05. November 2006 Die spanische Regierung hat nach eigenen Angaben die rechtlichen Hürden für eine Übernahme des Stromversorgers Endesa durch den deutschen Eon-Konzern geebnet.
Das Industrieministerium teilte in einer am Samstag in Madrid veröffentlichten Erklärung mit, das spanische Recht sei den in der Europäischen Union geltenden Regeln angepaßt worden, um die von Eon geplante Übernahme des größten spanischen Energieunternehmens zu ermöglichen. Danach müsse der deutsche Energieriese Endesa nicht zerschlagen. Nach Medienberichten dürfe Eon somit die Atom- und Kohlekraftwerke Endesas behalten, ebenso das Stromgeschäft auf den Balearen und den Kanarischen Inseln.
Merkel bat Zapatero um Unterstützung
Eon teilte in Düsseldorf dazu lediglich mit, das Unternehmen werde die Entscheidung aus Madrid eingehend analysieren und dann den Markt über weitere Entwicklungen informieren.
Im Falle einer Übernahme des Konzerns Eon durch einen Dritten bleibt das Industrieministerium aber dabei, daß der Konzern dann Endesa verkaufen müsse. Zudem müsse Eon die geplanten Investitionen Endesas gewährleisten. Die umstrittene Erweiterung der Befugnisse der Energiebehörde CNE zur Überprüfung ausländischer Übernahmeofferten will Madrid ebenfalls beibehalten.
Eon hatte am 23. Oktober mitgeteilt, es habe die 37,1 Milliarden Euro für den Kauf zusammen. Ursprünglich hatte der Konzern 26,9 Milliarden Euro geboten. Bisher hatte Madrid den deutschen Kaufversuch blockiert. Daher leitete die EU-Kommission im Oktober ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien ein. Zudem hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des EU-Gipfels in Lahti Mitte Oktober beim spanischen Ministerpräsidenten José Rodriguez Zapatero darauf gedrungen, die Hürden für die geplante Übernahme zu beseitigen.
Kommt der Übernahmeprozeß wieder in Gang?
Unterdessen hat der spanische Baukonzern und Eon-Konkurrent Acciona von der Energiebehörde die Genehmigung erhalten, seinen Anteil bei Endesa auf 24,9 Prozent zu erhöhen und damit zum Hauptaktionär aufzusteigen. Bislang hält Acciona knapp zehn Prozent an Endesa, das Unternehmen sicherte sich aber die Rechte zum Erwerb weiterer 9,6 Prozent. Insgesamt hat Acciona damit 6,8 Milliarden Euro für das Aktienpaket ausgegeben.
Nach der Entscheidung des Industrieministeriums wird erwartet, daß der Übernahmeprozeß wieder in Gang kommt. Dazu müßte Endesa zunächst die gegen den spanischen Konkurrenten Gas Natural angestrengten Klagen zurückziehen, da diese jeglichen Erwerb blockieren. Gas Natural hatte bereits im September 2005 eine Offerte für Endesa vorgelegt. Danach müßte die Börsenaufsicht die Gebote freigeben, damit die Aktionäre das letzte Wort haben.
Text: FAZ.NET mit AP, dpa
Bildmaterial: AP
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