29. August 2005 Der Streit über die Arbeits- und Einkommensbedingungen junger Ärzte gewinnt an Schärfe. Der Vorsitzende des Klinikärzteverbands Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, hat sich jetzt persönlich beim Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus F. Zimmermann, über den jüngsten Wochenbericht des Instituts beschwert.
Dieser stelle ein Konglomerat aus schlechter Recherche, aus Aneinanderreihungen unvollständiger Daten und falscher Behauptungen sowie aus absurden Schlußfolgerungen dar und werde einem empirischen Anspruch nicht gerecht, heißt es in dem am Wochenende verschickten Brief, der dieser Zeitung vorliegt. Das DIW hatte berichtet, die Lage der Krankenhausärzte sei weniger dramatisch als vielfach behauptet, und damit der angekündigten neuen Streikwelle der Mediziner, die gegen die von den Bundesländern verordneten Einkommenskürzungen und längere Arbeitszeiten in den Universitätskliniken protestieren, indirekt die Legitimation abgesprochen.
Keine anständige Recherche
Montgomery rügt besonders die Einkommensberechnungen des DIW, in denen ein monatlicher Nettoverdienst von 2009 Euro (10,80 Euro je Stunde) ausgewiesen worden war. Hätte sich der Autor die Mühe einer empirisch anständigen Recherche gemacht und die tatsächliche Arbeitsleistung inklusive Bereitschaftsdienste, Überstunden, der zwangsweise in der Freizeit zu erbringenden Forschungstätigkeit sowie der bereits umgesetzten Einkommenskürzungen für Ärzte durch die Politik berücksichtigt, dann käme er zum erstaunlichen Resultat, daß der Stundenlohn eines jungen Arztes in Wirklichkeit unter dem der Putzfrau in der Klinik liegt, schreibt Montgomery. Im übrigen sei die im Bericht beschriebene Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 42 Stunden nicht im Gespräch, sondern seit der Kündigung des Tarifvertrags durch die Tarifgemeinschaft deutscher Länder zum 30. April 2004 für alle Neuverträge Realität.
Text: nf. / F.A.Z., 29.08.2005, Nr. 200 / Seite 9
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
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