deutschen Tankstellen ist der Absatz von Benzin und Diesel im ersten Halbjahr eingebrochen. Neben den historisch hohen Kraftstoffpreisen macht sich auch die andauernd schwache Konjunktur bemerkbar. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) wurden in den ersten sechs Monaten im Inland noch 13,9 Millionen Tonnen Ottokraftstoff abgesetzt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Minus von fünf Prozent.
Wir haben nicht mit einem derart starken Rückgang gerechnet, sagte eine MWV-Sprecherin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch Diesel verkauft sich deutlich schlechter. Die MWV-Statistik weist für das erste Halbjahr bei einem Gesamtabsatz von 16,4 Millionen Tonnen Einbußen von 1,5 Prozent aus. Hier wirkt sich das Null-Wachstum der Wirtschaft aus, heißt es beim MWV. Diesel wird vorrangig von gewerblichen Verbrauchern wie Speditionen gekauft, die jetzt immer häufiger im günstigeren Ausland tanken. Die Speditionsbranche beziffert den Anteil der Kraftstoffkosten an den Gesamtkosten auf 20 Prozent.
Den Prognosen nach steigt der Ölpreis weiter
Den Tankstellenbetreibern in den Grenzregionen macht auch der zunehmende Tanktourismus zu schaffen. In den meisten europäischen Nachbarländern sind Benzin und Diesel deutlich günstiger. Vor allem die osteuropäischen Länder wie Polen und Tschechien locken gewerbliche wie private Verbraucher mit niedrigen Kraftstoffpreisen. Unter der Last hoher Spritpreise stöhnen deutsche Autofahrer schon länger.
Inzwischen klagen auch die Dieselfahrer. Statt rund 95 Cent wie vor einem Jahr werden nun im Durchschnitt 1,12 Euro je Liter Diesel fällig. Der Liter Super kostet im Mittel 1,30 Euro. Und Experten sagen vor dem Hintergrund einer steigenden Ölnachfrage aus China auch einen weiteren Anstieg der Benzinpreise voraus. Nach unserer Prognose wird der Ölpreis weiter steigen - von derzeit 63 Dollar je Barrel auf 74 Dollar bis Mitte nächsten Jahres, sagte der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Jörg Kramer. In der Folge dürften dann auch die Benzinpreise anziehen.
Trend zu umweltfreundlicheren Autos
Die deutsche Mineralölindustrie kalkuliert auf Jahressicht mit einem Minus beim Benzinabsatz von 3,3 Prozent. Und auch beim Diesel wird nun ein leichtes Minus erwartet, nachdem bisher mit einem Anstieg von 1 Prozent gerechnet wurde. Offenkundig sind die Verbraucher sparsamer geworden. Wer einen Neuwagen kauft, wählt häufiger als früher einen genügsameren Motor. Diesen Trend bestätigt der Verband der Automobilindustrie (VDA). Wir drehen an allen möglichen Schrauben, um den Effekt hoher Ölpreise auf Mobilität und Wachstum gering zu halten, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Wir investieren in spritsparende Technologien und erweitern die Produktpalette. Wir haben den Durchschnittsverbrauch neuer Modelle um rund 25 Prozent reduziert. Wir forcieren höhere Beimischungen von Ethanol und fördern Biokraftstoffe oder bieten Fahrertrainings zum Spritsparen an.
Nach Angaben des VDA ist der Kraftstoffverbrauch der deutschen Autos im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 6,8 Liter je 100 Kilometer gesunken. Damit hat sich der Verbrauch seit dem Jahr 2000 um 6 Prozent und seit 1990 gar um 23 Prozent reduziert; seit Ende der siebziger Jahre beträgt die Einsparung nahezu 40 Prozent. Und seit Anfang der neunziger Jahre ist der durchschnittliche Verbrauch der Neufahrzeuge um 2 Liter gesunken.
Text: hpe. / F.A.Z., 23.08.2005, Nr. 195 / Seite 11
Bildmaterial: F.A.Z.
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