Arbeitsmarkt

Mitarbeitermangel wird zur Wachstumsbremse

Die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt macht die Suche nach Fachkräften schwierig und teuer. Und begrenzt das Wirtschaftswachstum. Eine neue Erhebung der F.A.Z. zeigt: Es wird mehr eingestellt als entlassen. Von Georg Giersberg.

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Oktober 2007 11:26

Sind die Anforderungen für Bewerber zu hoch?

Markus Kahl (Celica)

Die Unternehmen beklagen sich darüber, kein passendes Personal zu finden. Es gibt Bewerber, aber keiner entspricht den hohen Anforderungen. Woran liegt es also? Sind die Bewerber wirklich so schlecht und entsprechend schlecht ausgebildet oder sind es vielleicht auch die Unternehmen, die exorbitante Anforderungen stellen. Warum nimmt man z.B. nicht auch mal einen Bewerber, der noch nicht zu 100% das Profil erfüllt und bildet ihn intern entsprechend weiter? Davon würden doch beide Seiten profitieren. Aber scheinbar geht es den Unternehmen immer noch nicht schlecht genug, daß sie sich den Luxus leisten können, nur auf die Rosinen zu warten, anstatt lernwilligen Bewerbern auch eine Chance zu geben um sich entsprechend einzuarbeiten. Eine sehr traurige Entwicklung.

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09. Oktober 2007 10:21

Bloß nicht nach rechts und links sehen!

Wolfgang Reinhart (ciceron)

Ich kann mich dann vorherigen Kommentaren nur anschließen. Offensichtlich will dieser Personaler eher in Konkurs gehen als jemanden einstellen, der nicht 1000%ig seinen Ansprüchen genügt. Gesucht wird vermutlich der oder die 25jährige mit Bestnoten, zehn Jahre exakt passender Berufserfahrung, muttersprachlichen Englisch-, Chinesisch- und Französichkenntnissen und perfekter sozialer Kompetenz bei einer 80 h/Woche auf 400 € Basis.

Gott sie Dank ticken nicht alle Personalverantwortlichen so, sonst wäre ich wohl ein Sozialfall geworden. Dabei kann es sich für ein Unternehmen auch lohnen, nicht mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen, sondern auch einmal bpsw. einem der 60 angeblich alle unqualifizierten Leute eine Chance zu geben. Wer weiß: wenn der vielleicht nicht im gleichen Fahrwasser tickt wie alle anderen in der Firma, kann der vielleicht auch sogar ein neues Geschäftsfeld aufbauen! Und wenn es nicht klappt: Wozu gibt es sechs Monate Probezeit? Die dürfte kaum teurer sein als ein Headhunter.

Deswegen liebe Personaler: beherzigt einmal selbst das, was ihr anderen - insbesondere Arbeitslosen - fortwährend predigt: mehr Flexibilität und Mut zum Risiko! Sonst kann man euer wehleidiges Gejammer nicht mehr ernst nehmen.

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09. Oktober 2007 10:01

@ Karl-Heinz Andresen

Martin Kronbichler (marrtin)

"Je höher die Anforderungen, um so qualifizierter muß der Bewerber sein. Dann aber hat er die Auswahl. Nicht allein bei den Unternehmen.

Im Wettbewerb stehen neben Regionen auch Länder und vor allem Steuer- und Verordnungssysteme. Und da sieht Deutschland ganz schlecht aus. Die Eliten werden in die Schweiz, nach Luxemburg, England, Schweden, USA, u.s.w. abgeworben. Und sie sind in großer Zahl schon weg."

Treffender kann man die aktuelle Sachlage kaum ausdrücken. Wobei ich nicht von "Eliten" sprechen würde, sondern von produktiven Arbeitskräften, kreativen Jungunternehmern, innovativen Wissenschaftlern etc. - also einer sehr breiten Schicht von Menschen, die im rohstoffarmen Deutschland auch die einzige Wohlstandsquelle sind.

Und wie Sie richtig sagen, ist dieses Hauptproblem der fehlenden Attraktivität noch gar nicht in der Gesellschaft angekommen. Wir diskutieren halt lieber über Zuwanderungsregeln ("rechtes" Spektrum) oder ignorieren den Mangel ganz ("links"). Kein Wunder, dass wir so ziemlich überall an den allerletzten Stellen stehen. Außer dem Export von Humankapital. Da sind wir traurigerweise Spitze.

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09. Oktober 2007 00:04

Unternehmen können nur eins: jammern!

Konstantin Schneider (bundesboy)

Die Wirtschaft hätte jahrelang Zeit gehabt, den Menschen die richtigen Jobperspektiven aufzuzeigen, aber schon bei der Lehrstellenvergabe wurde gern das Hohelied der schlecht qualifizierten Schulabgänger gesungen.

