10. April 2008 Die rasant gestiegenen Preise für Nahrungsmittel drohen nach Einschätzung der Weltbank bisherige Erfolge im Kampf gegen die Armut zunichte zu machen. Nach einer neuen Studie der Entwicklungshilfeorganisation kletterten die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent, für Weizen sogar um 181 Prozent. In einigen Ländern könnte es nach hart erkämpften Erfolgen im Kampf gegen Armut nun wieder in die umgekehrte Richtung gehen, sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick.
Arme Menschen leiden täglich unter den Auswirkungen hoher Preise für Nahrungsmittel, vor allem in den Städten und Ländern, wo die Einkommen gering sind, betonte der Weltbank-Chef. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, betroffen Staaten zu helfen, Gegenmaßnahmen wie etwa den langfristigen Ausbau der heimischen Landwirtschaft zu entwerfen. Es seien 500 Millionen Dollar (320 Millionen Euro) notwendig, um die Lage zu entspannen, hieß es.
Einsatz von Biotreibstoffen treibt die Preise
Nach Einschätzung der Entwicklungshilfeorganisation werden die Nahrungsmittelpreise noch bis ins nächste Jahr hinein hoch bleiben, bevor sie dann allmählich zu sinken beginnen. Nach aller Wahrscheinlichkeit werden sie bis zum Jahr 2015 noch deutlich über dem Niveau von 2004 bleiben, heißt es in der Studie.
Neben einer allgemein gestiegenen Nachfrage etwa in Indien und China ist nach Angaben der Weltbank auch der verstärkte Einsatz von Biotreibstoffen ein wichtiger Preistreiber. Daneben seien auch höhere Energie- und Düngerpreise sowie Exportverbote einiger Staaten und der schwache Dollar zusätzliche Ursachen.
Die internationale Gemeinschaft müsse nicht nur Soforthilfe leisten, sondern betroffenen Ländern auch dabei helfen, Lösungen zu finden, um die Auswirkungen der Teuerung auf die Ärmsten zu lindern. Eine Maßnahme könnten etwa Steuererleichterungen sein. Als letztes Mittel kämen auch Direktzahlungen an Arme in Betracht.
In Haiti kam es wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise in dieser Woche zu gewaltsamen Unruhen, bei denen vier Menschen getötet wurden. Aufruhr meldete das Welternährungsprogramm auch aus Indonesien und einem halben Dutzend afrikanischer Staaten.
Britischer Premierminister ruft G8-Staaten zu Hilfsaktionen auf
Der britische Premierminister Gordon Brown rief die G8-Staaten zu Aktionen gegen das weitere Ansteigen der Preise für Nahrungsmittel auf. Die internationale Gemeinschaft braucht dafür eine vollständig koordinierte Reaktion, betonte Brown nach britischen Regierungsangaben vom Donnerstag in einem Schreiben an den gegenwärtigen Vorsitzenden der Staatengruppe, den japanischen Premierminister Yasuo Fukuda.
Brown schlägt in dem Schreiben vor, dass Fukuda im Namen der Gruppe der sieben führenden westlichen Industrienationen und Russlands (G8) den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Vereinten Nationen dringend zur Entwicklung einer Strategie für die Bekämpfung der Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln auffordert. Durch die Preisentwicklung auf den Agrarmärkten wächst zum ersten Mal seit einem Jahr wieder die Zahl der Menschen, die vom Hunger bedroht sind, schrieb Brown. Ohne Gegenmaßnahmen könnten wichtige Fortschritte der Entwicklungspolitik in den letzten Jahren zunichte gemacht werde.
Als einen Grund für die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln nannte auch Brown die wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen. Entwicklungsländer, die auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind, müssten dafür von den reichen Ländern stärkere Unterstützung erhalten, forderte der Premierminister. Humanitäre Hilfsprogramme müssten ausgeweitet werden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP
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