23. Oktober 2007 Der Begriff Hollywood-Streik“ ist in den vergangenen Wochen in Amerika zu einem beliebten Schimpfwort geworden. Es ist die spöttische Bezeichnung für einen Streik, der vor allem als Show gedacht ist - angelehnt an den Namen der kalifornischen Filmhauptstadt. Der Begriff fand Verwendung bei den Kurzstreiks der Gewerkschaft UAW bei den Autoherstellern General Motors und Chrysler, die nach ein oder zwei Tagen vorbei waren. Hinterher wurde die Gewerkschaft verhöhnt, der Streik sei nur ein Show-Effekt gewesen, um ihr Gesicht zu wahren.
In einem anderen Arbeitskampf könnte es bald zu einem Hollywood-Streik im wahrsten Sinn des Wortes kommen: Die amerikanische Unterhaltungsindustrie steckt derzeit in Tarifauseinandersetzungen mit ihren Drehbuchautoren, und in Kürze stehen auch Verhandlungen mit den Schauspielern und Regisseuren an. Sollte es nicht in den nächsten Tagen zu einer Einigung kommen, könnte die Film- und Fernsehindustrie in Hollywood und im Rest Amerikas bestreikt und völlig lahmgelegt werden. Das gilt als reelles Szenario, denn die Verhandlungen werden in diesem Jahr so erbittert geführt wie schon lange nicht mehr.
Und die Film- und Fernsehstudios stellen sich darauf ein, dass ein Streik mehr als nur ein kurzer Show-Effekt sein könnte. In Hollywood ist geradezu hektische Betriebsamkeit unter den Film- und Fernsehstudios ausgebrochen, um noch möglichst viele Projekte vor einem etwaigen Streik unter Dach und Fach zu bringen.
Nur ein winziger Teil schafft es zum Durchbruch
Ein Streik in der Unterhaltungsindustrie mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig erscheinen, ist dies doch vermeintlich eine Welt von Glamour und Traumgagen. Immer wieder werden schlagzeilenträchtige Listen mit den Top-Verdienern in Hollywood wie Julia Roberts oder Cameron Diaz veröffentlicht, die zweistellige Millionengagen für einen einzigen Film bekommen.
Allerdings gibt es eine große Welt jenseits dieser Superstars. Die Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG) hat 120.000 Mitglieder, und nur ein winziger Teil davon schafft es zum großen Durchbruch und entsprechendem Reichtum. Für die überwiegende Mehrheit ist der Alltag viel grauer: Man muss hart um jede Rolle kämpfen, hangelt sich irgendwie von einem Projekt zum nächsten und hält sich oft auch mit Jobs als Statist und in Werbespots über Wasser.
Es ist vor allem die große Masse dieser Schauspieler, für die die Gewerkschaft kämpft und bei den Unterhaltungskonzernen bessere Konditionen herauszuholen versucht. Andere Berufsgruppe wie Regisseure und Drehbuchautoren, die hinter den Kameras stehen, dürften es noch schwerer haben. Hier ist die Aussicht, berühmt zu werden und hohe Gagen herausholen zu können, noch geringer als bei den Schauspielern.
Die Fronten sind so verhärtet wie lange nicht
Die amerikanischen Film- und Fernsehstudios wie NBC Universal oder Walt Disney - zusammengeschlossen in der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) - verhandeln nun mit jeder einzelnen Berufsgruppe um einen neuen Tarifvertrag für die nächsten drei Jahre. Als erstes sind die Drehbuchautoren dran, deren alter Vertrag schon Ende Oktober auslaufen wird. Die Verträge der Schauspieler und der Regisseure gelten noch jeweils bis Ende Juni nächsten Jahres.
Die Fronten sind nun so verhärtet wie lange nicht. Die Mitglieder der Autorengewerkschaft haben ihre Führung vor wenigen Tagen autorisiert, einen Streik auszurufen. Es wäre der erste Streik seit dem Jahr 1988. Damals legten die Autoren ihre Arbeit für fast ein halbes Jahr nieder, was die Branche Schätzungen zufolge 500 Millionen Dollar kostete.
