Ich arbeite mit jungen Erwachsenen, die verschiedenste Vermittlungshemmnisse aufweisen. Ich kümmere mich darum, diese in Arbeit, in Praktika oder in Ausbildung zu vermitteln. Es gibt eine Gruppe von jungen Leuten, die sind nicht ausbildungsfähig, über die rede ich nicht. Aber es gibt auch die Gruppe, für die der Ausbildungsplatzbonus hilfreich ist, da sie doch noch einige vermittlungsrelevanten Hemmnisse haben. Im günstigsten Fall sind es schlechte Schulzensuren, besonders in Mathe und Deutsch. Im ungünstigsten Fall, ist es Unzuverlässigkeit, fehlende Sozialkompetenz und schwache Arbeitsleistung. Mit der richtigen Führung kann sich diese Gruppe aber durchaus positiv entwickeln und zu guten Arbeitskräften werden. Dennoch Probleme sind zunächst zu erwarten!!! Daher ist ein Zuschuss zu den Ausbildungskosten eine Art Ausgleich für verminderte Produktivität, oder einfach nur Schmerzensgeld. Die Grundüberlegung ist es, Arbeit zu finanzieren. Denn schon heute absolvieren junge Leute immer und immer wieder Praktika, was sie nicht motiviert auf Dauer. Ausbildung ist Arbeit und daher motivierender!! Jetzt, wo das Schmerzensgeld da ist, braucht es nur noch der Betriebe, die ihre soziale Verantwortung wirklich ernst nehmen.
Das Jammern der Wirtschaft hat Tradition. Nur 30% der Betriebe bilden überhaupt aus. Jugendliche sind am Anfang ihres beruflichen Weges, keine Roboter für die Wirtschaft. Es gibt nicht ausbildungsreife, nicht lernwillige Jugendliche. Lehrer können ein Lied davon singen! Der DIHT will nicht wahrhaben, dass Schulen vor den gleichen Problemen stehen wie Betriebe. Der Anteil der Problemschüler und Schulverweigerer steigt! Schule wird täglich mit Defiziten konfrontiert, die lernhinderlich sind: falschen politischen Weichenstellungen (z.B. Hamburg, Berlin), Erziehungsdefiziten, extensivem Medien-/Alkoholkonsum, einer fehlgesteuerten Migrationspolitik. Für den Erfolg sind ganz wesentlich: Begabung, Lernbereitschaft und ein Minimum an sozialem Verhalten. Daran fehlt es vielen Jugendlichen. Viele haben sich in unserem Sozial-/Transfersystem eingerichtet. Morgendliches Aufstehen, Fleiß, Selbstdisziplin, das Einhalten von Regeln werden als Zumutung angesehen. Ohne eigene Anstrengung geht es aber nicht! Das muss Politik endlich von den Jugendlichen einfordern, statt die Schulen allein zu lassen. Statt hier gemeinsam nach Lösungen zu suchen, werden seitens der Wirtschaft ungerechtfertigte Schuldzuweisungen gemacht! Nicht jammern, ausbilden!
Die Idee ist gut. Leider wird das "Pferd" aber vom Schwanz aufgezäumt. Der "Ausbildungsbonus" zeigt nur die Überkommenheit des noch im Zunftwesen wurzelnden Dualsystems in Deutschland. Wir haben hier die organisierte Verantwortungslosigkeit zwischen Staat und Wirtschaft zu Lasten der jungen Generation. Deshalb ist eine konsequente Subjektförderung erforderlich und mehr frei-öffentliche Berufschulen. Die strukturell hohe Jugendarbeitslosigkeit zeigt wie krank das System ist, vor allem wenn man bedenkt, dass nur 25% der möglichen Betriebe die ausbilden könnten auch tatsächlich ausbilden. Insofern ist der Fachkräftemangel in der langen Sicht von der Wirtschaft selbst gemacht. Deutschland ignoriert seit 1979 beständig die Vorgaben des von der EU verabschiedeten Europäischen Qualifikationsrahmens. Wenn wir bedenken, dass die Kosten eines Schülers in der Sekundarstufe II bei rund 6.000 € p.a. liegen, dann müsste ein Bildungsgutschein für Azubis den gleichen Wert haben. Wären die Firmen nicht bereit interessante Ausbildungsplätze anzubieten, dann könnten Auzubis ihre Lehre - mit Hilfe des Bildungsgutscheines - an beruflichen Vollzeitschulen in freier Trägerschaft absolvieren. L.P. Häußner Universität Karlsruhe (TH) - IEP
Beispiele wie diese zeigen, daß der Staat über viel zu viel Geld verfügt. Deshalb sollte die Steuersenkungsdebatte angeheizt werden, um die Politiker zu zwingen, endlich die Ausgaben deutlich abzubauen, statt ihnen den Freiraum zu belassen, immer neue Steckenpferde zu erfinden, die auf Kosten des Steuerzahlers geritten werden müssen. Leider ist die Bevölkerung in ihrem wirtschaftswissenschaftlichen Verständnis nicht weit genug, um Initiativen wie diese auf den ersten Blick als schädlichen Aktionismus zu erkennen.
Das soll Wunder wirken, liebe Dagoberts.