Managergehälter

Bischof greift Konzerne an

Wolfgang Huber

Wolfgang Huber

23. Dezember 2006 Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wirft Teilen der deutschen Wirtschaft mangelndes gesellschaftliches Verantwortungsbewußtsein und Maßlosigkeit bei der Bezahlung von Managern vor.

Konzerne hätten häufig allein die Entwicklung des Aktienkurses im Blick, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, der „Berliner Zeitung“ (Samstagausgabe). Es gebe Großkonzerne, in denen das Management Gehälter beziehe, deren Höhe jedes normale Maß übersteige.

„Das sprengt jede Vorstellung von Gerechtigkeit“

Angesprochen auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte Huber: „Das Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland bei rund 40.000 Euro im Jahr. Wenn ein Manager 20 Millionen Euro verdient, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit.“ Zu Recht werde die Frage gestellt, wie viele Arbeitsplätze sich von einem solchen Gehalt sichern ließen. Faktoren wie die Zufriedenheit der Mitarbeiter oder der Kunden stünden zurück. Wer allein am Aktienkurs die Leistung von Managern messe, verliere seine Glaubwürdigkeit.

Zugleich unterstützte Huber Gewerkschaftsforderungen nach höheren Löhnen. „Man darf niemandem einen Vorwurf machen, der seinen gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum einfordert“, sagte der Bischof. Er wünsche sich allerdings, daß die Arbeitnehmervertreter in den Tarifrunden auch jene im Blick behalten, die ohne Arbeit sind.

Huber fordert mehr aktive Arbeitsmarktpolitik

In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung„ (Samstagausgabe) forderte Huber Staat und Wirtschaft zu einer aktiveren Arbeitsmarktpolitik auf als bisher. Der derzeitige Aufschwung müsse wesentlich stärker dafür genutzt werden, Arbeitsplätze zu schaffen. „Mein Appell richtet sich zunächst an die Wirtschaft. Die verbesserte Rendite sollte in Arbeitsplätze investiert und nicht nur abgeschöpft werden“, sagte er.

Aber die Hoffnung, daß der normale, erste Arbeitsmarkt, alles regeln kann, sei vor allem für Menschen über 50 trügerisch, betonte der Bischof. „Deshalb sollte es neben dem ersten Arbeitsmarkt und neben dem zweiten Arbeitsmarkt mit seinen zeitlich befristeten, besonderen Arbeitsverhältnissen noch einen dritten Arbeitsmarkt geben, der insbesondere älteren Arbeitslosen einen Neubeginn ermöglicht“, schlug Huber vor.

Text: ddp
Bildmaterial: dpa

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