Wenn die Gagschreiber fehlen
Ein Knackpunkt in den Verhandlungen sind Honorare für die Drehbuchautoren bei der Weiterverwertung von Filmen und Fernsehsendungen auf DVDs oder im Internet. Die Autoren fordern eine Verdopplung ihres Anteils, was von den Studios strikt abgelehnt wird. Falls es bis Ende des Monats zu keiner Einigung kommt, sind mehrere Szenarien denkbar: Die Drehbuchautoren könnten sofort in einen Streik treten. Sie könnten aber auch vorläufig unter dem alten Tarifvertrag weiterarbeiten und abwarten, bis auch die Verhandlungen mit den Schauspielern und den Regisseuren in die heiße Phase gehen. Die Autoren würden in diesem Fall darauf hoffen, zusammen mit ihren Kollegen eine noch stärkere Front zu bilden. Ein Extremszenario wäre es, dass Ende Juni nächsten Jahres Schauspieler, Autoren und Regisseure streiken - was die Unterhaltungsindustrie so gut wie zum Stillstand bringen würde.
Aber auch ein unmittelbarer Streik der Autoren würde sich sehr schnell bemerkbar machen. Zuerst wohl beim Fernsehen, und hier zuerst bei tagesaktuellen Shows, die Autoren benötigen. Beispiele sind die Late Night Shows“ von David Letterman oder Jay Leno, die mit Schreibern für ihre Gags arbeiten. Letterman hat beim Streik im Jahr 1988 seine Witze zwischenzeitlich selbst geschrieben. Bei den Fernsehserien wie Lost“ oder Heroes“ dürfte ein im November begonnener Streik wohl im Januar oder im Februar zu spüren sein, wenn der Vorrat an vorproduzierten Shows aufgebraucht ist. Statt neuer Folgen von Serien würden Wiederholungen ausgestrahlt, und die Sender würden stärker auf Reality-Programme setzen. Einige Fernsehsender haben für den Fall eines Streiks schon zusätzliche Reality-Shows in Auftrag gegeben. Im Kinoprogramm würde sich ein Streik wegen längerer Vorlaufzeiten nicht so schnell niederschlagen. Allerdings versuchen die Studios, noch vor einem möglichen Streik der Schauspieler möglichst viele Projekte abzuschließen und haben ihr Produktionstempo drastisch erhöht.
Auch am Broadway droht Streik
Gerade für das Fernsehen käme ein Streik zur Unzeit. Die Sender kämpfen bei vielen ihrer Serien mit rückläufigen Zuschauerzahlen, was sich in niedrigeren Werbeumsätzen niederschlägt. Eine Zwangsunterbrechung laufender Serien könnte nun noch mehr Zuschauer vergraulen. Das Filmgeschäft hat sich dagegen zuletzt recht gut entwickelt. Die Hollywood-Studios haben dank erfolgreicher Fortsetzungen von Filmreihen wie Spider-Man“ und Shrek“ in der diesjährigen Sommersaison einen Rekordumsatz in den Kinos geschafft.
Auch in einem anderen Teil der Unterhaltungsbranche herrscht derzeit Streikgefahr. Die Gewerkschaft der Bühnenarbeiter am New Yorker Broadway - dem Theaterviertel der Stadt - haben mit einem Streik gedroht. Am Sonntag haben die Mitglieder der Gewerkschaft einen Streik autorisiert. Sollte sich die Gewerkschaftsführung für einen Streik entscheiden, würden in fast allen der knapp 40 Broadway-Theater die Lichter ausgehen. Die Bühnenarbeiter haben noch nie gestreikt. Im Jahr 2003 legten aber die Musiker der Broadway-Theater die Arbeit für vier Tage nieder, und die Shows fielen aus. Der Streik soll die Stadt New York damals 10 Millionen Dollar gekostet haben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS
Immobilien: Pekings blubbernde ![]()
Kommentar: Ein Bier auf die Bahn
Die Deutsche Bahn rüstet sich für den Eurotunnel
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.930,53 | +1,70% |
| TecDAX | 817,81 | +0,30% |
| MDAX | 7.454,26 | +0,82% |
| SDAX | 3.547,67 | −0,22% |
| REX | 378,50 | −0,06% |
| Eurostoxx 50 | 2.926,05 | +1,91% |
| Dow Jones | 10.414,10 | +0,83% |
| Nasdaq 100 | 1.828,79 | +1,19% |
| S&P500 | 1.114,05 | +1,05% |
| Nikkei225 | 10.183,50 | +0,41% |
| EUR/USD | 1,4288 | +0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 72,99 $ | −1,18% |
| Gold | 1.105,50 $ | +0,09% |
| Bund Future | 122,90 € | −0,43% |