23. September 2008 Aus Skepsis über das Rettungspaket der amerikanischen Regierung für die angeschlagenen Banken haben sich Anleger am Dienstag erneut von Aktien getrennt. Der Dax verlor im frühen Handel deutlich und notierte mit 6066 Zählern 0,7 Prozent schwächer. Zu den größten
Verlierern gehörten erneut die Finanzwerte. So gaben die Aktien der Deutschen Bank mehr als drei Prozent nach.
Schon der amerikanische Aktienmarkt hatte mit deutlichen Verlusten geschlossen. Der Leitindex Dow Jones verlor 3,27 Prozent auf 11.015,69 Zähler und büßte damit einen Teil seiner Ende vergangener Woche erzielten Gewinne wieder ein. An der Technologiebörse Nasdaq sank der Composite-Index gar um 4,17 Prozent auf 2178,98 Punkte. Auch in Amerika gehörten Finanzaktien zu den größten Verlierern. So brachen die Titel von JPMorgan um 13,28 Prozent auf 40,80 Dollar ein, für die Aktien der Bank of America ging es um 8,88 Prozent auf 34,15 Dollar nach unten. American- Express-Papiere verloren 7,70 Prozent auf 37,29 Dollar.
Zur Begründung führten Händler Zweifel an den hohen Kosten sowie an der Wirksamkeit des amerikanischen Rettungspakets für die Finanzbranche an. Die Anleger sind sich demzufolge nicht sicher, ob die Maßnahmen ausreichen, die Lage an den Kreditmärkten zu entspannen. Auch der wieder deutlich gestiegene Ölpreis drückte auf die Stimmung.
Kein Blanko-Scheck für die Wall Street
Auf dem politischen Parkett in Washington herrschte am Montagabend Zuversicht hinsichtlich des Rettungspakets. Die Demokraten äußerten sich optimistisch über eine Einigung mit der Regierung auf den Rettungsplan. Wir haben verstanden, dass es notwendig ist, so schnell wie möglich zu handeln, sagte die demokratische Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi vor Journalisten. Der Kongress wolle der Wall Street aber keinen Blanko-Scheck ausstellen.
Die Demokraten hoffen, eigene Ideen für den Finanzsektor in das Paket einbringen zu können. So hoffen sie etwa auf ein Belebungsprogramm für die amerikanische Wirtschaft und auf eine Begrenzung der Abfindungen für Konzernmanager. Außerdem fordern sie eine stärkere Kontrolle über den Verbleib der Gelder aus dem Rettungsplan.
Das amerikanische Finanzministerium hatte sich zuvor ebenfalls zuversichtlich geäußert, dass der Kongress dem Rettungsplan zustimme. Die Diskussionen verliefen gut, sagte ein Sprecher. Die amerikanische Regierung hatte dem Parlament angesichts der Finanzkrise am Freitag einen Vorschlag übermittelt, wonach mit bis zu 700 Milliarden Dollar Steuergeldern faule Kredite von Geldinstituten gekauft werden sollen.
Eigenes deutsches Hilfspaket und staatliche Ratingagentur?
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat unterdessen ein eigenes deutsches Hilfspaket für besonders von der Finanzkrise betroffene hiesige Banken ins Gespräch gebracht, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern. Man muss sich überlegen, dass amerikanische Banken, wenn es ihnen möglich ist, ihre Bilanzen zu säubern, wenn es ihnen also möglich ist, die schlechten Forderungen an den Staat zu verkaufen und sich dadurch wieder zu stabilisieren, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Banken haben, denen das nicht möglich ist, sagte Bofinger im Deutschlandfunk. Man müsse daher in Deutschland prüfen, ob es deutsche Banken gebe, die dadurch Wettbewerbsnachteile erlitten. Dann könnte der deutsche Staat ihnen Forderungstitel abkaufen.
Bofinger unterstützte zugleich aber die Haltung der Bundesregierung, sich nicht an dem amerikanischen Milliarden-Rettungspaket zu beteiligen. Die Amerikaner hätten das Problem verursacht und müssten es auch lösen. Als Reaktion auf die Krise forderte er Regulierungsschritte. So gab er den großen internationalen Rating-Agenturen eine wesentliche Mitschuld an der Krise und plädierte dafür zu überlegen, ob man nicht eine staatlichen Rating-Agentur aufbauen sollte.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa
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