
geschenkt, natürlich haben Sie absolut recht. In diesem Forum werden wir das Rad nicht neu erfinden. Das hat uns unser aller Dichterfürst schon prophezeit ('wer kann was Kluges, wer was Dummes denken, was nicht die Vorwelt schon gedacht'). Sollen wir deswegen schweigen?
Also was soll das. Wir reden halt miteinander, der eine nett, der andere unbeirrt. Mit 1500 Zeichen, Bibliotheken und Blödsinn im Sinn oder nicht.

>>>Replik auf Heimes - Transferleistungen
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)05.01.2006, 14:51
... oder sich lieber selber unterstützen lassen anstatt irgendetwas zu tun, was steuer- oder abgabenpflichtig wäre...>>>
wovon ich überhaupt noch nichts geschrieben habe. Aber Ihre Denke ist arm; sie löst das Existenzproblem der für den Produktionsprozeß nicht mehr Gebrauchten nicht.
Dann schon leider eher diese Alternative: Krieg.

Herr Hobelmann, selbstverständlich ist Zins der Preis für die Knappheit des Geldes, aber daß Geld knapp ist, ist nicht der Natur, sondern der Politik geschuldet. Mein Argument war, daß nicht der staatliche Eingriff in den Markt, sondern die staatliche Schaffung des Marktes die logisch originäre Abweichung vom „freien Spiel gesellschaftlicher Kräfte“ ist, - wenn man schon ein solches für normativ erachtet.
Ich bin kein Hochstapler, sondern ein selbterklärter Laie. Mein Wissen in dieser Hinsicht ist ein Staubkorn im Universum. Daher auch das Folgende nur als „Bauernschläue“:
1) Mich verblüfft, wie Sie von „Macht“ und „Zinseszins“ auf den Teufel schließen. Ich will nicht wie Silvio Gesell (oder Eugen Drewermann) Stempelgeld einführen (auch wenn das kurze Experiment damit nach 1918 m.W. positiv verlief), glaube aber, daß die Notwendigkeit von Makropolitik genau daher rührt, daß wir darauf verzichten.
2) Ich meine auch nicht, daß Macht an sich schlecht ist; was mir allerdings angst macht, ist ein Denken, das Macht mit Machtmißbrauch nicht empirisch, sondern logisch assoziiert – und daher in der Lehre ein Handeln von Machtaspekten als „unwissenschaftlich“ ansieht. Hier vermisse ich in der Tat den Exorzisten, der Keynes gegen den klassischen Glauben war, daß Märkte stabil (und daher „gerecht“) sind.
3) Sie sagen, Zentralbanken sollen Geldmengenziele verfolgen. Dieser Artikel erklärt genau diese Politik für typisch deutsch und überholt: http://www.ftd.de/me/cl/33994.html

Bester Herr Heimes, auch Transferleistungen müssen von irgendjemandem erwirtschaftet werden. Je weniger dies tun, weil sie sich überfordert fühlen von der wachsenden Schar der Unterstützungsbedürftigen oder sich lieber selber unterstützen lassen anstatt irgendetwas zu tun, was steuer- oder abgabenpflichtig wäre, umso geringer werden die Transferleistungen. Also müssen die Abgaben erhöht werden - so Ihre Weltsicht - , was noch mehr in die Leistungsverweigerung führen wird. Wat nu ? Grenzen dicht, Steuerverwaltung stärken, je Bürger ein Polizist zum Aufpassen und bloß keinen raus oder rein lassen ?
Ulbricht läßt grüßen.

Meine lieben Herren Hilß und Andresen,
an unserer globalisierten, arbeitsteiligen, geldverschleierten Ökonomie nehmen Individuen mit unterschiedlichsten Befähigungen teil. Manche haben auch gar keine. Der Kreis derjenigen, der im Produktions- und Dienstleistungssektor durch eigene Wertschöpfung ihre Existenz nicht mehr sichern können, wird im langfristigen Trend exponentiell weiter wachsen. Das ist unschwer zu prognostizieren. Derzeit ist nicht ersichtlich, wie diesen Menschen anders als durch wie auch immer definierte Transferkonstrukte geholfen werden kann. Außer durch Krieg natürlich.

Fuer die naechste Zukunft, so prophezeite John Maynard Keynes, liegen die Dinge gar nicht so schlecht, und was die fernere Zukunft angeht, da sind wir sowieso alle tot.

