Island

Zick-Zack in der Geldpolitik

In schwerer See: Islands Premier Geir Haarde

In schwerer See: Islands Premier Geir Haarde

28. Oktober 2008 In einem Zick-Zack-Kurs hat die isländische Zentralbank keine zwei Wochen nach einer drastischen Senkung die Leitzinsen in einem fast doppelt so großen Schritt wieder erhöht. Auf Forderung des Internationalen Währungsfonds hob sie den Satz am Dienstag auf einen Schlag um sechs Prozentpunkte auf 18 Prozent an. Am 15. Oktober hatte sie den Schlüsselzins noch um 3,5 Punkte auf zwölf Prozent verbilligt.

Zugleich stellte Finanzminister Arni Mathiesen die nächste Senkung bereits wieder in Aussicht. Er hoffe, dass der Leitzins nur für kurze Zeit so hoch bleibe, sagte er am Rande eines Finanzministertreffens der nordischen Staaten in Finnland. Sobald sich der Devisenmarkt stabilisiere, sei ein dermaßen hoher Satz nicht mehr nötig. Die Erhöhung sei im Übrigen nicht durch den IWF erzwungen, entspreche aber der Vereinbarung mit dem Kreditgeber.

Das vor dem Staatsbankrott stehende Island hat den IWF um Hilfen im Umfang von zwei Milliarden Dollar gebeten. Weitere vier Milliarden Dollar erhofft es sich von seinen Nachbarn und Russland (Island vor dem Staatsbankrott).

Zinserhöhung sehr extrem

Experten bezeichneten die Zinserhöhung als sehr extrem. Der Schritt sei der verzweifelte Versuch, „wenigstens ein Mindestmaß an Vertrauen in den nationalen Markt zurückzugewinnen und den Handel mit der isländischen Krone wieder in Gang zu bringen“, sagte die Devisenhändlerin Elisabeth Gruie von BNP Paribas. Die Entscheidung solle wohl den Appetit der Investoren wieder anregen, meinte auch Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank in Frankfurt. Mit Blick auf das große Leistungsbilanzdefizit und die starke Exportabhängigkeit der Insel äußerte er sich aber skeptisch über den Erfolg der Entscheidung: Island müsse seine prinzipiellen Risiken reduzieren, bevor der Handel wieder auf die Füße kommen könne, sagte Leuchtmann.

Seit die Finanzkrise den Inselstaat im Nordatlantik mit voller Wucht erreicht hat, liegt der Devisenhandel mit der isländischen Krone faktisch brach. Traditionell hohe Zinsen hatten die Währung über Jahre hinweg zu einem attraktiven Anlageziel für ausländische Investoren gemacht. Die starke Vernetzung der isländischen Banken mit den Finanzmärkten in Übersee haben die 300.000 Einwohner zählende Insel jedoch so stark in die Krise mit hineingerissen wie kein anderes europäisches Land. Trotz der Verstaatlichung der größten Bankhäuser ist der Finanzmarkt seit Wochen so gut wie ausgetrocknet.

Der umstrittene Zentralbankchef David Oddsson hatte die Zinssenkung vor zwei Wochen mit der drohenden Schrumpfung der Wirtschaft begründet. Ein günstigerer Schuldendienst sollte Unternehmen entlasten, die auf eine Finanzierung durch isländische Banken angewiesen sind. Auch viele Verbraucher hatten dringend auf niedrigere Sätze gewartet. In Island zahlte man zuletzt bis zu 25 Prozent Zinsen, wenn man sein Konto überzog. Der ehemalige Ministerpräsident Oddsson steht seit Wochen in der Kritik. Viele werfen ihm vor, in der Krise nicht rechtzeitig und entschlossen genug gehandelt zu haben. Die Regierung stellte sich jedoch wiederholt demonstrativ hinter den Geldpolitiker.

Text: Reuters
Bildmaterial: dpa

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