Von Norbert Kuls, New York
02. Juli 2008 Der ehemalige Vorstandschef der New Yorker Börse Nyse, Richard Grasso, hat einen mehr als vier Jahre dauernden Rechtsstreit um sein 188 Millionen Dollar schweres Gehalts- und Pensionspaket gewonnen. Ein Berufungsgericht hat am Dienstag die Anklagepunkte der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft gegen Grasso zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte Grasso Anfang 2004 auf Rückzahlung von 112 Millionen Dollar seines Gehaltes verklagt. Das Argument: Die New Yorker Börse besaß während Grassos Amtszeit gemeinnützigen Status. Geschäftsführer dieser Organisationen dürfen nach New Yorker Recht keine exzessive Entlohnung erhalten.
Allerdings wurde die Nyse 2006 zu einer börsennotierten und damit gewinnorientierten Gesellschaft. Nach Ansicht des Gerichts wurde der Klage der Staatsanwaltschaft damit die Grundlage entzogen. Denn die geforderte Rückzahlung wäre den Besitzern der neuen, gewinnorientierten Börse zugute gekommen und erfülle keinen öffentlichen Zweck mehr, argumentierte das Gericht.
Symbol übertriebener Vergütung von Managern
Der Fall Grasso hatte in der Finanzszene für großes Aufsehen gesorgt. Der 61 Jahre alte Manager war im September 2003 zurückgetreten, nachdem sein erstmals veröffentlichtes Gehalt einen öffentlichen Aufschrei ausgelöst hatte. Der glatzköpfige Börsenchef war während der Hausse der späten neunziger Jahre zum Gesicht der Börse geworden. Er war Chefverkäufer der Marke Nyse und umgab sich bei dem in alle Welt übertragenen Läuten der Schlußglocke gern mit Prominenz. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde er zum Helden stilisiert, weil die Börse nur wenige Tage nach den Anschlägen wieder aufmachte und zur Stabilisierung der globalen Finanzmärkte beitrug. Dafür erhielt Grasso allerdings einen Bonus von 5 Millionen Dollar.
Die Kontroverse um sein Gehalt machte ihn später zum Symbol übertriebener Vergütung von Managern. Dabei hatte sich gerade Grasso stets als Verfechter guter Unternehmensführung (Corporate Governance) gezeigt und überzogene Vorstandsgehälter gegeißelt.
Zudem war der Verwaltungsrat der Nyse, der Grassos Gehalt absegnete, weitgehend besetzt mit Vertretern von Wertpapierhäusern und Unternehmen, welche die Nyse als Börsenpolizist zu beaufsichtigen hatte. Noch dazu war der Vorsitzende des Gehaltsausschusses im Verwaltungsrat, Kenneth Langone, ein enger Freund Grassos. Auch Langone war verklagt worden, da er den Verwaltungsrat angeblich über den Umfang von Grassos Gehalt getäuscht haben soll. Auch dieser Vorwurf wurde jetzt vom Berufungsgericht abgewiesen. Grasso und Langone hatten stets ihre Unschuld beteuert und sich nie auf Vergleichsgespräche eingelassen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, REUTERS
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