Börsen

Die Geldspritze sorgt für gute Laune

Von Claus Tigges und Benedikt Fehr

11. März 2008 Finanzmarktakteure in Amerika und Europa haben auf die Ankündigung der Notenbanken, zusätzliche Milliarden in das Finanzsystem zu pumpen, erleichtert reagiert. Der Dow-Jones-Index, das führende Aktienbarometer an der Wall Street, stieg zunächst um mehr als 2 Prozent. Auch in Europa machten die Aktienkurse einen Sprung nach oben. Der Dollar erholte sich spürbar. Der Euro, der zuvor mit 1,5496 Dollar ein Rekordhoch erreicht hatte, sackte binnen Minuten auf 1,5320 Dollar ab.

Die amerikanische Notenbank (Fed) wird zusammen mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und weiteren führenden Notenbanken zusätzliche Milliarden bereitstellen. Die Zentralbanken wollen so die Spannungen auf den Geld- und Kreditmärkten lindern und eine allgemeine Kreditklemme verhindern. Nach dem am Dienstag verkündeten Plan wird die Fed dem Finanzsystem vom 27. März an zusätzlich bis zu 200 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Darüber hinaus wird die Dollar-Liquidität, die die EZB und die Schweizerische Nationalbank ihren Geschäftsbanken bereitstellen können, um insgesamt 12 auf 36 Milliarden Dollar aufgestockt. In ähnlicher Weise hatten die Zentralbanken schon im Dezember gehandelt.

Fed akzeptiert eine erweiterte Palette von Wertpapieren als Sicherheit

Wie die Fed ankündigte, wird sie eine neue Kreditfazilität schaffen, über die sich bestimmte Banken mit zusätzlichem Geld versorgen können. Als Sicherheit für die Kredite wird die Fed dabei eine erweiterte Palette von Wertpapieren akzeptieren, darunter auch solche, die mit Forderungen aus Hypothekendarlehen (mortgage backed securities, MBS) besichert sind. Diese MBS sind durch die Krise auf dem Hypothekenmarkt in Verruf geraten und werden im Handel unter Banken kaum noch als Sicherheit akzeptiert. Berichte, wonach Banken einer Reihe von Hedge-Fonds ihre Kreditlinien kappen, haben die Marktakteure in den vergangenen Tagen zusätzlich verunsichert.

Wie die Fed mitteilte, werde sie nicht nur MBS der beiden staatlich geförderten Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae annehmen, sondern auch jene von anderen privaten Emittenten, sofern diese über die Bonitätseinstufung AAA/Aaa der Ratingagenturen verfügen. „Die TSLF soll die Liquiditätsversorgung auf den Märkten für amerikanische Staatsanleihen und andere Sicherheiten fördern und so die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte allgemein stärken“, hieß es in der Mitteilung der Fed. Die Kreditnehmer müssen diese Kredite nach 28 Tagen tilgen, während die bisherigen Geschäfte nur einen Tag laufen. Am vergangenen Freitag hatten die Währungshüter um den Vorsitzenden Ben Bernanke bereits angekündigt, bestehende Kreditlinien der Banken um 140 Milliarden auf 200 Milliarden Dollar aufzustocken.

Dollar werden zeitlich befristet zur Verfügung gestellt

Die EZB in Frankfurt teilte gleichzeitig mit, dass der geldpolitische Rat entschieden habe, den Banken im Euro-System wie schon im vergangenen Dezember und im Januar Liquidität auch in Dollar zur Verfügung zu stellen. Am 25. März können Banken demnach Gebote für ein 28 Tage dauerndes Kreditgeschäft abgeben, die Zuteilung von bis zu 15 Milliarden Dollar erfolge zwei Tage später. Die Bereitstellung von Dollar-Liquidität wird so lange fortgesetzt, wie es nach Einschätzung des geldpolitischen Rates angesichts der herrschenden Marktbedingungen notwendig ist. Auch die Bank von England und die Bank von Kanada kündigten an, zeitlich befristet zusätzliche Dollar zur Verfügung zu stellen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanischen Währungshüter auf der Sitzung des geldpolitischen Rates in der kommenden Woche den Leitzins womöglich um einen vollen Prozentpunkt auf 2 Prozent senken oder sogar zuvor eine Notfall-Zinssenkung beschließen, sei durch die neue Liquiditätsspritze geringer geworden, sagen Marktbeobachter. Die aus den Terminkursen abgeleitete Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes um 0,75 Prozentpunkte sank von 90 auf 68 Prozent. „Die heutige Ankündigung verschafft den Märkten sicher Linderung, aber sie ist keine Heilung für die bestehenden Kreditprobleme“, kommentierte Rob Carnell von der Investmentbank ING.



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AP, ddp

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 5.384,39 -0,05
TecDax 583,81 -3,37
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.898,72 +0,92
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
Euro/Dollar 1,37 +1,33
Bund Future 116,96 -0,02
Gold 887,17 +2,96
Öl 86,68 -6,11
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