Standort-Ranking

Deutschland im leichten Aufwärtstrend

02. November 2006 Die Bertelsmann-Stiftung sieht erste Früchte der wirtschaftspolitischen Reformanstrengungen der vergangenen Jahre in Deutschland. Im „Aktivitätsindex“ des internationalen Standort-Ranking der Gütersloher Stiftung hat sich Deutschland in einer Gruppe von 21 Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Rang 15 vorgearbeitet, nach Platz 16 im aktualisierenden „Standort-Check“ vor einem halben Jahr und Rang 21 noch im Herbst 2004.

Deutschland steht somit direkt hinter Großbritannien, das sich verschlechtert hat. Angeführt wird die Liste von Norwegen, vor Australien, den Niederlanden, Irland und der Schweiz. Im Erfolgsindex hingegen, in dem Irland, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Australien an der Spitze stehen, liegt Deutschland weiterhin auf dem letzten Platz. Nach Ansicht der Forscher zeichnet sich aber auch hier eine leichte Besserung ab. So deuteten Prognosen darauf hin, daß sich Deutschland 2007 auf Rang 19 verbessern könnte.

Indizes sind nicht unumstritten

Die Methodik für das Standort-Ranking der Bertelsmann-Stiftung wird von den Münsteraner Wissenschaftlern Ulrich van Suntum und Klaus Hafemann verantwortet; die Liste war im Herbst 2004 erstmals veröffentlicht worden. Für das Ranking wird die Entwicklung von Wachstum und Beschäftigung in 21 Industrienationen verglichen; im Gegensatz zu anderen Rankings, beispielsweise vom World Economic Forum oder vom Lausanner IMD, greifen die Gütersloher nicht auf Befragungen zurück.

Der „Aktivitätsindex“ ist dynamisch ausgerichtet und nimmt Details in den Blick wie Langzeitarbeitslosigkeit, Partizipationsrate und Staatsquote. Der „Erfolgsindex“ zielt nur auf eine Zustandsbeschreibung, indem er Arbeitslosenquote, Erwerbstätigenzuwachs, Pro-Kopf-Einkommen und Potentialwachstum vergleicht. Beide Indizes sind nicht unumstritten, weil sie nicht über Ursache-Wirkung-Beziehungen aufklären und nur eingeschränkt Prognosen ermöglichen.

Unterdurchschnittliches Wachstumspotential

Als Ursache für den jüngsten Aufwärtstrend in Deutschland nannte unterdessen Johannes Meier, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, daß die Erwerbsbeteiligung im Zuge der jüngsten Arbeitsmarktreformen auf „international beachtliche“ 78 Prozent gestiegen sei. Dies werde sich auch noch weiter beschleunigen. „Zudem hat das lohnpolitische Augenmaß der Tarifparteien zu einer leichten Belebung am Arbeitsmarkt beigetragen.“ Auch die Beschäftigungslage von Jugendlichen stelle sich in Deutschland trotz zuletzt ungünstiger Tendenz noch besser dar als in vielen anderen Ländern. So liegt die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren hierzulande nur etwa 4 Prozentpunkte höher als die Arbeitslosenquote der Gesamtbevölkerung.

Die allgemeine Arbeitslosenquote hingegen liege weiterhin auf hohem Niveau, nur in Frankreich und Griechenland seien mehr Menschen ohne Beschäftigung. Zudem sei das Wachstumspotential Deutschlands unterdurchschnittlich. Als Herausforderungen für die Zukunft nannte Meier vorrangig die Integration von Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten in den Arbeitsmarkt. Besonders im Niedriglohnsektor müßten Arbeitsplätze gefördert werden. Weiter mahnte Meier fortgesetzte Anstrengungen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen an, am besten durch Ausgabenkürzungen.

Die Bertelsmann-Stiftung

Die Bertelsmann-Stiftung wurde 1977 gegründet. Die gemeinnützige, parteiunabhängige Stiftung soll helfen, die Reform der öffentlichen Institutionen in Deutschland voranzubringen. Heute arbeiten in der größten operativen - nicht nur Fördermittel verteilende, sondern selbst Projekte konzipierende und ausführende - Unternehmensstiftung Deutschlands knapp 300 Beschäftigte an gesellschaftspolitischen, sozialen und kulturellen Themen. Der Etat speist sich aus Dividenden des Bertelsmann-Konzerns.

Text: orn / F.A.Z., 03.11.2006, Nr. 256 / Seite 14
Bildmaterial: F.A.Z.

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