19. Juli 2007 Frauen werden in der EU nach wie vor viel schlechter bezahlt als Männer. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Europäischen Kommission, die EU-Sozialkommissar Vladimir Špidla am Mittwoch in Brüssel vorgestellt hat. Trotz aller Bemühungen der vergangenen Jahre, die ungleiche Bezahlung zu verringern, sei wenig passiert.
Frauen verdienten heute im Durchschnitt 15 Prozent weniger je Stunde als Männer. In Deutschland lag das Gefälle bei 22 Prozent, in Großbritannien bei 20 Prozent und in Frankreich bei 12 Prozent. Die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar, da Länder wie Malta, in denen kaum Frauen arbeiten, auch geringere Unterschiede in der Bezahlung haben.
Mütter benachteiligt
Hauptgrund für die Gehaltsunterschiede ist nach Ansicht von Špidla, dass Mütter noch immer benachteiligt würden. Junge Frauen ohne Kinder würden meist nicht wesentlich schlechter bezahlt als junge Männer. In der Altersgruppe unter 30 Jahren liege die Differenz nur bei 7 Prozent. In der Gruppe zwischen 30 und 39 Jahren sei die Lücke aber schon dreimal so hoch. Wenn Frauen ein, zwei Jahre im Beruf aussetzten, um ein Kind zu betreuen, wirke sich das im gesamten Arbeitsleben negativ auf den Lohn aus.
Es müsste eigentlich so sein, dass Frauen nach zwei, drei Jahren wieder ebenso viel wie die männlichen Kollegen verdienen, die nicht ausgesetzt haben“, sagte Špidla. Der durch die Pause entstandene Unterschied in der Qualifikation sei dann ausgeglichen.
Wenige Frauen in Führungspositionen
Auch die unterschiedliche Rollenverteilung wirke sich negativ aus. Während Männer sich im Durchschnitt nur sieben Stunden in der Woche neben ihrer Arbeit auch um den Haushalt kümmerten, arbeiteten Frauen 24 Stunden zusätzlich im Haushalt. Frauen mit einem Teilzeitjob arbeiteten sogar 35 Stunden extra. Viele Frauen hätten deshalb keine Zeit dafür, sich weiterzubilden, und suchten sich von vorneherein Arbeitsplätze, die wenig voraussetzten und auch schlecht bezahlt seien, sagte der EU-Kommissar. Im Finanzsektor seien die Lohnunterschiede indes so groß, weil es nur wenige Frauen in Führungspositionen gebe. Sie stießen an die berühmte gläserne Decke, sagte Špidla.
Konkrete Schritte kündigte Špidla nicht an. Die Kommission werde frühestens 2008 handeln. Eine weitgehende Option wäre es, Väter zum Vaterschaftsurlaub zu zwingen. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass die Kommission das anregt. Ein Ansatz könne sein, vorbildliche Konzerne etwa mit einem Logo herauszustellen, sagte Špidla. So habe sich eine Handelskette entschieden, künftig Kassiererinnen und Regalpackern denselben Lohn zu zahlen.
Text: hmk. / F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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