27. Juni 2007 Aus Protest gegen die Rationierung von Benzin ist es in Iran zu gewaltsamen Protesten gekommen. Allein in Teheran setzten aufgebrachte Autofahrer neun Tankstellen in Brand. Demonstranten beschädigten auch Banken und Supermärkte. Einige riefen Nieder mit Ahmadineschad.
Die vorsorglich eingesetzte Bereitschaftspolizei konnte die Ausschreitungen und die ersten Kundgebungen gegen Staatspräsident Ahmadineschad nicht verhindern. Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Steinen. In mehreren Stadtteilen Teherans gab es Krawalle. Von Mittwochmorgen an bewachten in der Hauptstadt Polizisten die meisten Tankstellen.
Schlangen vor den Tankstellen
Die Rationierung war in der Nacht zum Mittwoch in Kraft getreten. Das Staatsfernsehen hatte sie erst zwei Stunden vor dem Inkrafttreten angekündigt, was auch Unmut in der Bevölkerung hervorrief. Schon am Dienstagabend hatten sich lange Schlangen vor den Tankstellen gebildet. Autofahrer, die dort leer ausgingen, zündeten Tankstellen und Autos an.
Parlamentspräsident Haddad-Adel, der Ahmadineschad nahesteht, sagte mit der Rationierung reagiere man auf mögliche Sanktionen, die wegen des iranischen Atomprogramms drohten. Das Parlament beriet am Mittwoch mit den Ministern für Erdöl und Inneres über die jüngste Entwicklung. Iran, der zweitgrößte Ölproduzent innerhalb der Opec, muss einen Großteil seines Benzinverbrauchs einführen und gibt dafür jedes Jahr acht Milliarden Dollar aus. Die Pläne, Raffinerien auszubauen, kommen nur langsam voran.
Benzinpreis könnte um ein Vielfaches steigen
Die neue Regelung sieht vor, dass pro Auto in jedem Monat 100 Liter Benzin zum Preis von umgerechnet 8 Cent für einen Liter Normalbenzin oder für 11 Cent für einen Liter Super-Treibstoff getankt werden darf. Die Regierung hatte den Preis vor einem Monat um 25 Prozent erhöht. Taxifahrern stehen 800 Liter zu. Der Treibstoff ist nur noch mit einem elektronischen Coupon erhältlich. Da die Tankstellen erst jetzt dafür mit Lesegeräten ausgestattet wurden, war der ursprünglich für Mitte Mai geplante Beginn der Neuregelung verschoben worden.
Vor zehn Tagen trat in einer ersten Phase die Rationierung des Benzins für staatliche Fahrzeuge von 300 Litern pro Auto und Monat in Kraft. Das Ölministerium teilte mit, es rechne mit erheblichen positiven Folgen für die Wirtschaft Irans. Ziel sei, die hohe Subventionierung für Treibstoff zu reduzieren. Die Regierung hatte im Frühjahr angedeutet, dass der Benzinpreis - abgesehen von der jetzt verwirklichten Maßnahme - um ein Vielfaches steigen könnte.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, REUTERS
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