Niedriger als die Inflation

Zuschlag für die Rentner fällt wohl bescheiden aus

06. März 2008 Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen sich in diesem Jahr möglicherweise mit einer bescheideneren Rentenerhöhung zufriedengeben als erhofft. Sie könnte deutlich unter einem Prozent liegen – also unter dem, was der Schätzerkreis der Deutschen Rentenversicherung noch im vergangenen Oktober für die Anpassung zum 1. Juli 2008 in Aussicht gestellt hatte.

Damals hatten die Schätzer 1,03 Prozent mehr Rente in Westdeutschland und 1,13 Prozent mehr im Osten erwartet. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hatte im August sogar mit 1,5 Prozent Rentenerhöhung für 2008 gerechnet. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung sollen die Renten nur um 0,5 Prozent steigen. Sprecher der Rentenversicherung und des Bundessozialministeriums wollten diese Zahl am Donnerstag allerdings nicht bestätigen. 2007 waren die Altersbezüge nach drei Nullrunden um 0,54 Prozent erhöht worden. In Anbetracht der Jahresinflation von 2,3 Prozent war dies real ein Minus.

Genaue Daten zur Lohnentwicklung liegen frühestens im März vor

Rentenversicherung und Sozialministerium betonten, für eine Aussage zur Rentenanpassung 2008 sei es noch zu früh. Die genauen Daten zur Lohnentwicklung des vergangenen Jahres in West und Ost würden frühestens Mitte März vorliegen, sagte der Sprecher der Rentenversicherung. Die Erhöhung werde aber die allgemeine Preissteigerung nicht ausgleichen können. Die Sozialverbände kritisierten, auch wenn die genaue Anpassung noch nicht abzusehen sei, werde die Kaufkraft der Rentner weiter sinken. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. Die Renten müssten, wenn die Löhne stiegen, durch einen Inflationsausgleich vor einem Wertverlust geschützt werden.

Nach der Rentenformel müssen von der prozentualen Lohnentwicklung mehrere Faktoren abzogen werden, die den Rentenanstieg dämpfen – das sind in diesem Jahr 0,6 Prozentpunkte wegen des Riester-Faktors (als Ausgleich für die Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge) und 0,4 Prozentpunkte als Ausgleich für den Beitragssatzanstieg von 19,5 auf 19,9 Prozent 2007. Unklar ist noch, wie sich der Nachhaltigkeitsfaktor auswirken wird, der das veränderte Verhältnis der Anzahl von Rentnern und Beitragszahlern nachzeichnet. Im vorigen Jahr wirkte dieser Faktor wegen der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt rentenerhöhend. Das könnte auch in diesem Jahr wieder passieren.



Text: enn./F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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