Marburger Plan

Solarzellen auf fast jedes Dach

Dächer der Altstadt in Marburg

Dächer der Altstadt in Marburg

01. Februar 2008 Die Stadt Marburg will Solaranlagen nach und nach an allen privaten und gewerblichen Gebäuden im Stadtgebiet zur Pflicht zu machen. Dies sieht ein Satzungsentwurf des städtischen Baudezernats vor. Die „solare Baupflicht“ soll sowohl für Neubauten gelten als auch für alte Gebäude, deren Dächer oder Heizungsanlagen saniert werden. Die Kosten für die Solaranlage auf dem Dach oder an den Fassaden soll der jeweilige Gebäudebesitzer tragen. Die hessische Eigentümerschutzgemeinschaft „Haus & Grund“ kritisierte die Pläne als massiven „Eingriff in die Eigentumsfreiheit“.

Mit einer flächendeckenden solaren Baupflicht wäre das mittelhessische Marburg nach Stadtangaben bundesweit Vorreiter. Eine Solaranlagen-Pflicht gebe es in Deutschland zwar bereits in einigen Städten - bislang aber nur für begrenzte Neubaugebiete wie etwa im nordhessischen Vellmar. Vorbild für die Marburger Initiative sei Barcelona. Die spanische Stadt habe vor einigen Jahren als erste Stadt in Europa eine solare Baupflicht eingeführt

„Investitionskosten in zehn bis 15 Jahren ausgeglichen“

„Wir haben Dachflächen ohne Ende”

„Wir haben Dachflächen ohne Ende”

Von der Pflicht ausgenommen sein sollen bestimmte unter Denkmalschutz stehende Gebäude und Häuser mit Dächern, die immer im Schatten sind. „Auf das Landgrafenschloss, die Elisabethkirche und das Rathaus werden keine Solaranlagen kommen, wir wollen ja nicht die Altstadt verschandeln“, sagte Marburgs Bürgermeister und Baudezernent Franz Kahle (Die Grünen). „Aber wir haben Dachflächen ohne Ende, und die wollen wir nicht weiter ungenutzt lassen“, sagte Kahle. Statt auf Gas und Öl müsse langfristig auf unbegrenzte Ressourcen wie Sonne oder Wasser und regenerative Energien gesetzt werden.

25 bis 40 Prozent des Gesamtwärmeaufkommens in einem Haus - also der Energie für warmes Wasser oder für das Heizen - könne über die Sonnenenergie abgedeckt werden, sagte Kahle. Die Größe der Solaranlagen richtet sich laut Entwurf nach der Größe des Gebäudes. Mindestens 5000 Euro muss ein Hausbesitzer laut Kahle für eine Solaranlage aufbringen. „Bei den heutigen Ölpreisen sind die Investitionskosten in zehn bis 15 Jahren ausgeglichen“, sagte Kahle.

Stadtverordnete müssen erst noch entscheiden

Im Frühjahr soll der überarbeitete Entwurf zur solaren Baupflicht in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden. Wenn er dann vom Stadtparlament verabschiedet werde, könne die Solaranlagen- Pflicht schon zum Sommer in Kraft treten, sagte Kahle. Mit Widerstand rechnet der Bürgermeister nicht. Die hessische Bauordnung lasse eine solare Baupflicht grundsätzlich zu und beschränke sie nicht auf Neubauten.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt

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