Pharmabranche

Actavis hat die Merck-Generikasparte im Visier

26. Januar 2007 Der isländische Generikahersteller Actavis will für die Generikasparte des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck bieten.

Nach dem indischen Wettbewerber Ranbaxy hat sich damit bereits ein zweites Unternehmen der Branche aus der Deckung gewagt und Interesse angemeldet. „Wir haben drei Banken ausgewählt, die uns helfen, die Akquisition zu finanzieren“, sagte Actavis-Chef Robert Wessman auf einer Investorenkonferenz in der isländischen Hauptstadt Reykjavik.

Sollte Actavis den Zuschlag bekommen, würde der Konzern zu den Top-Firmen unter den Herstellern von Nachahmermedikamenten aufsteigen. “Mit einer erfolgreichen Übernahme des Merck-Geschäfts würden wir auf den dritten Platz vorstoßen“, sagte Wessman. Derzeit ist Actavis Experten zufolge die Nummer Sieben der Branche.

Actavis-Chef Wessman hatte bereits wiederholt gesagt, das Unternehmen halte Ausschau nach weiteren Zukäufen. Dabei hatte er auch den Bad Vilbeler Generikahersteller Stada als attraktiven Kandidaten bezeichnet. Actavis hatte zuletzt den kleineren US-Generikaspezialisten Abrika Pharmaceuticals übernommen.

Wert von vier Milliarden

Davor hatten sich die Isländer einen monatelangen Übernahmekampf mit dem US-Konzern Barr um die kroatische Pliva geliefert, aus dem Actavis aber als Verlierer hervorging. Der Bieterprozess bei Merck werde nicht so kompliziert sein wie bei Pliva, gab sich Actavis-Chef Wessman optimistisch.

Merck hatte kürzlich mitgeteilt, einen Verkauf des Generika-Geschäftes zu prüfen, dessen Wert in Branchenkreisen auf etwa vier Milliarden Euro taxiert wird. Eine Entscheidung, ob sich der Konzern von der Sparte trennt, soll im ersten Halbjahr fallen.

Mögliche Konkurrenz aus Frankreich und Israel

Branchenkreisen zufolge sind auch die Beteiligungsfirmen TPG, Permira und Cinven an einer Übernahme interessiert. Novartis-Chef Daniel Vasella hatte unlängst nur begrenztes Interesse signalisiert. Die Schweizer sind mit ihrer Generikatochter Sandoz weltweit die Nummer zwei der Generikabranche.

Analysten halten es für möglich, dass auch die französische Sanofi-Aventis und die israelische Teva das Geschäft auf dem Radar haben. Merck könnte mit einem Verkauf der Sparte seine wegen der Übernahme des Schweizer Biotechunternehmens Serono drastisch gestiegene Schuldenlast reduzieren.

Merck setzte im Geschäft mit Nachahmermedikamenten 2006 rund 1,82 Milliarden Euro um. Damit erwirtschaftete die Sparte mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes von 6,3 Milliarden Euro. Die Darmstädter sind derzeit die Nummer vier der Branche. Primus war zuletzt Teva vor Novartis und Barr Pharmaceuticals. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Merck-Aktie lag am Freitag mit 0,88 Prozent im Minus bei 89,03 Euro.



Text: Reuters
Bildmaterial: ddp

 
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