1) Das Entscheidende für die Nachfrage nach Arbeit in verschiedenen Volkswirtschaften sind nicht absolute Lohn-, sondern relative Lohnstückkosten. Fabrikhallen fegen z.B. ist überall genauso einfach, aber was die Arbeit „wert ist“ hängt davon ab, was man es sich kosten läßt, daß die höherqualifizierten Arbeiter nicht über Schmutzhäufen stolpern; das darf in Deutschland mehr sein als in China, ohne daß das den Chinesen irgendeine Chance nimmt)
2) Was die Pleite des Systems Treuhand mit dem „Blödsinn von Professor Schiller“ zu tun hat, müssen Sie mir schon näher erklären. Es gibt eine gestaltende und eine getriebene Weise, Schulden zu machen. Die Schulden von Professor Schiller haben aber nicht nur zu anderthalb Jahrzehnten mit (aus heutiger Sicht) geradezu traumhaften Wachstumsraten geführt; sondern sobald die Weltwirtschaft sich ab ca. 1985 beruhigte, sank auch wieder die Schuldenstandsquote.
3) Daß die Schulden von heute die Steuern (nicht die Steuerquoten!) von morgen sind, ist eine Banalität, die überhaupt nicht beweist.
4) Inwiefern man Spielraum für eine antizyklische Politik gewinnt, indem man erklärt, daß die Wirtschaft die überhaupt nicht brauche, habe ich schon aus Hans Eichels Mund nicht verstanden (und hat wohl auch nicht sehr gut funktioniert). Das ganze hat etwas von Büßerattitüde: „Wir haben schon so viele Schulden, also fragen wir nicht mehr nach der Kosten-/Nutzenbilanz von Neuverschuldung.“ Neue Nahrung beschafft sich diese Argumentation ganz von selbst.

Lieber Herr Bauer, ein Keynesianer wie Stieglitz u.a. werden natürlich ihren Keynes nicht verkommen lassen. Deswegen funktioniert er in der Praxis immer noch nicht.
Der Nobelpreis ist schließlich auch an ganz andere gegangen und beileibe nur selten ein wahrer Qualitätsbeweis, er wird nicht auf wissenschaftlicher Basis vergeben, wenn auch mitunter an Wissenschaftler. Clinton beweist nichts, außer daß gewisse Sexualpraktiken auch bei Präsidenten der USA geschätzt werden. So what?

Damit alle Leser Ihre Äußerung, Herr Andresen, Keynes würde heute „von keinem mehr ernst genommen“ selbst einordnen können, erlauben Sie mir bitte folgende Klarstellung:
Joseph Stiglitz (ich bezog mich auf sein Buch „Die Schatten der Globalisierung“) war von 1993-97 Mitglied (später Vorsitzender) des Wirtschafts-Sachverständigenrates von Präsident Clinton, dann bis 2000 Chefvolkswirt und 1. Vizepräsident der Weltbank. Im Jahre 2001 erhielt er zusammen mit George Akerlof und Michael Spence den Nobelpreis für Forschungen auf dem Gebiet der „Informationsökonomik“, mit denen sich u.a. die große Praxisferne der neoklassischen Axiome „vollständige Information, Mobilität und Wettbewerb“ aufzeigen lassen.
Ob ich seine Position korrekt wiedergegebe, müssen Leser des Buches selbst entscheiden. Im Falle Malaysias plädierten er und Paul Krugman (7.9.1998) dafür, die Sanierung des von der Ostasienkrise angeschlagenen Banken und Unternehmssektors unter dem Schutz von Kapital-Ausfuhrsteuern (nicht ganz -kontrollen, aber beide Wörter werden von Stiglitz in dem (unwissenschaftlichen) Text äquivalent verwendet; „Die Schatten ...“, Kapitel 4, S. 167-169) vorzunehmen; die von der (antikeynesianischen) Expertenwelt erhobenen Bedenken (unwirksam, Weg ohne Wiederkehr etc.) trafen nicht ein.
Auf S. 27 (Kap. 1) schreibt er: „Auch wenn die Modelle, die Keynes‘ Analyse zugrunde liegen, später kritisiert und verfeinert wurden (...), bleibt die Lehre Keynes‘ in ihren Grundzügen doch gültig.“

Leser Bauer bemüht sich, vermittels pseudowissenschaftlicher Diktion, schlichte Wahrheiten zu umgehen. Malaysia, Keynes und Mindestlohn sind wahrlich nicht geeignet, Marktgesetze außer Kraft zu setzen. Märkte sind global, der deutsche hat dabei abnehmende Bedeutung ( ist auf dem Niveau von Malaysia allerdings noch nicht angelangt ) und die Kosten unserer Produktion werden sinken müssen, um wettbewerbsfähig sein zu wollen. Andernfalls wandern noch mehr Arbeitsplätze ab nach z.B. auch Malaysia. Gesetzliche Mindestlöhne fördern diesen Trend und sind daher ungeeignet. Staatliche Nachfrageförderung wie in den 70er - Jahren unter Schiller und Strauß hat schon damals im Ergebnis nicht funktioniert und ist ein unbrauchbarer alter Hut. Keynes ist die Gundlage dieser Politik und wird heute von keinem mehr ernst genommen. Na, und Malaysia ist ein Entwicklungsland mit entwicklungsbedürftigen politischen und ökonomischen Strukturen - mit unserem spätsozialistischen Umverteilungsstaat kaum zu vergleichen. Unsere Arbeitskosten, auch die Löhne, werden sinken. Um mindestens eine abfedernde Wirkung zu erzielen, ist der Kombilohn eine nicht so schlechte Lösung, wenngleich keine gute.

