G-7-Finanzminister

Aktionsplan gegen Finanzkrise

12. April 2008 Mit mehr Transparenz und einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden wollen die G-7-Staaten künftige Finanzmarktkrisen verhindern. Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen beschlossen am Freitag in Washington einen entsprechenden Plan in Reaktion auf die von faulen Hypothekenkrediten in den Vereinigten Staaten ausgelösten Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten.

Handeln sollen demnach Banken und Finanzfirmen, Ratingagenturen, Aufsichtsbehörden sowie Politik und Zentralbanken. Basis für die Vorschläge ist der Abschlussbericht des Forums für Finanzstabilität (FSF). Ansatzpunkte der G-7 für Änderungen und Verbesserungen sind das Kapital-, Liquiditäts- und Risikomanagement in der Finanzwelt, die Schaffung von mehr Transparenz und eine angemessenere Risikobewertung sowie die Überprüfung der Rolle und der Praxis von Ratingagenturen. Darüber hinaus geht es bei den Vorschlägen darum, die Aufsichtsbehörden künftig für Risikozeiten reaktionsfähiger zu machen. Auch im Finanzsystem selbst sollten Leit- und Orientierungslinien für den Umgang mit Stresssituationen erarbeitet werden.

Steinbrück ist optimistisch

Die G-7-Minister und Notenbankchefs werden an diesem Wochenende mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington zu ihrer Frühjahrstagung zusammenkommen. Auch dabei wird die Krise auf den Finanzmärkten im Mittelpunkt stehen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zeigte sich beim G-7-Treffen optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft den konjunkturellen Abschwung in Amerika gut meistern wird. Es gebe keinen Grund für ein Gefühl von drohendem Unheil, sagte er am Freitag (Ortszeit). Die deutsche Konjunktur sei in einem guten Zustand. Er sehe auch keinen Anlass, seine Prognose eines Wirtschaftswachstums von 1,7 Prozent in diesem Jahr zu ändern.

Bundesbankchef Axel Weber erklärte, es gebe positive Signale, dass die Bemühungen zur Stabilisierung der amerikanischen Konjunktur infolge der Krise auf dem Immobilienmarkt Erfolg hätten. Er gehe davon aus, dass die Leitzinssenkungen in den Vereinigten Staaten in der zweiten Jahreshälfte einen stabilisierenden Effekt hätten, sagte Weber.

„Beispiellose Finanzkrise“

Wegen der steigenden Lebensmittel- und Energiepreise haben unterdessen Entwicklungs- und Schwellenländer verstärkte Finanzhilfen gefordert. Die Gruppe der G-24 rief die Industrienationen zudem zu einem entschiedenen Handeln in der derzeitigen Finanzkrise auf. Koordinierte internationale Zusammenarbeit sei nötig, um eine noch größere Krise zu verhindern, heißt es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung.

Die Welt sehe sich einer „beispiellosen Finanzkrise“ gegenüber, sagte der Vorsitzende der G-24 und Präsident der kongolesischen Notenbank, Jean-Claude Masangu-Mulongo. Diese Krise habe „im Herzen des Systems begonnen, in Amerika, und breitet sich aus“. Industrienationen müssten den ärmsten Entwicklungsländern helfen, mit den externen Effekten fertigzuwerden. Das Treffen der G-24-Gruppe fand am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington statt. Zu den G-24 gehören Staaten in Asien, Lateinamerika und Afrika.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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