Hohe Schulden

Dubais Genesung hängt an Abu Dhabi

Von Rainer Hermann

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27. November 2009 Dubais Bitte um Zahlungsaussetzung für sechs Monate könnte erst ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr gewesen sein. Dubai World, eine der drei großen Staatsholdings, hatte angekündigt, sechs Monate die Bedienung seiner Verbindlichkeiten auszusetzen. Die Ankündigung erfolgte, bevor die Tochtergesellschaft Nakheel am 14. Dezember eine Anleihe von 4 Milliarden Dollar hätte zurückzahlen müssen. Bis Ende 2011 muss Dubai aber Schulden von fast 33 Milliarden Dollar zurückzahlen, das entspricht mehr als einem Drittel seines Bruttoinlandsprodukts. Als die staatliche Börse Dubai und die Flughafenbehörde in diesem Jahr problemlos frische Mittel hatten aufnehmen können, galt auch dieses Volumen als machbar. Die Ankündigung von Dubai World versetzt der Hoffnung aber einen schweren Schlag.

Mit den Krediten hat Dubai zwar eine moderne Infrastruktur gebaut. Ohne Hilfe von Abu Dhabi wird es seine Schuldenlast aber kaum abtragen. Das an Erdöl und Petrodollar reiche Nachbaremirat hatte zu Jahresbeginn dem ölarmen Dubai bereits eine Liquiditätsspritze von 10 Milliarden Dollar gegeben. Am Mittwoch folgten weitere 5 Milliarden Dollar.

Das war nur die Hälfte dessen, was erwartet worden war. Mehr Mittel wären in der Zentralbank und den Staatsbanken von Abu Dhabi vorhanden gewesen. Da die Unterstützung aus Abu Dhabi einer der wesentlichen Faktoren für die Kreditwürdigkeit Dubais ist, wackelt diese kräftiger.

Ölvorkommen leergepumpt

Abu Dhabi und Dubai sind die beiden wichtigsten Emirate in der Föderation der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie sind unterschiedlich und ergänzen sich. Abu Dhabi verfügt über ein Zehntel der Weltölreserven, Dubai hat seine bescheidenen Ölvorkommen bereits leergepumpt.

Abu Dhabi baute mit seinen Ölexporten die größten Staatsfonds überhaupt auf, Dubai zog hingegen mit seiner Liberalität und seinen kühnen Projekten immer die Petrodollars anderer Ölproduzenten an.

Zwar besteht zwischen beiden eine Rivalität. Doch viele Unternehmen aus Abu Dhabi sind auch in Dubai aktiv und spüren die dortige Krise, die das Wachstum der ganzen Volkswirtschaft in diesem Jahr in ein Minus von 1 Prozent verwandelt.

Abu Dhabi hat daher ein Interesse an der raschen Gesundung des Emirats. Das Emirat und die Hauptstadt Abu Dhabi haben seit der Staatsgründung 1971 die Entwicklung der fünf ärmsten Emirate finanziert. Nun greift es auch Dubai unter die Arme.

Verschwiegene Herrscherhäuser

Über die Bedingungen, an die Abu Dhabi seine bisherigen Liquiditätsspritzen geknüpft hat, ist aus den verschwiegenen Herrscherhäusern nichts in die Öffentlichkeit gedrungen. Konsens ist, dass sich die Herrscherfamilie von Abu Dhabi zumindest eine Mitsprache bei wirtschaftlichen Entscheidungen erkauft hat, möglicherweise bereits Aktiva der Staatsunternehmen aus Dubai kontrolliert.

Dubai wird von nur einem Mann regiert, Emir Muhammad Bin Rashid Al Maktoum. In der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, den Al Nahyan, stehen einige Dubai nahe, wie Kronprinz Muhammad Bin Zayed, oder sie sind sogar mit Dubais Emir verschwägert, wie Mansur Bin Zayed. Andere stehen Dubais Strategie einer ungestümen Entwicklung indessen eher skeptisch gegenüber. Keiner von ihnen will jedoch Geld in ein Fass ohne Boden pumpen, ohne zu wissen, wie groß die Krise ist.

Konsequenzen aus den Fehlentwicklungen hat Dubais Emir gezogen. Die Annahme, dass die Nachfrage nach Immobilien ständig zunehme, war eine Grundlage und auch die Achillesferse der Entwicklungsstrategie. Indem er wichtige Entscheidungen wieder an sich zieht, will er zur Vertrauensbildung das Bild eines künftig konservativeren Vorgehens vermitteln.

Dazu entließ er das Triumvirat aus dem Vorstand des Staatsfonds Investment Corporation of Dubai, das im vergangenen Jahrzehnt die Transformation Dubais von einer regionalen Handelsdrehscheibe zu einem Wirtschaftszentrum mit weltweiter Ausstrahlung betrieben hat. Sie stehen aber weiter den großen Staatsunternehmen vor: Sultan in Sulayem der Dubai World, Muhammad Gergawi der Dubai Holding und Muhammad Alabbar der börsennotierten Immobiliengesellschaft Emaar. Sie hatten Risiken auf sich genommen, die sich für das an eigenem Kapital arme Dubai als zu groß erwiesen haben.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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