Honorare um 9 Prozent gesteigert

Mehr Geld für Deutschlands Kassenärzte

Von Andreas Mihm

Deutsche Ärzte verdienen doch ganz gut

Deutsche Ärzte verdienen doch ganz gut

27. Juli 2009 Deutschlands Kassenärzte haben ihre Honorare im ersten Quartal um durchschnittlich 9 Prozent gesteigert. Hausärzte haben ihre Umsätze mit Kassenpatienten im Vergleich zum Vorjahresquartal um zehn Prozent, Fachärzte um neun Prozent ausgeweitet. Das geht aus Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht werden sollen. Der erste Vorsitzende der KBV, Köhler, sagte am Wochenende auf dem 14. Deutschen Fachärztetag in München, in den ersten drei Monaten sei das Honorarvolumen um 470 Millionen Euro ausgeweitet worden.

Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergibt das einen Zuwachs von knapp zwei Milliarden Euro. Bereits im Vorjahr hätten die 150.000 Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten ihre Umsätze mit Kassenpatienten um 1,7 Milliarden Euro gesteigert. Gemessen an 2007, dem Basisjahr für die vielfach kritisierte Honorarreform, sei das Honorarvolumen damit „an die vier Milliarden Euro“ gestiegen. „Daran werden Sie diese Vergütungsreform messen müssen“, sagte Köhler.

Gesundheitsministerin Schmidt (SPD) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung hatten die Ärzte bereits in der vergangen Woche, nachdem erste Länderzahlen über die Honorarentwicklung bekannt geworden waren, aufgerufen, ihre Proteste einzustellen.

Eine milliardenschwere Umverteilung

Die von der Bundesregierung beschlossene, aber von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) umgesetzte Vergütungsreform hatte in den vergangenen Monaten zu herber Kritik und massiven öffentlichen Protesten der Ärzteschaft geführt. Vielfach waren dort Honorareinbrüche prophezeit und Einkommensverluste befürchtet worden. Denn die Reform änderte nicht nur die Bewertungsmaßstäbe für die ärztliche Arbeit, sondern fiel auch zusammen mit den Folgen der Gesundheitsreform, die zu einer milliardenschweren Umverteilung von Kassenbeiträgen und Ärztehonoraren von West nach Ost und Süd nach Nord einherging.

Entsprechend fällt die Verteilung der Zuwachsraten nach Ländern aus. Ärzte in Berlin bekommen fast ein Drittel mehr als im Vorjahr, in den neuen Bundesländern liegen die Zuwachsraten alle im zweistelligen Bereich. Die westlichen KV-Bezirke müssen sich dagegen mit niedrigeren Zuwächsen bescheiden: 3,5 Prozent in Bayern, 8,3 Prozent in Hessen. Die Kassenärzte in Baden-Württemberg bekommen sogar weniger als im Vorjahr, allenfalls werde es eine „schwarze Null“, wie Köhler sich ausdrückte.

Erhebliche Differenzen innerhalb der einzelnen Arztgruppen

Nach Arztgruppen betrachtet haben lediglich die Orthopäden mit 4 Prozent eine Einbuße zu gegenwärtigen; alle anderen verzeichnen Zuwächse bis zu 21 Prozent wie bei den Kardiologen. Allerdings verbergen die Durchschnittszahlen erhebliche Differenzen innerhalb der einzelnen Arztgruppen. So bekommen zwar zwei Drittel der Haus- und Fachärzte mehr Geld überwiesen, ein Drittel dagegen weniger als im Vorjahr. Dabei haben interne Verrechnungsmechanismen die größten Verluste bereits begrenzt:

Nach einer Absprache mit der Bundesregierung und den Kassen werden die Honorare so berechnet, dass keine Arztgruppe in einem KV-Bezirk einen Verlust erleiden muss, der größer als fünf Prozent wäre. Finanziert wird dies - zumindest für das jetzt abgerechnete erste Quartal - teils durch Extragelder der Kassen und aus KV-Rücklagen. Köhler suchte aber auch die Zahl dieser Verlierer zu relativieren: „Rechnen wir die heraus, die bis zu fünf Prozent an Umsatz eingebüßt haben - und dies war auch in der Vergangenheit die übliche Streubreite - dann sind es 21 Prozent, die fünf und mehr Prozent verloren haben.“

Beleg für den Erfolg der Honorarreform

Der KBV-Vorsitzende wertete die Zahlen als Beleg für den Erfolg der Honorarreform. Wären die Ärztehonorare in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise noch an das frühere System der Kopfpauschalen und die Entwicklung der Löhne gekoppelt, dann hätten sich die Einkünfte „flächendeckend negativ“ entwickelt. Dennoch sei die Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung nicht behoben. „Von der 30-prozentigen Unterfinanzierung haben wir erst zehn Prozent abgebaut.“

Bayerns Gesundheitsminister Söder (CSU) hatte zuvor auf dem Fachärztetag seine Kritik an der Gesundheitsreform bekräftigt und die Abwicklung des Gesundheitsfonds, eine stärkere Regionalisierung der Krankenversicherung sowie die Umstellung der Arzthonorare auf eine „freie Gebührenordnung“ verlangt. Zur Finanzierung der Leistungen müssten künftig mehr Steuergelder bereitgestellt werden - derzeit sind es 11,2 Milliarden von 167 Milliarden Euro. Aber es gebe auch Einsparpotentiale, wie er gerade bei den Verhandlungen über Impfstoffe gegen die Schweinegrippe erfahren habe. Wenn man über Einsparungen diskutiere, „dann nicht bei den Ärzten, sondern bei der Pharmaindustrie“.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., ZB

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