
Längere Laufzeit: Bislang konnten sich die Banken lediglich mit Krediten für die Dauer von höchstens sechs Monaten mit Geld von der EZB versorgen
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Geschäftsbanken in der Eurozone die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Vergabe von Krediten an die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Die Laufzeit der Darlehen zum Zins von nur 1 Prozent beträgt erstmals 12 Monate. Bisher konnten sich die Banken lediglich mit Krediten für die Dauer von höchstens sechs Monaten mit Geld von der EZB versorgen. Insgesamt 1121 Geldinstitute hätten sich um Darlehen beworben.
Die im Mai angekündigte Vergabe von Zentralbankgeld mit einer Laufzeit von erstmals 12 Monaten war die größte Liquiditätsspritze für die Finanzmärkte der Eurozone seit Dezember 2007, als die EZB 348,6 Milliarden Euro verteilte. Seit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 haben die Zentralbanken weltweit mehrfach Milliardenbeträge in die Geldmärkte gepumpt.
Das neue Geschäft mit verlängerter Laufzeit gilt als einer der spektakulärsten Schritte der Frankfurter Währungshüter im Kampf gegen die Finanzkrise. Banken können sich bei der EZB mit Geld versorgen, um ihre laufenden Geschäfte zu finanzieren. Für die Geschäfte gilt der Leitzins der Euro-Zone, der momentan bei 1,0 Prozent beträgt. Die bisherige Rekordsumme für Finanzgeschäfte bei der EZB lag im Jahr 2007 bei 349 Milliarden Euro bei einer Laufzeit von zwei Wochen. Durch die neue verlängerte Laufzeit haben die Banken mehr Planungssicherheit bei ihrer Refinanzierung.
Dennoch ist die Eurozone in die schlimmste Rezession seit 60 Jahren gerutscht. Als eines der Hauptprobleme gilt die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen, die bisher auch durch den historisch niedrigen Leitzins von nur 1 Prozent nicht entscheidend gemildert werden konnte.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte am Montag in Madrid, die Weltwirtschaft befinde sich noch immer im Abschwung. Zwar gebe es erste Zeichen, dass sich die Konjunkturabschwächung verlangsame. Aber wir müssen wachsam bleiben. Wir sind in unkartierten Gewässern, und es gibt immer noch das Risiko eines plötzlichen Ausbruchs unerwarteter finanzieller Turbulenzen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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