26. November 2007 In der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Beitragssätze im kommenden Jahr voraussichtlich stabil bleiben. Das lässt sich aus den Abschlüssen des dritten Quartals folgern, das die gesetzlichen Kassen insgesamt wohl mit einem Überschuss von mehr als einer halben Milliarde Euro abgeschlossen haben. Die Verbände der Orts- und Ersatzkrankenkassen erklärten, sie rechneten im Schnitt mit unveränderten Sätzen. Derzeit liegen die Durchschnittsbeiträge für die 70 Millionen Versicherten auf einem Rekordniveau von 14,8 Prozent des Monatseinkommens bis 3562,50 Euro, wovon Mitglieder 7,85 Punkte, Arbeitgeber oder Rentenkasse 6,95 Punkte tragen.
Nach neun Monaten weisen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) einen Überschuss von 611 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 49 Millionen Euro aus. Die Innungskassen haben ein kleines Minus von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet, die Zahlen der drittgrößten Kassenart, der Betriebskrankenkassen (BKK) stehen noch aus. Diese hatten im ersten Halbjahr allerdings ein Minus von 186 Millionen Euro ausgewiesen. Bei den Zahlen muss berücksichtigt werden, dass die AOK zu Jahresbeginn die Beiträge vergleichsweise stark angehoben hatten. Auch benötigen sie die Überschüsse, um ihre Verschuldung, wie verlangt, bis Ende kommenden Jahres abzubauen.
Beiträge sollen stabil bleiben
Zum Jahresende bestehen damit gute Chancen, wie vom Gesundheitsministerium erwartet, einen Überschuss in Vorjahreshöhe von gut 1,5 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Schließlich überweist der Finanzminister im letzten Jahresquartal noch 1,25 Milliarden Euro an die Kassen, zudem profitieren die von den beitragspflichtigen Weihnachtsgeldzahlungen. Zwar ist die Grundlohnsumme im Jahresverlauf nicht stark gestiegen, doch profitieren die Kassen von der guten Konjunktur durch Beiträge neuer sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Auf der Ausgabenseite schlagen sich überdurchschnittliche Steigerungen für Arzneimittel und die ambulante ärztliche Behandlung nieder, dagegen fallen die Zuwächse für den größten Kostenblock, die Krankenhausbehandlung, nach dem starken Plus im Vorjahr gering aus.
Für das nächste Jahr rechnen Fachleute mit höheren Arzneimittelausgaben, auch wegen neuer Impfstoffe. Wie die Sätze dann aussehen, werden die Kassen meist erst im Dezember beschließen. Bei den AOK hieß es, man rechne mit weiterhin stabilen Beitragssätzen. Auch die größte Ersatzkasse, die Barmer, die mit 200 Millionen Euro Plus im Jahr rechnet, will ihren Beitragssatz nicht erhöhen. Die Techniker Krankenkasse will eine Entscheidung im Dezember fällen. Sie weist für die ersten drei Quartale als einzige der großen Ersatzkassen ein Minus aus: 107 Millionen Euro. Die Kassen können für 2008 zum letzten Mal ihren Beitragssatz selbst festlegen. Im kommenden Oktober wird die Bundesregierung den Einheitssatz von 2009 an für alle Kassen festlegen.
Private Versicherer erhöhen die Preise
Die privaten Krankenversicherer werden im Januar ihr Beitragsniveau moderat anheben. Im Durchschnitt aller Tarife der rund 50 Gesellschaften werde die Anhebung in der Größenordnung von 2 bis 3 Prozent liegen, sagte ein Sprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherer. Ursache seien Kostensteigerungen im Gesundheitssystem und die zunehmende Langlebigkeit. In einzelnen Tarifen können die Preisveränderungen weit über oder unter dem Durchschnitt der Branche liegen.
(Von Stefan Ruhkamp)
Text: F.A.Z., 27.11.2007, Nr. 276 / Seite 13
Bildmaterial: dpa/dpaweb
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