Australien

Die Verbannung der Glühbirne

Von Rüdiger Köhn

Eine Frage der Energieeffizienz

Eine Frage der Energieeffizienz

21. Februar 2007 

Die Glühbirne hat keine Zukunft mehr - zumindest nicht in Australien. Umweltminister Malcolm Turnbull will bis zum Jahr 2010 die herkömmlichen Lichtspender verbieten und durch Energiesparlampen ersetzen. Damit solle nicht nur Strom gespart, sondern auch der Kohlendioxid-Ausstoß vermindert werden. Für Turnbull wie für seinen Regierungschef - den konservativen Ministerpräsidenten John Howard - wird so ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Die Initiative der Politiker im fernen Australien liegt im Trend der aktuellen Diskussion um Treibhausgase und drohende Klimaerwärmung. Sie ist aber vor allem durchschaubar. Denn Australien hat sich wie die Vereinigten Staaten nicht dem Kyoto-Klimaschutzprotokoll angeschlossen und will sich so dennoch in Szene setzen. Trotz solcher Taktiererei hat mit Australien nun die Regierung eines Landes die Beeinträchtigung des Lichtenergieverbrauchs auf die Umwelt politisch thematisiert. Die ersten waren die Australier dabei aber nicht. Im Januar erst hat der amerikanische Bundesstaat Kalifornien mit Gouverneur Arnold Schwarzenegger an der Spitze ein Gesetz angekündigt, wonach die Glühbirnen wegen Energieverschwendung aus den Lampenfassungen verschwinden und bis 2012 durch Sparlampen ersetzt werden sollen.

Austausch als Zukunftsgeschäft in Milliardenhöhe

Der politische Vorstoß unterstützt die schon lange in der Lichtindustrie zu erkennenden Bestrebungen. Sei es Philips als größter Anbieter von Lampen und Leuchten in der Welt, sei es die deutsche Siemens-Tochtergesellschaft Osram als Nummer zwei oder sei es der amerikanische Konzern General Electric: Sie sind nicht müde geworden, auf das Thema hinzuweisen. Nur wurde das bislang als Werbung abgetan, verbirgt sich doch hinter einem kollektiven Austausch ein Zukunftsgeschäft in Milliardenhöhe.

In den vergangenen Monaten sei die Aufmerksamkeit gestiegen, sagt eine Sprecherin von Philips Deutschland. So habe es verstärkt Anfragen von Behörden, kommunalen Einrichtungen und Unternehmen gegeben, wenn es um die sparsame Innen- und Außenbeleuchtung von Gebäuden, Fabriken oder um die effiziente Illumination öffentlicher Plätze und Straßen geht. Die Diskussion um die Klimaerwärmung haben einen maßgeblichen Beitrag geleistet.

Die Glühbirne ein Heizkörper

Hoher Stromverbrauch und Umweltschädlichkeit der Glühbirne sind bislang nicht in das Bewusstsein der Allgemeinheit vorgedrungen - eine Fehleinschätzung. Denn diese ist eigentlich nichts anderes als ein Heizkörper. Rund 95 Prozent der verbrauchten Energie wird als Wärme vergeudet und erfüllt damit nicht ihren eigentlichen Zweck. Die Glühlampe kostet weniger als 1 Euro, verbraucht aber für schätzungsweise 15 Euro im Jahr Strom.

Energiesparlampen haben im Vergleich zum Energieverbrauch eine wesentlich höhere Lichtausbeute, was die Energiekosten um bis zu 80 Prozent senken kann. Die ökonomischen wie ökologischen Auswirkungen eines Wechsels von konventioneller zu innovativer Technik sind gewaltig. Denn 19 Prozent des Stromverbrauchs in der Welt wird nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur für Licht genutzt.

Viele Wenig geben auch ein Viel

Eine Einsparung von 20 Prozent würde jährlich zu 53 Milliarden Euro geringeren Energiekosten führen, davon 13,4 Milliarden Euro in Europa. Knapp 780 Millionen Barrel (gleich 159 Liter) Rohöl würden weniger verbraucht, was einer Stromproduktion von 265 mittelgroßen Kraftwerken entspricht. Der Ausstoß von Kohlendioxid könnte um 296 Millionen Tonnen gesenkt werden.

Das Kyoto-Protokoll hat - wenige haben das zur Kenntnis genommen - dem Rechnung getragen. In der Prioritätenliste der bis 2012 zu reduzierenden Kohlendioxid-Emissionen steht die Beleuchtung an dritter Stelle, hinter elektrischen Antriebssystemen und Bürogeräten, deutlich vor der Unterhaltungselektronik, der Wärmeerzeugung und Haushaltsgeräten.

Ökonomisches Interesse und gesellschaftliche Verantwortung

General Electric hat ein plastisches Beispiel gegeben: Würden alle Haushalte in den Vereinigten Staaten eine 100-Watt-Glühbirne durch eine Energiesparlampe ersetzen, könnte so viel Treibhausgas eingespart werden, wie 1,5 Millionen Autos im Jahr ausstoßen. Auf die Lebensdauer gerechnet, dürfte die eingesparte Energie eine Million Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Philips hat vorgerechnet, dass 80 Prozent der privaten Haushalte in der EU immer noch mit Glühlampen ausgestattet sind. Moderne Lichttechnik ermöglicht ein Sparpotential von 5 bis 8 Milliarden Euro im Jahr - und eine um 20 Millionen Tonnen geringere Kohlendioxid-Belastung. Mit einer Lebensdauer von sechs Jahren beträgt die Ersparnis nach dem Ersatz einer 100-Watt-Glühbirne bis zu 72 Euro. Kommunen in Europa könnten mit neuer Technik für die Straßenbeleuchtung jährlich 600 bis 700 Millionen Euro sparen. "Beim Thema Energieeffizienz gehen ökonomisches Interesse und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand", hat vor kurzem Klaus Pitschke, Vorstand im Energiekonzern Vattenfall Europe, gesagt.

Es fehlt der Wohlfühlfaktor und die Kapazitäten

Alle Hersteller arbeiten mit Hochdruck an der Weiterentwicklung solcher effizienten Produkte. So hat bislang das kalt wirkende Licht viele Konsumenten vom Kauf einer Sparlampe abgeschreckt. Doch daran wird gearbeitet. Neue Produkte mit einem höheren Wohlfühlfaktor liegen zunehmend in den Regalen. Ein großer Teil der Investitionen muss aber auch in den Ausbau der Produktion gehen.

"Es ist nicht realistisch, die Hersteller einfach zu bitten, mit der Produktion der Glühlampen aufzuhören", sagte im Dezember Theo van Deursen, bis dahin Vorstandschef des Weltmarktführers Philips Licht. Noch immer ist die Glühbirne das meistverkaufte Lampenprodukt. Es werde einige Jahre dauern, bis die Industrie Sparlampen in der erforderlichen Anzahl herstellen könne, sagte Deursen. "Aber wir glauben, dass der Prozess jetzt initialisiert werden muss." Australiens Malcolm Turnbull und Kaliforniens Arnold Schwarzenegger haben den Ruf gehört.

Text: F.A.Z., 21.02.2007, Nr. 44 / Seite 20
Bildmaterial: dpa

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