RWE-Energy-Chef Berthold Bonekamp

„Martialische Forderungen“

10. Januar 2007 Deutschlands Verbundkonzerne sperren sich gegen die Brüsseler Netzpläne. Den Fragen zu Auswirkungen stellt sich Berthold Bonekamp, der als Chef der RWE Energy auch für das mit 11 300 Kilometern längste deutsche Höchstspannungsnetz zuständig ist.

Welche Vorteile für Verbraucher erwarten Sie von einer Entflechtung?

Vorteile kann ich nicht erkennen. Es ist gut und auch in unserem Interesse, dass die EU-Kommission für mehr Wettbewerb und Transparenz auf den Energiemärkten eintritt. Aber es ist schlecht, dass sie einen neuen und damit unsicheren Weg einschlagen will, obwohl wir gerade in Deutschland bewiesen haben: Gemeinsam mit der Bundesnetzagentur sind bereits jetzt wichtige Weichen für mehr Wettbewerb gestellt worden. Es macht deshalb keinen Sinn, von diesem Kurs abzuweichen.

Und welche Nachteile befürchten Sie für Ihren Konzern?

Ich befürchte angesichts der derzeitigen Debatte vor allem eines: Glaubenskrieg statt nüchterner Suche nach vernünftigen Lösungen. In der hitzigen Diskussion über Instrumente scheint mir gelegentlich das angestrebte Ziel aus dem Blickwinkel zu geraten. Meines Erachtens werden zu leichtfertig und vor allem vorschnell martialische Forderungen wie die nach einer „Zerschlagung“ von großen Versorgern erhoben. Das macht mich besorgt. Denn damit ist vor allem unseren Kunden nicht gedient. Wir haben beim letzten Energiegipfel Milliardeninvestitionen zugesagt. Wir sind davon überzeugt, dass dieses – und nicht irgendwelche Enteignungsszenarien – genau der richtige Weg ist.

Stellen die EU-Forderungen nicht auch den Wert der Arbeit der Bundesnetzagentur in Frage?

Die Bundesregierung hat deutlich gemacht, worauf es beim funktionierenden Wettbewerb wirklich ankommt: auf eine wirkungsvolle Regulierung, die faire Preise sowie freien Netzzugang sichert. Wir haben in Deutschland mit der Bundesnetzagentur in kurzer Zeit wirksame Mechanismen entwickelt. Ich bin mir nicht sicher, dass dies in Brüssel ausreichend wahrgenommen wurde. Jedenfalls müssen alle, die etwas anderes fordern, erst den Beweis antreten, dass sie es besser können. Von übereilten Schritten kann ich nur abraten. Unser Energienetz ist viel zu wichtig, als dass es zum Spielball kurzfristiger politischer Showeffekte werden darf.

Warum so hartnäckig?

Weil es um das hohe Gut der Versorgungssicherheit geht. Unsere hohen geplanten Investitionen erfordern aber stabile Rahmenbedingungen. Sonst sind sie unternehmerisch nicht zu verantworten. Daher muss es sehr nachdenklich stimmen, wenn die Politik von Unternehmen Investitionen in Netze fordert und dann deren Enteignung androht. Das hat die gleiche Logik wie die politische Forderung nach Kraftwerksinvestitionen bei gleichzeitiger Drohung, keine neuen Kapazitäten in der Hand großer Versorger zu akzeptieren.

Die Fragen stellte Werner Sturbeck



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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