Konjunktur / Arbeitsmarkt

2006 bringt kaum Jobs

Konjunktur / Arbeitsmarkt: 2006 bringt kaum Jobs
25. Dezember 2005 

Deutschland steht 2006 vor einem respektablen Wirtschaftsaufschwung, der für eine spürbare Entlastung am Arbeitsmarkt aber nicht reichen dürfte. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bei namhaften Ökonomen.

Besonders optimistisch gibt sich Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts, der 2006 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent für möglich hält. Schon seit dem Sommer 2005 gebe es einen Aufschwung, der stärker sei als alles in den vergangenen fünf Jahren, sagt Sinn: „Nach dem Exportwachstum hat sich auch die Binnennachfrage belebt.“ Grund seien vor allem steigende Investitionen der Unternehmen.

„Ersatzleistungen machen den Arbeitsmarkt kaputt“

Konjunktur / Arbeitsmarkt: 2006 bringt kaum Jobs

Sinn erwartet, daß die Arbeitslosenzahl im nächsten Jahr um 100.000 zurückgehen wird. Der Löwenanteil davon seien Ein-Euro-Jobs. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werde zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder leicht steigen.

Eine echte Trendwende am Arbeitsmarkt sieht Sinn jedoch nicht. Er fordert mehr Flexibilisierung im Tarifrecht durch gesetzliche Öffnungsklauseln - denen er in dieser Legislaturperiode aber keine Chance einräumt. Außerdem müsse sich der Sozialstaat ändern: „Die staatlichen Ersatzleistungen machen den Arbeitsmarkt kaputt.“

„Kein Grund, die Korken knallen zu lassen“

Auch Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates, glaubt an ein höheres Wachstum als das von den Wirtschaftsweisen im Herbst prognostizierte eine Prozent. Mit Vorhersagen um etwa 1,5 Prozent könne er sich anfreunden. „Das ist nicht schlecht. Aber das ist kein Grund, die Champagnerkorken knallen zu lassen.“ Man solle den Aufschwung aber auch nicht kleinreden, warnte Bofinger.

„Deutlich bessere Voraussetzungen“ für die Konjunktur konstatiert auch Hermann Remsperger, Vorstandsmitglied und Chef-Volkswirt der Deutschen Bundesbank. Er nennt als positive Einflüsse die weiter günstigen Aussichten für den Export, niedrige Zinsen, ein Ende des Niedergangs der Bauindustrie und eine leichte Besserung am Arbeitsmarkt.

Text: rike./gb., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.12.2005, Nr. 51 / Seite 1
Bildmaterial: FAZ.NET

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