Biotechnologie

Von Genomen und Proteinen

Von Carsten Knop

Zellforschung mit einem Hochleistungs-Mikroskop

Zellforschung mit einem Hochleistungs-Mikroskop

03. April 2006 In der Biotechnologie wird auf dem Weg zu neuen Medikamenten oder Dienstleistungen eine Vielzahl von verschiedenen Technologien eingesetzt, die für den Laien oftmals wenig verständlich sind. Unmittelbar eingängig ist allerdings die Feststellung, daß die reine Genomforschung, also die Kartierung und Sequenzierung des Erbguts (Genom) sowie weitere analytische Schritte am Genom selbst, bei weitem nicht ausreichen.

Denn die Wirkung der Gene beruht zu einem überwiegenden Teil auf den von ihnen verschlüsselten Proteinen. Raupe und Schmetterling besitzen dasselbe Genom. Was ihre unterschiedliche Erscheinung ausmacht, ist vor allem die Zusammensetzung der Proteome. Das Genom ist ein statischer Bauplan, das Proteom ist dagegen - in Abhängigkeit vom aktuellen biologischen Zustand und Umgebungseinflüssen - sehr dynamisch.

Kombination von Fortschritt und Vermarktung

Deshalb kommt der Proteomforschung innerhalb der Biotechnologie seit einiger Zeit die gleiche Bedeutung zu wie der Genomforschung. Da sich 98 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Medikamente gegen Proteine richteten, sei über die Analyse von Proteinvarianten bestimmbar, ob sich diese als Zielmoleküle für die Medikamentenentwicklung eigneten, heißt es im „Deutschen Biotechnologie-Report“ der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

In der Forschung dominieren neben Medikamenten gegen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Entzündungen oder Infektionen vor allem die Präparate zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen. Pharmaindustrie wie Biotechnologieunternehmen erhoffen sich auf diesem Gebiet eine attraktive Kombination von therapeutischen Fortschritt und Vermarktungserfolg.

Nicht selbst entwickelt, sondern einlizenziert

Bekanntheit hat im Forschungsbereich der Onkologie etwa das Münchener Unternehmen Wilex erlangt, dem es als erstem deutschen Biotechnologieunternehmen gelungen ist, mit „Rencarex“ einen eigenen Wirkstoff gegen den Krebs durch die ersten beiden Phasen der klinischen Entwicklung bis in hin zur dritten, der letzten und entscheidenden Phase zu bringen. Den Antikörper hat jedoch Wilex nicht selbst entwickelt, sondern 1999 vom amerikanischen Unternehmen Centocor einlizenziert.

Für rund die Hälfte der Wirkstoffe, die einer möglichen Vermarktung schon näher gekommen sind, sind solche Einlizenzierungen die Regel. In den früheren Phasen der klinischen Entwicklung und besonders in der sogenannten Präklinik haben inzwischen aber von deutschen Biotechnologieunternehmen selbst entwickelte Wirkstoffe einen erheblich höheren Anteil als die Einlizenzierungen.

Text: F.A.Z. vom 1. April 2006
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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