Rente

Trotz Zusatzvorsorge sinken die Alterseinkünfte

Von Kerstin Schwenn

Vor allem Männer müssen mit weniger Geld auskommen als früher

Vor allem Männer müssen mit weniger Geld auskommen als früher

21. November 2007 Trotz zusätzlicher Vorsorge müssen sich viele Arbeitnehmer auf ein niedrigeres Rentenniveau einstellen als es die heutige Rentner bekommen. Dies geht aus der Studie „Altersvorsorge in Deutschland 2005“ (Avid) hervor, die im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund und des Bundessozialministeriums erstellt worden ist. Darin werden Höhe und Quelle der Renteneinkünfte derer untersucht, die in den nächsten 5 bis 25 Jahren in Ruhestand gehen werden.

Wie die Avid-Studie weier belegt, droht Millionen Arbeitnehmern – vor allem westdeutschen Frauen und ostdeutschen Männern – im Alter ein Rückschritt beim Lebensstandard oder gar Altersarmut. Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, sagte bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Würzburg: „Wenn in Zukunft das Rentenniveau aufrecht erhalten werden soll, muss mehr privat vorgesorgt werden.“ Auch die Kernaussage des Rentenversicherungsberichts 2007, den der scheidende Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) am Mittwoch im Kabinett vorlegte, lautet, zwar bleibe die gesetzliche Rentenversicherung die zentrale Säule der Alterssicherung. „Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern macht es jedoch für jeden einzelnen erforderlich, stärker als in der Vergangenheit zusätzliche Altersvorsorge zu betreiben, um den Lebensstandard des Erwerbslebens auch im Alter fortführen zu können.“

Auch mit privater Vorsorge weniger in der Tasche

Nach der Avid-Untersuchung vertrauen nur noch 15 Prozent der westdeutschen Männer Ende vierzig nur auf die gesetzliche Rente; unter den ostdeutschen Männern haben indessen 27 Prozent keine zusätzliche Vorsorge. Unter den westdeutschen Frauen sind 24 Prozent allein auf die Anwartschaften auf die gesetzliche Rente angewiesen, unter den ostdeutschen 18 Prozent. Doch auch mit privater Vorsorge hätten sehr viele Arbeitnehmer, vor allem Männer, künftig weniger als ihre Kollegen, die jetzt in Ruhestand gingen, heißt es in der Studie. So lägen die Alterseinkünfte westdeutscher Männer Ende vierzig auch mit privater und betrieblicher Vorsorge künftig rund 6 Prozent niedriger als heute. Das Alterseinkommen aus allen drei Säulen sinke, nach heutigem Geldwert gerechnet, von durchschnittlich 1700 auf 1596 Euro.

Ostdeutsche Männer müssten mit einer Senkung um 2 Prozent von 1073 auf 1052 Euro rechnen. Etwas anders sei die Lage bei den Frauen, da die Erwerbsquote der Jüngeren deutlich höher liege als derzeit. Bei westdeutschen Frauen stiegen die durchschnittlichen Alterseinkünfte um rund 8 Prozent von 788 auf 850 Euro, die der ostdeutschen Frauen von 898 auf 911 Euro. Die gesetzliche Rente verliert dabei vor allem in den neuen Ländern an Gewicht: Bei einem Sechstel der Männer und einem Siebtel der Frauen im Osten sinkt der Wert der gesetzlichen Renten wegen der hohen Arbeitslosigkeit.

Beitragssatz stabil bis 2010

Nach Münteferings neuem Rentenbericht bleibt der Beitragssatz bis 2010 bei 19,9 Prozent stabil. 2011 könnte er auf 19,4 Prozent sinken, wenn die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung den oberen Zielwert von eineinhalb Monatsausgaben erreicht (F.A.Z. vom 21. November). Die Rücklage soll, eine gute Konjunkturentwicklung vorausgesetzt, von derzeit 11,5 bis zum Jahr 2011 auf 25,8 Milliarden Euro steigen.

Nach den Modellrechnungen steigen die Renten unter Berücksichtigung der modifizierten Schutzklausel, nach der die unterbliebenen Rentendämpfungen der Jahre 2005 und 2006 von 2011 an mit Rentenerhöhungen verrechnet werden, bis 2021 um insgesamt rund 29 Prozent. Dies entspricht, wie es in dem Bericht heißt, einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 1,7 Prozent im Jahr. Das Rentenniveau vor Steuern sinkt von 51 Prozent im Jahr 2007 bis auf 46,1 Prozent 2021. Nach den gesetzlichen Vorgaben darf das Sicherungsniveau vor Steuern bis 2020 einen Wert von 46 Prozent und bis 2030 einen Wert von 43 Prozent nicht unterschreiten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: DIETER RÜCHEL - F.A.Z.

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