Kindertagesstätten

Verhärtete Fronten im Erzieherinnen-Streit

Von Henrike Roßbach

Auf der Großkundgebung in Duisburg

Auf der Großkundgebung in Duisburg

22. Juni 2009 Der Streik in den kommunalen Kindertagesstätten entwickelt sich zum Dauerzustand. Am Montag legten nach Angaben der Gewerkschaften rund 25.000 Erzieherinnen abermals die Arbeit nieder. Vor allem in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt standen viele Eltern vor geschlossenen Türen. Seit Mitte Mai überziehen die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Bildungsgewerkschaft GEW das Land nun schon mit Streiks.

Am Freitag wurden die jüngsten Gespräche nach fünf Verhandlungstagen abgebrochen, weil die Gewerkschaften das neue Angebot der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) abgelehnt hatten. Das Angebot sieht eine eigene Entgeltgruppe für Erzieherinnen vor. Innerhalb derer könnten sie zwischen 2035 und 2815 Euro im Monat verdienen. Gegenüber der Entgeltgruppe, in die sie derzeit einsortiert sind, wäre das nach Berechnungen der Arbeitgeber ein monatliches Plus von durchschnittlich 11,62 Prozent, in der Spitze von 13,75 Prozent.

Unzufrieden: Erzieherinnen protestierten am Montag in Mannheim

Unzufrieden: Erzieherinnen protestierten am Montag in Mannheim

Das Angebot sei den Kommunen angesichts ihrer finanziellen Lage mitten in der Wirtschaftskrise schwer gefallen, sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann dieser Zeitung. Doch die Reaktion der Gewerkschaften fiel wenig ehrfürchtig aus. Vielmehr rechneten sie vor, dass der Arbeitgebervorschlag für Ledige nur ein Plus von 0,3 Prozent und für Verheiratete sogar ein Minus von 3,6 Prozent bedeute. Zahlenspielereien und das Herunterrechnen von angebotenen Gehaltsprozenten gehören zwar zu jeder Tarifverhandlung. Im Kita-Streit nimmt die unterschiedliche Auslegung aber groteske Formen an. „Wie die Gewerkschaften auf diese Zahl kommen, ist mit unverständlich“, sagt Hoffmann von der VKA.

Das Geheimnis, das aus mehr als 11 Prozent ein Minusgeschäft macht, ist die Wahl der Vergleichsgröße. Die Arbeitgeber vergleichen ihr Angebot mit dem Status quo. Dass auf dieser Grundlage jene 11,62 Prozent herauskommen, bestreiten auch die Gewerkschaften nicht. Sie aber vergleichen die Arbeitgeberangebote mit dem, was Erzieherinnen in ihrem gesamten Berufsleben verdienen würden, wenn sie noch nach dem alten Bundesangestelltentarifvertrag bezahlt würden und nicht nach dessen Nachfolger, dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Die Lücke zwischen der alten und der neuen Tarifwelt beziffern die Gewerkschaften auf 13 Prozent oder 135.000 Euro in einem Berufsleben. Das VKA-Angebot gleiche dieses Minus gerade einmal aus; für Verheiratete nicht einmal das, weil Zulagen nicht mehr existierten, sagte der Sprecher der GEW. Das werde der Aufwertung des Berufs, die es in den vergangenen Jahren gegeben habe, nicht gerecht. Heute erwarteten die Eltern, dass ihre Kinder auf einem gewissen Niveau gebildet würden, „und das werden sie auch“, denn die Erzieherinnen hätten sich weitergebildet.

Einen neuen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, auch wenn beide Seiten beteuern, sie seien jederzeit zu Gesprächen bereit. Die Gewerkschaften wollen noch zwei Wochen streiken, dann kommen erst einmal die Sommerferien.

In den Kommunen versteht man die harte Linie der Gegenseite nicht. „Was dahintersteckt, darüber kann man nur spekulieren“, sagte Hoffmann. Wenn Verdi und die GEW darauf setzten, dass die Arbeitgeber „noch einmal nachlegen“, täuschten sie sich. Die finanzielle Situation werde immer schwieriger, „das wissen alle“.

Die Ausbildung zu staatlich anerkannten Erziehern

Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Der Weg in diesen Beruf sieht deshalb in jedem Bundesland etwas anders aus. Allerdings haben sich die Kultus- und Jugendminister der 16 Länder auf einen gewissen Rahmen geeinigt. Demnach ist der Realschulabschluss Voraussetzung, um Erzieher zu werden. Die Ausbildung dauert vier oder fünf Jahre.

Zunächst müssen angehende Erzieher eine berufliche Vor-Ausbildung abschließen, etwa als Kinderpfleger oder Sozialassistent. Diese Ausbildung dauert zwei Jahre und findet auf einer Berufsfachschule statt.

Im Anschluss gehen sie auf eine Fachschule, wo sie weitere zwei Jahre lang ausgebildet werden.

Danach folgt ein Praxisjahr, dann die Abschlussprüfung. In einigen Ländern ist dieses Praxisjahr in die Ausbildung an der Fachschule integriert - die dann zwei oder drei Jahre dauern kann.

Insgesamt müssen Erzieherinnen mindestens 2400 Stunden Unterricht und mindestens 1200 Stunden Praxis hinter sich bringen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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