Als leidenschaftlicher Europäer bin ich immer für den Euro gewesen. Dass der, kurz nach seiner Einführung, zum Teuro wurde, ist Tatsache. Wer seit DM-Zeiten bis heute täglich Waren des täglichen Gebrauchs einkauft, weiss, dass der Euro grossflächig für eine oftmals 100%ige und höhere Preissteigerung herhalten musste, während die Gehälter korrekt umgerechnet wurden. Die kürzlichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie haben damit nichts zu tun. Die kommen noch oben drauf. Vielfach wurde tatsächlich nur die Währungsbezeichnung ausgetauscht, die Zahlen blieben stehen. Händler wissen das auch. Ein ganz banales aber bezeichnendes Beispiel für unzählige andere: Die Chefin eines Schusterladens hat mir bestätigt, dass Schnürsenkel sich mit dem Euro im Preis praktisch verdoppelt haben. Man scheue aber vor billigerem Verkauf zurück, weil man befürchten müsse, den Artikel vom Hersteller kurzerhand entzogen zu bekommen. Weltfremd, lächerlich oder bestochen?, wenn sich Journalisten in den Medien (nicht in der FAZ) immer wieder über mangelnde Kauf"lust" der Bürger wundern. Die würden sich noch viel mehr wundern, wenn plötzlich die Kaufkraft der DM wieder da wäre. Trotzdem müssen wir jetzt Ja sagen zum Euro. Europas wegen.
Es ist doch eher komisch, daß bei 66 2/3 % Mehrheit die wichtigsten Gesetze geändert werden können und hier beim Euro sind ein Drittel der Menschen einen Artikel wert. Wer einmal im europäischen Ausland gearbeitet hat, wird sicherlich keine DM (und die vielen anderen Währungen) zurück haben wollen, bei deren Umtausch sich einzig die Banken gefreut haben und dicke Umtauschgebühren eingestrichen haben. Weit mehr als 70 % unseres Aussenhandels gehen in €-Länder und zwar ohne Angst vor der Änderung der Währungsparitäten. Das bringt doch die Sicherheit bei Arbeitsplätzen.
Man kann natürlich sagen, die Menschen seien einfältig, weil sie noch in D-Mark rechneten. Man könnte aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die hochgelobten Vorteile nicht so stark wahrgenommen werden, wie die negativen Veränderungen, die zumindest zeitgleich mit dem Euro kamen. Vielleicht, weil die Vorteile für die Menschen nicht so stark wiegen wie die Nachteile? Die Deutschen wurden nie zum Euro befragt. Und ich behaupte: Hätte man es per Volksabstimmung getan, wäre die Einführung nicht sicher gewesen. Man sollte sich also nun mit dem Vorwurf zurückhalten, die Menschen seien Nostalgiker, weil sie ihn immer noch nicht wollen. Um der D-Mark den Rang abzulaufen, sollte der Euro sich nicht bloß 7 Jahre, sondern bitteschön auch rund 50 Jahre bewähren. Dann sprechen wir weiter. Negative Aspekte der Währungsunion sind erfreulicherweise ausgeblieben- bisher. Der normale Bürger hat allein aus der ewigen Umrechnerei aber einen riesigen Schaden, nämlich Verunsicherung. Die Umrechnung und Unsicherheit bei Reisen in Urlaubsländer mit anderer Währung ist mit dem Euro in den Alltag im Inland importiert worden. Aber was erwartet man von einem Land, das freiwillig die D-Mark abschafft, und seine Verfassung zugunsten der EU aufgibt?
meine oma pflegte zu sagen, daß nach einer währungsumstellung das geld immer nur noch die hälfte wert sei. das deckt sich mit meiner erfahrung. und deshalb würde ich jetzt auch lieber beim euro bleiben, als noch eine halbierung zu erleben. wenn ich mal opa bin, werde ich meinen enkeln empfehlen, vor einer währungsumstellung richtig reich zu sein oder wenigstens verschuldet. übrigens war es in österreich NACH umstellung auf den euro möglich, daß die preise - für ich meine ein jahr - in gleicher schriftgröße neben dem euro-preis ausgezeichnet werden mußten. wessen lobbyisten das in deutschland verhindert haben, mag jeder selbst erraten.