Jeder Bundesligaverein mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten leistet sich mittlerweile eine Jugendabteilung, in der gescheite Nachwuchsarbeit geleistet wird. Dieses Modell sollten auch ganz normale Wirtschaftsunternehmen einführen. Aber offenbar steht den Entscheidern eher der Sinn nach Jammern und Beschäftigung von Headhuntern, denn so hat man ja dann sogar gleichzeitg dem Konkurrenten geschadet und darauf kommt es doch an, oder?

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08. Oktober 2007 23:33

die eierlegende Wollmilchsau....

Michael Meier (never1)

..wurde wohl gesucht bei 60 Bewerbern, ohne einen davon zumindest mittelfristig aufbauen zu können. Kosten darf er sicher auch nichts. Angesichts gigantischer und m.E. unmoralischer Lohnsteigerungen von angestellten Managern und Vorständen habe ich jetzt vollstes Verständnis, wenn nachgefragte Arbeitnehmer jetzt getreu der jahrelang gepredigten Flexibilität nach unten diese jetzt auch einmal in die höhere Gehaltsregionen praktizieren. Sonst werden die Einkommens- und Vermögensunterschiede einem lamgfristigen sozialem Frieden nämlich noch abträglicher.

Mehdorn +50%, Gdl +10% ist der arbeitenden Allgemeinheit halt schwer zu vermitteln.

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08. Oktober 2007 22:52

Es gibt keinen qualifizierten Nachwuchs mehr?

Gerhard Finsterbusch (bahlsen)

kein Wunder wenn in den letzten Jahren völlig überqualifizierte Akademiker für den letzten Buchhalter Job billig zu haben waren.

Meines Erachtens haben einige Personaler die Relationen vollkommen aus den Augen verloren. Sie kennen nur den Sumpf aus dem sie selber gestiegen sind.

Die Unfähigkeit jemandem etwas zuzutrauen mit dessem Werdegang man nichts anzufangen weiss, weil man sich selbst noch nie mit Alternativen beschäftigt hat, gehört bestraft und zwar hart. Es sind schon ganz andere an ihrer Arroganz zugrunde gegangen.

Diese Gesellschaft leistet es sich einfach, zu viele Menschen auszuschliessen. Man arrangiert sich sogar lieber mit Headhuntern oder letzten Endes mit Sozialplänen beim Stellenabbau.
Wie perfide dieses System funkioniert verdeutlicht für mich das Ausfüllen von Hartz IV Bögen in den Schulen derer, mit denen man eh schon nichts mehr anzufangen weiss...

...und diese ganzen aufgeblasenen Windbeutel welche in 4 Jahren 150000 € ! an Lehrgängen erhalten, glauben allein schon deswegen von ihren Schultern würde das Land getragen werden.

Wie stark muss man am Baum schütteln, damit die obersten faulen Pflaumen herabfallen?!

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08. Oktober 2007 20:25

Dieser Beitrag sei Beck und Münte... zwecks......

wolf haupricht (emilgilels)

....Lektüre bestens empfohlen. M.E. gibt er Münte...... Recht, wenn er auf eine zielgerichtete qualifizierte Aus-und Weiterbildung von Arbeitslosen abhebt.
Hier wäre doch bei 1,6 Mio offenen Stellen eine Job-Börse bei den AA angezeigt, die sich in kürzester Zeit lohnt und effizient wirken könnte, statt einem Headhunter für die Arbeitsebene 20.000,00 € und mehr nach zu werfen.
Es hat den Anschein, dass noch viel zu tun ist, um die Hängematten zu entleeren.
Herr Beck, hier könnten Sie sich verdient machen.!!!!!

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08. Oktober 2007 19:59

Es fehlt an allem, allen voran Mut.

Henriette Kaschulke (Wissibesser)

Die Leute nicht einzustellen, weil sie nicht die Qualifikation mitbringen? Die im schwäbischen Beispiel angegebenen Sachverhalte zeigen vor allem eins, die Firma schliesst aus, dass an sich qualifizierte Fachkräfte sich nie in neue Sachverhalte einlesen/arbeiten werden. Bravo. Schön wäre in diesem Fall, dass der Markt das korregiert: Pleite wegen Mutlosigkeit!
Kurz, was den Entscheidern in der deutschen Wirtschaft fehlt sind vor allem Mut, Schneid und Fantasie.

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08. Oktober 2007 19:39

Je höher die Anforderungen,

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)


um so qualifizierter muß der Bewerber sein. Dann aber hat er die Auswahl. Nicht allein bei den Unternehmen.

Im Wettbewerb stehen neben Regionen auch Länder und vor allem Steuer- und Verordnungssysteme. Und da sieht Deutschland ganz schlecht aus. Die Eliten werden in die Schweiz, nach Luxemburg, England, Schweden, USA, u.s.w. abgeworben. Und sie sind in großer Zahl schon weg.

Wer es sich leisten kann und nicht unbedingt arbeiten muß, läßt es und bleibt ( noch ) im Lande.

Unverständlich ist die Klage deswegen, weil all das längst vorauszusehen war - seit Jahren schon. Also werden die Unternehmen zunehmend dorthin auslagern, wo qualifizierte Leute bereit sind, leben zu wollen - s.o.

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