Bafög, Rente, Kindergeld

Was tut der Staat für uns?

Der Deutsche Bundestag hat vor Weihnachten erhöht: das Bafög für Studenten, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitnehmer und vieles mehr. Das klingt gut, wenn man die vielen Schlechterstellungen gerade für Studenten übersieht. Von Jürgen Kaube

Lesermeinungen zum Beitrag

25. November 2007 18:23

Staat macht arm!

Dominik Hennig (DDHennig)

Ein Auszug aus "Die Therapie der Gesellschaft" von Stefan Blankertz:

157.

Opfer oder Täter? – Manche Liberale meinen, die „Besserverdienenden“ bräuchten Schutz vor der Ausbeutung durch den Umverteilungsstaat. Es gibt dagegen soziologisch gesehen keinen Zweifel, daß die Mächtigen im Staat darum „mächtig“ heißen, weil sie es vermögen, einen großen Anteil an den finanziellen und politischen Ressourcen des Landes auf sich zu vereinigen. Egal, wie die Mächtigen z.B. den Spitzensteuersatz gestalten, sie werden in der Endabrechnung ihren Schnitt machen. Naiv wäre es, etwas anderes anzunehmen. Wer sollte glauben, daß man dadurch reich und mächtig wird, indem man alles, was man hat, freizügig weggibt?

158.

Cry for me, Argentinia. – Nein, die Opfer des Sozialstaates sind nicht die vielzitierten Besserverdienenden. Geschichtlich gesehen haben die Besserverdienenden den Sozialstaat geschaffen, und heute verteidigen sie ihn, aus einem ganz einfachen Grund: Der Sozialstaat ist ein Instrument der herrschenden Klasse, um sich auf Kosten der weniger einflußreichen Mitmenschen zu bereichern und gleichzeitig das Mäntelchen der Nächstenliebe umzuhängen.

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23. November 2007 15:31

Ich kann mich nicht erinnern!

Berthold Grabe (BGrabe)

Solange ich Politik verfolge, gab und gibt es in Deutschland immer weniger Sozialleistungen bei steigenden Abgaben. Es wurden lediglich im öffentlichen Sektor oder öffentlich finanzierten Sektor Arbeitsplätze geschaffen, und das weitgehend ohne Qualitätskontrollen. Grob gesagt ist das der Zustand des deutschen Sozialstaates.
Sozialpolitik erschöpft sich weitgehend darin, "Arbeitplätze zu schaffen", aber leider keine Produktivität, die Arbeitsplätze benötigt.
Das ist natürlich auf Dauer nur durch steigenden Staatsanteil zu finanzieren, weil bei immer weniger Produktivität, immer mehr "Dienstleister" finanziert werden müssen, die per Gesetz entweder privilegiert werden oder zwangsweise in Anspruch genommen werden müssen.
Als Folge davon erfüllt formal der Staat weiterhin seine Aufgaben, wegen der Verteuerung durch diese Methode jedoch sind viele Angebote unterfinanziert oder schlecht ausgestattet und müssen auch noch durch zusätzliche Gebühren (z.B. Studiengebühren, Eigenanteil der Lehrmittelfreiheit, Anrechnungen von Drittmitteln bei in Anspruchnahme von Sozialleistungen, Praxisgebühr, Autobahnmaut, Müllgebühren (grüner Punkt), Strompreise etc.) mitfinanziert werden, was man eine doppelte Steuererhöhung nennen kann.

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23. November 2007 13:39

@ Herrn Hanf

Sonja Garcia Burgos (apfelsine)

Sie haben den Stoff unterschlagen, der nicht nur durch Kürzung der Studiendauer, sondern durch den besonders sinnfreien Versuch der Angleichung an internationale Abschlüsse wie Master und Bachelor zwangsläufig auf breiter Fläche unter den Tisch fällt.
Stellt man ein 6-wöchiges Praktikum einem ehemals Praktikums-Semester gegenüber - wie vereinzelt nach der Umstellung geschehen -
hat die neue Praktikums-Regelung allenfalls Schnuppercharakter, der aber keinen nennenswerten Gewinn an Erfahrung erwarten lässt.

In der Summe hat das Studium in der Summe bedenklich an Qualität verloren.
Tiefergehende Grundlagen fallen oftmals unter den Tisch.
Das kommt davon, wenn man das Studium verschult und keinen blassen Schimmer hat, was "Studium" eigentlich bedeutet.

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23. November 2007 13:33

Was "Wohlfahrtstaat" heute noch bedeutet

Annette Moussa (oerschen)

Der deutsche Wohlfahrtsstaat ist seit langem nicht mehr aktiv, seitdem die höchste Bemühung dem Haushaltsausgleich gilt. Die Studiengebühren werden immer noch vom Verfassungsgericht geprüft, vor WOchen hat eine Marburger Studentin die Klage gegen die Studiengebühren gewonnen und bekommt sie zurückerstattet. Dass das Bafög erhöht wurde, ist seit langer Zeit überfällig, vielleicht wurde es sogar benutzt, um die Diätenerhöhung der Abgeordneten in eine Art Gesamterhöhung zu betten, also zu sagen, dass alle Merh bekommen, nicht nur die Abgeordneten.

ImMoment und wahrscheinlich auch in ferner Zukunft können wir uns nicht auf den Wohlfahrtsstaat verlassen, denn soziale Projekte werden nur zur Verschleierung oder zur Imageverbesserung oder Wahlversprechen benutzt. Dies sei ein Appell an unsere Politiker: Wer sozial sein will, sollte nicht nur so tun als ob, sondern sich wirklich damit auseinandersetzten, denn sie machen ihre Politik für die Menschen in diesem Staat und nicht für die Titelseite einer Zeitung.

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23. November 2007 11:25

Unschlüssig

Fridolin Hanf (frihan)

Irgendwie kann ich der Logik hier nicht ganz folgen.
Ein Studium soll ökonoisch weniger wert sein, wenn man kürzer studiert und im Anschluss eine Praktikumsphase absolviert?
Haben Sie über das Thema überhaupt nachgedacht oder plappern Sie nur Parolen nach?
1. Dauern die Studien in Deutschland viel zu lange. Das liegt u.a. an den unflexiblen Klausurplanungen (in vielen Studiengängen kann man eine nicht bestandene Klausur erst 6 Monate später wiederholen!!; es gibt Klausurwochen, in denen man bis zu 10 Klausuren gleichzeitig stemmen soll usw. )
2. Praktika bereiten aufs Arbeitsleben vor, was die theoretischen Studien nicht mal mehr an der FH noch leisten
3. Praktika sind im Allgemeinen bezahlt - man verdient also früher Geld und erwirbt Rentenanrpüche
4. Studieren in Deutschland zuviele junge Menschen, die ins Studium getrieben werden, weil sie keinen konkreten Plan haben. Durch die Gebühren werden die Universitäten auch von den Dauerstudenten entlastet.
5. Erinnere ich mich nur zu gut an schlecht bestückte Bibliotheken, eine Fachzeitschrift auf 2000 Studenten war keine Seltenheit

Ich könnte diese Liste noch lange Zeit fortführen ...

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