Die FAZ glänzt gerne mit gut recherchierten Artikel aus gut informierter Feder eines begabten Journalisten. Allerdings: wo Licht ist, da ist auch Schatten und der wurde mit der Überschrift produziert. Die KV ist eine Anstalt des öffentlichen Rechtes und damit nichts weiter als der verlängerte Arm des Gesundheitsministeriums, welches jederzeit auch eine Ersatzvorgabe machen kann wenn die KV nicht spurt. In der KV sitzen zwar Ärzte, welche die Kollegen gewählt haben, aber das ändert gar nichts am fehlenden Handlungsspielraum. Das war ein guter Trick der Politik und auch die FAZ fällt darauf herein. Dabei sollte sich schon längst herumgesprochen haben: die KV ist KEINE Vertretung der Ärzte, keine Gewerkschaft und sicher schon gar kein Monopolist im eigentlichen Sinne. Jetzt werden sich an Stelle der KV ärztliche Blöcke bilden, fachrichtungsorientiert (Berufsverbände) oder quervernetzt (regionale Ärztegruppierungen, der grösste ist der MEDI-Verband). Dorthin werden sich jetzt die Ärzte wenden. Ob dann Monopole entstehen und seien es nur fachbezogene (z.B. alle Neurologen) wird sich zeigen, genauso wie die Auswirkungen. Ich höre schon das Geschrei aus lautem Bach.... aber so wollten Sie es doch, oder?
Die Einsparung von Verwaltungskosten ist, in allen Staatlichen und Halbstaatlichen, Organisationen wünschenswert und zu begrüssen, besonders im Gesundheitswesen.
Trotzdem könnte sich diese Ausschreibung als erster Schritt in eine Richtung erweisen die, für niemanden wünschenswert ist, nämlich dann, wenn solche Ausschreibungen auch auf fachärztliche Behandlungen, Operationen und andere Heilbehandlungen (z.B. die Rehabilitation) ausgeweitet werden, und dabei auch Anbieter aus dem Europäischen Ausland einbezogen werden. Zwar weiß ich nicht ob dies nach der momentanen Rechtslage überhaupt möglich ist, wünschenswert wäre es aber keinesfalls, wenn Oma Müller, nach Amerikanischem Vorbild, demnächst ihre Hüft-OP in Polen durchführen lassen müsste, weil dies dort billiger durchgeführt werden kann als in Deutschland.
im Endeffekt werden ja eher die Kassenärztlichen Vereinigungen jammern - aber wieso nicht, wieso sollte so ein Verband an den Kranken in Deutschland mitverdienen und ohne sie, sie machen ja nichts, wären die Kosten im Gesundheitswesen niedriger. Wo ein Aufbrechen der Strukturen mit Vorsicht zu genießen ist, da diese neue Ausschreibung ohne die KV der Beginn bzw. ein weiteres Vorschreiten der privaten Kassen sein kann, da dies denen auch neue Möglichkeiten bei Veträgen mit Ärzten gibt!
Haben die Kassen Geld zu verschenken? Werden sie ab 2009 mit dem Gesundheitsfond und dem von der Politik verordneten Beitragssatz etwa mehr Geld zu verteilen haben?
Wer Selektivverträge abschließt, die weniger statt mehr Euros (nicht Punkte) oder schlechtere Bedingungen statt bessere bringen, der hat den Schuß in der Praxis noch nicht gehört.
Die Ärzteschaft hat im Gegensatz zur Zahnärzteschaft allerdings ein Problem: Es gibt innerärztliche Verteilungskämpfe um das Budget. Und weil die Ärzteschaft hier keine für alle befriedigende Lösung selber geschaffen hat oder meinetwegen schaffen konnte, werden sie nun gegeneinander ausgespielt. Da kriegt die eine Gruppe im Selektivvertrag einen kräftigen Schluck aus der Pulle, den die Vertragsärzte mit ihrem über die KBV abgeschlossenen Gesamtvertrag bezahlen. Netter Wettbewerb ist das! Wie lange die Restmannschaft sich über die KBV alimentieren lassen kann ist dann nur die Frage. Haben erst mal alle einen Selektivvertrag, dann geht es dort ebenfalls bergab mit den Euros und Bedingungen. Die Kassen verschenken nichts, sie spielen nur alle an die Wand und lachen sich kringelig. Die Zeche zahlt der Patient denn auch in der Praxis kommt an Qualität nur raus was man an Euros reinsteckt!
Ich habe selbst in Projekten für eine KV gearbeitet. Für die Verwaltung von ca. 21000 niederlgelassene Ärzte des Bundeslandes leistet man sich ca. 5800 Angestellte, die so mit sich selbst beschäftigt sind, dass die eigentliche Arbeit von ca. 800 externen Mitarbeitern erledigt werden muss. Dabei hat sie nur zwei Aufgaben: Die Zulassung der Ärzte bewilligen und das von den Kassen überwiesene Geld auf die Konten der Ärzte verteilen. Die eigentliche Rechenleistung erbingen aber die Rechenzentren der Kassen. Gemeinsam sind die KVen ein derartig grosser Moloch, dass sie sogar in der Lage waren, die Ziele der Rürup-Kommission zu Fall zu bringen. Wenn man hochrechnet und noch andere Institutionen des Gesundheitswesens hinzunimmt, muss ein einzelner Arzt neben den Kosten seiner Praxis und seiner Angestellten mindestens 1 Verwaltungsperson mitfinanzieren. KVen sind eines der schwarzen Löcher unsererer Gesundheitskosten.
Nicht das Monopol der Ärzte soll geknackt werden, sondern der allumfassende Versorgungsauftrag der öffentlich rechtlichen KV (Kassenärztlichen Vereinigung).