Ich stimme Paul Schächterle zu, auch wenn mir von der Widereinführung der Sozialbindung des Kapitals mehr verspreche als von Handelsbeschränkungen. (Joseph Stiglitz beschrieb, wie Malaysia unter dem Zorn des IWF mit Kapitalverkehrkontrollen der Ostasienkrise weitgehend entkam.)
Zur Marktwirtschaft gehört die Schaffung eines künstlichen „Gutes“ Geld, das gar kein Marktgut ist, sondern „portionierte soziale Macht“.
Für Geld gibt es nämlich eine Annahmeverpflichtung (gesetzl. Zahlungsmitel), aber keine Nutzungspflicht (haltungskostenfrei); es hält daher spekulative Verfügungsgewalt über künftige Produktion, – welche zu verstetigen die Gesellschaft mit dem (meist positiven) Realzins (Zinseszins) bezahlen muß.
Infolgedessen ist auch Arbeit kein marktfähiges Gut: Inwiefern? Verdi würde nicht begreifen – stand zu lesen –, daß sinkende Lohnkosten den Arbeitsmarkt tendenziell räumen. In der Tat, ich auch nicht:
Logisch ist das nämlich nur „ceteris paribus“ („unter sonst gleichen Bedingungen“). Lohnsenkungen verschieben aber bedürfnisorientiert auf spekulativ verwendetes Einkommen. Sie senken damitmit der berechenbaren auch (außer im Boom) die effektive Nachfrage auf Güter- und Arbeitsmärkten.
Wenn wir den heute legal blockierten, untertarifär verfügbaren Arbeitsnutzen abrufen wollen, gibt es nur einen Weg: keynesianische Makropolitik, d.h. eine die Märkte nicht verzerrende Auspendelung von Angebot und Nachfrage mittels expansiver Finanz-, Fiskal- und Geldpolitik.

Wer für einen "Kombilohn" plädiert, sollte sich im klaren sein, dass es sich dabei um einen staatlichen Eingriff in den Markt handelt. Es handelt sich um eine staatliche Subvention niedrig entlohnter Arbeitsverträge.
Diese Subvention wird dazu führen, dass sich die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot an Arbeitskräften ungehindert auf die Lohnhöhe auswirkt: Die Löhne werden sinken und der Staat muss für Nachfrage sorgen, indem er diese schlecht bezahlten Stellen auch noch subventioniert.
Wie aber soll der Staat diese Subventionen finanzieren? Die tollen neuen subventionierte Arbeitsplätze kosten den Staat und bringen keine Steuereinnahmen. Dann müsste man die Steuereinnahmen an anderer Stelle hereinholen. Das aber will man auch nicht machen, im Gegenteil wird immer von Steuererleichterungen vor allem für Besserverdienende und Unternehmen gesprochen.
Diese Vorschläge basieren auf den Irrlehren der herrschenden neoklassischen Volkswirtschaftslehre, die keine Produktion, keine Vermögensverteilung und keine effektive Nachfrage kennt, sondern nur den einfachen Tausch nach Angebot und Nachfrage und die auf vielen völlig unsinnigen Annahmen beruht. Diese Lehre hat schon einmal grauenhaft versagt und die Politik sollte sich NICHT nach ihr richten.
Wir brauchen eine hohe Steuerprogression, Mindestlöhne und internationale Lohn-, Steuer- und Umweltstandards (oder alternativ Schutzzölle).

... einen Punkt möchte ich noch hinzufügen:
Es ist natürlich (nicht nur für das Selbstwertgefühl der meisten Betroffenen) besser, Geld für's Arbeiten zu bekommen als für'S Nichtstun. Denn auch die Arbeit, die in Deutschland aktuell nicht nachgefragt wird, weil sie zu teuer ist, ist ja eine Arbeit, die einen Wert hat. Wenn auch keiner 1.500 Euro dafür bezahlt, würden sich doch für 500 Euro Käufer finden.
Und das sind dann 500 Euro, die abstrakt gesagt einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben, konkret gesagt einen Nutzen für Anbieter (hat mehr Geld und was zu tun) und den Nachfrager (muss sich um irgendwas nicht mehr kümmern).
Nebenbei könnte man so IMHO eine ganze Menge Arbeit aus der Schwarzarbeit holen.
Dass die das von Verdi nicht verstehen, ist logisch. Die haben ja auch nicht verstanden, dass der Arbeitsmarkt ein Markt ist und behaupten ja, dass in diesem Markt der Preis und der Nachfrage nichts miteinander zu tun haben (bzw. eigentlich so gar noch anders herum: steigende Preise ziehen steigende Nachfrage nach sich).