25. Januar 2008 Die Wirtschaft in Rumänien ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. 2006 betrug der Zuwachs in Rumänien 7,7 Prozent, 2007 waren es laut offiziellen Schätzungen mit 5,8 Prozent etwas weniger. Daran dürfte sich in den kommenden beiden Jahren nichts ändern. Die Unterschiede zu den westeuropäischen Hochlohnländern sind jedoch noch groß. Nach amtlichen Angaben betrug der rumänische Durchschnittslohn im Sommer vorigen Jahres 433 Euro; die höchsten Löhne zahlten Finanzdienstleister (1157 Euro), die Luftfahrt (1040) und die Energieindustrie (676), die niedrigsten die chemische Industrie (245), das Gastgewerbe (263) und die Textilindustrie (283). Der Ausbildungsstand der jungen Arbeitskräfte wird durchweg als gut bis ausgezeichnet bewertet. Englischkenntnisse gehören zum Standard, viele Rumänien sprechen auch Deutsch, Französisch oder Italienisch. Die Arbeitsverfassung gehört zu den liberalsten in der EU, die wöchentliche Arbeitszeit darf aufs Jahr gerechnet bis zu 48 Stunden betragen.
Für manche Investitionsentscheidung ist zwar immer noch das geringe Lohnniveau ausschlaggebend, aber im Niedriglohnsektor ist Rumänien längst nicht mehr die erste Wahl. In der Textil- und Schuhindustrie, die lange Zeit ausländische Investoren anzog und immer noch rund ein Drittel der rumänischen Exporte in den EU-Raum stellt, sind die Löhne mittlerweile so stark gestiegen, dass viele Betriebe in die Ukraine oder nach Fernost abwandern. Sonderkonditionen für ausländische Investoren sind mit dem EU-Beitritt weggefallen. Für Unternehmensgewinne und Privateinkommen gilt jedoch nach wie vor ein Steuersatz von nur 16 Prozent. Zu den größten Problemen des Landes zählen Machtmissbrauch, Korruption, Missstände in Justiz und Verwaltung.
Viele Fördermittel aus Brüssel
Seit dem EU-Beitritt am 1. Januar 2007 profitiert Rumänien von erheblichen Finanzmitteln zur Modernisierung seiner Infrastruktur. 2008 dürfte die Regierung in Bukarest aus EU-Töpfen rund drei Milliarden Euro erhalten und auch an Unternehmen weiterreichen. Rumänien gehört zu den attraktivsten Ländern für ausländische Direktinvestitionen, die Ende 2006 auf insgesamt 34,5 Milliarden Euro angewachsen waren. 72 Prozent der Exporte erfolgen bereits durch ausländische Unternehmen. Die besten Wachstumschancen werden neben der Bauwirtschaft der Kommunikationsbranche gegeben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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