24. Dezember 2008 Die weltgrößten Gasexporteure haben ein Bündnis nach dem Vorbild der OPEC gegründet. Heute wurde eine neue Organisation geboren und ein neues Statut verabschiedet, verkündete Russlands Energieminister Sergej Schmatko am Dienstag in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax. Die Organisation will ihre Interessen auf den Gasmärkten bündeln. Russland hat als größtes Exportland aber betont, dass es keine Preisabsprachen oder andere bindende Kartell- Maßnahmen wie bei der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) plane. Dies ist auch wegen des überwiegenden Pipeline-Transports technisch derzeit kaum möglich.
Bei der Wahl des Hauptsitzes musste sich Russland mit St. Petersburg der Hauptstadt Katars, Doha, geschlagen geben. Ein Generalsekretär der bislang als Forum Gas exportierender Länder (GECF) auftretenden Organisation solle im kommenden Jahr gewählt werden, sagte Schmatko. Zu den 14 Mitgliedsländern gehören neben Russland und Katar auch der Iran und Algerien. Gemeinsam fördern die 14 nach eigenen Angaben 42 Prozent der weltweiten Gasproduktion und verfügen über 73 Prozent der Gasreserven auf der Erde.
Putin: Ära des billigen Gases ist vorbei
Die in den vergangenen Monaten drastisch gefallenen Energiepreise lassen die Gas-Exportnationen enger zusammenrücken. Seit Jahren streiten die Länder über eine gemeinsame Linie. Auch in Moskau lagen die Vorstellungen der einzelnen Nationen weiter deutlich auseinander. Algerien sprach sich für gemeinsame Gas-Förderquoten aus. Wir regen eine Optimierung der Fördermenge und die gegenseitige Belieferung der Teilnehmerstaaten an, sagte Algeriens Energieminister Chakib Halil.
Der russische Regierungschef Wladimir Putin sprach sich bei seiner Rede gegen eine Politisierung der internationalen Energiebeziehungen aus. Die Ära des billigen Gases sei vorbei, sagte der Regierungschef während einer Rede auf dem Treffen. Der frühere Kremlchef kündigte ungeachtet der jüngsten Entwicklung auf den Energiemärkten langfristig hohe Gaspreise an. Die Kosten für die Erkundung neuer Lagerstätten, die Förderung und den Transport von Erdgas werden unausweichlich steigen, betonte Putin.
Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Zielsetzung des Gas-Forums klar. Man will den Gasmarkt kontrollieren, genau wie beim Öl auch, sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert dem Sender NDR Info. Dahinter stehe die Absicht, die Preise zu beeinflussen. Dies ist aber in großem Umfang nach Einschätzung russischer Experten erst möglich, wenn mehr Flüssiggas über Tanker weltweit verschifft und damit kurzfristig handelbar wird. Bislang wird Gas zum allergrößten Teil noch mit langfristigen Verträgen über Pipelines geliefert.
Zum Forum der Gas exportierenden Länder gehören neben Russland auch Ägypten, Algerien, Bolivien, Brunei, Indonesien, Iran, Katar, Libyen, Malaysia, Nigeria, Trinidad und Tobago, Venezuela sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. Nach russischen Angaben waren alle 14 Länder mit Regierungsvertretern in Moskau vertreten. Norwegen hat in dem Forum einen Beobachterstatus.
Energieversorger: Verbraucher müssen nicht mit steigenden Preisen rechnen
Die großen Gasabnehmer - wie etwa Eon - haben sich jedoch gelassen zu den Plänen geäußert. Sie fürchten keine negativen Auswirkungen und verweisen auf bestehende langfristige Verträge. Nach Einschätzung des Branchenverbands BDEW dürften die deutschen Verbraucher in den kommenden Jahrzehnten vor übermäßigen Preiserhöhungen geschützt sein. Die Verträge legten die Lieferbedingungen teils bis ins Jahr 2035 fest und sähen unter anderem eine Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis vor. Diese Ölpreisbindung schützt vor ungerechtfertigten Preisvorgaben aus den Produzentenstaaten, sagte ein BDEW-Sprecher.
Der Gaspreis ist in Deutschland wie in vielen anderen westlichen Industriestaaten seit den 60er Jahren an den Ölpreis gekoppelt. Steigende Ölpreise wirken sich mit etwa einem halben Jahr Verzögerung auf den Gaspreis aus. Die Ölpreisbindung soll die Konkurrenz zwischen den Energieträgern Öl und Gas entschärfen - und dadurch auch den Wettbewerb zwischen Gas- und Öl-Konzernen. Ein Erdgas-Kartell nach dem Vorbild der OPEC sei zwar ein schönes Schlagwort, aufgrund der Ölpreisbindung aber gar nicht möglich, sagte der BDEW-Sprecher.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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